Foto: Horst Rudel

Der Verein Bürger helfen Bürgern findet keinen neuen Vorstand. Wichtige Angebote drohen nun wegzufallen.

Schwaikheim - Ohne die sechs Damen am Tisch wäre Schwaikheim ein Stück ärmer. Und das ist keine Übertreibung. Ingrid Boegler etwa war es, die den Verein Bürger helfen Bürgern vor 22 Jahren initiiert hat: „Hilfe zur Selbsthilfe, das war unser Grundgedanke“, erzählt sie. Mit dem ehrenamtlichen Engagement in der damals noch gemeindeeigenen Tagespflege hat alles angefangen. Die Helfer unterstützten die Fachkräfte, brachten sich mit Bastel-, Sing- oder Spielangeboten ein. Das Tätigkeitsfeld des rührigen Vereins wurde schnell immer größer. In Spitzenzeiten engagierten sich 70 bis 80 Helfer in ganz unterschiedlichen Angeboten, von denen bis heute die meisten sehr erfolgreich laufen. Doch nun steht der Verein vor dem Aus  – auf einen Schlag sind alle Posten im Vorstand vakant geworden.

Engagement hat Elan gekostet

Zum Beispiel der von Marie-Luise Gimmler. Sie ist seit knapp 15 Jahren im Vorstand aktiv, zunächst als stellvertretende und seit langem als Vorsitzende des Vereins. Sie hat einen interkulturellen Dialog ins Leben gerufen, ist seit vielen Jahren in der Sprachhilfe aktiv – und will jetzt ihr Engagement zurückfahren: „Ich bin müde“, sagt die 66-Jährige. Der große Organisationsaufwand des Vereins hat an ihr und ihrem Elan gezehrt. Auch die Kassiererin Helga Zimmermann-Buss, die Schriftführerin Ute Sprandel-Flandrack oder die Kulturbeauftragte Gabriele Zaiser möchten ihre Ämter abgeben.

Nächste Woche soll neu gewählt werden

Nächste Woche, bei der Mitgliederversammlung, soll gewählt werden. Nur: Nachfolger sind noch nicht in Sicht. „Egal, wen ich frage: Alle bedauern das sehr. Aber das hilft uns auch nicht weiter“, sagt Marie-Luise Gimmler. Selbst der Bürgermeister habe sie gebeten, weiterzumachen. Aber das kommt für sie nicht in Frage: „Ich denke, dass neue Leute auch ganz neue Ideen verwirklichen könnten“, sagt sie.

Da es bisher allerdings danach aussieht, dass am kommenden Mittwoch kein neuer Vorstand gewählt werden kann, kümmern sich die Aktiven bereits darum, wie die einzelnen Bereiche eventuell weitergeführt werden können. Etwa der von Margarete Marte: sie organisiert die Hausaufgabenbetreuung. Viermal in der Woche bekommen 16 Grundschulkinder Hilfe bei Rechenaufgaben oder Leseübungen und werden nebenbei nach Schulschluss zwei Stunden lang betreut. „Das wird von den Eltern sehr geschätzt, vor allem wegen unserer Verlässlichkeit“, erzählt Margarete Marte. Neben ihr sitzt Doris Eckardt. Zusammen mit einem Team aus 18 Vorlesern besucht sie die Schwaikheimer Kindergärten und bestreitet beliebte Leseveranstaltungen in der Bücherei. Darüber hinaus gibt es noch den Mittagstisch, der jeden Freitag in der Begegnungsstätte stattfindet. Ute Sprandel-Flandrack und ihre Mitstreiter organisieren die Mahlzeiten, die von verschiedenen Gaststätten geliefert werden, bereiten einen Nachtisch vor und decken die Tische schön ein. Etwa 20 Schwaikheimer Senioren nehmen das Angebot wahr.

Hoffnung, dass sich noch jemand findet

Das Gespräch mit der Schule wegen der Hausaufgabenbetreuung steht noch aus, aber mit der Bücherei wurde bereits abgeklärt, wie die Vorlesegruppe alleine weitermachen könnte. Und auch in Punkto Mittagstisch wird schon nach einer Lösung gesucht. Letztlich aber besteht die Hoffnung, dass der Verein mit seinen immerhin 295 Mitgliedern doch irgendwie fortbestehen kann. „Wir waren der erste dieser Art im Rems-Murr-Kreis und in vielen Dingen ein Vorreiter“, sagt Ingrid Boegler.

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