Eigentlich hat er sich in den Ruhestand verabschiedet, aber trotzdem ist er jeden Tag in seinem Lokal: Christos Chatzopoulos übernahm vor 40 Jahren den Imbiss Udo Snack im Stuttgarter Osten. Das war der Anfang einer Burger-Dynastie.
Von Udo Snack kann sich Christos Chatzopoulos einfach nicht trennen. Vor 40 Jahren übernahm er den Imbiss im Stuttgarter Osten, als Hamburger noch kein Hype waren. Manche Menschen in der Nachbarschaft nennen ihn sogar Udo und einer sagt, ob im Spaß oder ernsthaft ist nicht ganz klar, Herr Snack zu ihm. Er kommt immer noch täglich zur Arbeit, obwohl sein Ruhestand schon längst verkündet wurde. „Das ist mein Leben“, sagt der 65-Jährige. Nur seinen Platz am Herd hat er mittlerweile geräumt, da stehen nun Angestellte. Wie keine andere spiegelt seine Familie die Entwicklung des US-amerikanischen Fast Foods in der Stadt wider: Der jüngere Sohn führt das erste Hamburger-Lokal Stuttgarts weiter, der ältere hat im Namen des Vaters eine Kette gründet.
Die Selbstständigkeit ist eine Familienangelegenheit
„Es steckt in unserer DNA, selbstständig zu sein“, sagt Christos Chatzopoulos. Als Beweis zieht er seinen Großvater heran, der mit einem Pferd eine Mühle betrieb und aus Sesam die Paste Tahin herstellte. Bei ihm wuchs er auf, weil die Eltern 1962 in Deutschland eine bessere Arbeit suchten. Der Vater setzte auf einen festen Lohn in der Industrie, sein Sohn wollte in die Gastronomie. In Griechenland fehlten ihm dazu die Beziehungen, in Stuttgart stieß er auf Udo Snack, weil Udo Höroldt die Filiale in der Schwarenbergstraße aus gesundheitlichen Gründen verkaufte. Es war, was er suchte: klein, unkompliziert, als Ein-Mann-Betrieb zu schaffen. In dem schmalen Imbiss hatte er hinter der Theke gerade genug Platz, um die Hamburger zu braten und Pommes zu frittieren. Dass er am Anfang eine Durststrecke überwinden musste, ist aus heutiger Perspektive kaum zu glauben. Fast wäre er mit Frau und kleinem Sohn in die Heimat zurückgekehrt, bis er sich im Viertel seinen Namen machte.
Dabei waren Hamburger damals eine Seltenheit, McDonald’s und Burger King lange Zeit die einzige Konkurrenz. „Es war ganz neu für mich“, sagt auch Christos Chatzopoulos. Udos Spezialburger mit Ananas traute er sich zunächst nicht einmal, selbst zu essen, derart merkwürdig kam ihm die Kombination vor. Die Abwandlung vom typisch deutschen Toast Hawaii steht aber nach wie vor auf der Speisekarte. Burger mit Ei und oder Käse sowie Currywurst und immer sehr viel Pommes bereitete er zu. Im engen Imbiss ging es wie in einer Kneipe zu, da wurde geschwätzt, geraucht und getrunken. „Unvorstellbar heute“, sagt er. Und wenn sich eine Schlange bildete, litten die Gäste mit und machten sich Sorgen, dass die Schulter des Wirts schmerzen könnte vom übermäßigen Wenden der Pattys. „Wir waren ganz nah beisammen“, sagt er über sich und seine Kundschaft, „sie haben mich gemocht.“
Die Zuneigung habe er sich verdient – mit viel Mühe, betont Christos Chatzopoulos. Denn er stand 36 Jahre lang am Herd, und zwar an sechs Tagen in der Woche von acht Uhr bis um Mitternacht mit nur zwei Stunden Pause. Er fiel kein einziges Mal wegen Krankheit aus. Erkältungen sparte er sich für den Urlaub auf. Denn an Weihnachten, Ostern und im August leistete er sich immer einige Wochen Ferien. Samstag war Ruhetag, damit er mit den beiden Söhnen auf den Fußballplatz gehen konnte. „Diese Arbeit ist normalerweise unbezahlbar“, weiß er, „aber du machst es für dich, wenn du es liebst.“ Vor sieben Jahren wagte er noch den Ausbau des Imbisses zum Lokal mit Tischen und Sitzplätzen, um seinem Sohn Ioannis „etwas Gutes“ übergeben zu können. Der 37-Jährige führt seit drei Jahren die Geschäfte.
Dass die nächste Generation am Werk ist, lässt sich an der Speisekarte ablesen. Bei Christos Chatzopoulos wurden die Burger mit Käse und oder Ei serviert, später führte er seine Ökovariante ein, indem er einfach das Fleisch wegließ. Sein Sohn Ioannis kreierte dagegen den Greek Burger mit Tsatsiki, doppelt Zwiebeln und Oliven. Ein veganen Burger und eine Barbecue-Variante kamen dazu, Chicken Burger und Chili Burger, Süßkartoffel-Pommes und Chicken Fingers. Geblieben sind die Preise von 3,70 Euro für den Original Udo Burger, und für die große Portion Pommes sei Udo Snack bekannt. „Besser mehr Gäste und mehr Umsatz“, lautete immer auch die Kalkulation des Vaters.
Im Namen des Vaters Pops Burger gegründet
Während bei Udo Snack im Osten die Tradition gepflegt und langsames Wachstum praktiziert wird, hat der ältere Sohn Apostolos das Konzept weiterentwickelt: Pops Burger heißt seine 2014 gestartete regionale Franchisekette als Hommage an den Vater, die nunmehr elf Filialen hat. „Die Kinder müssen besser werden als die Eltern“, findet Christos Chatzopoulos. Seine Art von Einsatz lehnten beide Kinder allerdings ab. Auch dass die Mitarbeiter Elternzeit nehmen oder lieber weniger Stunden arbeiten und mehr vom Leben haben wollen. Andererseits findet er sein Leben nicht schlecht, sondern ganz im Gegenteil ziemlich gelungen, immer von Freunden umringt bei guter Stimmung. Von manchen Familien aus der Nachbarschaft kennt er schon drei Generationen, Schüler von der gegenüberliegenden Schule kommen später als Studenten mal vorbei. Deshalb kann er sich nicht vorstellen, nichts mehr mit Udo Snack zu tun zu haben. „Das war meine Aufgabe, und das bleibt meine Aufgabe“, ist sich Christos Chatzopoulos sicher. Er betrachtet es jetzt einfach als sein Hobby. Nur zwischendurch, wenn das Lokal geöffnet ist, verschwindet er. Weil die Jungen es eben anders machen als der Senior und er nicht schimpfen möchte. Zumal er von seiner Stammkundschaft hört, dass bei Udo Snack immer noch alles beim Alten ist.