Martin Roth kommt nun häufiger in seine Heimat Stuttgart zurück. Foto: V_A images

Er ist einer der erfolgreichsten Museumsmanager. Vom nächsten Jahr an will Martin Roth nicht nur in London, sondern auch in seiner schwäbischen Heimat wirken.

Stuttgart - Die Nachricht kommt mehr als überraschend. Vor knapp zwei Wochen war er noch zu Gast im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart und berichtete leidenschaftlich von seiner Arbeit in London. Seit 2011 leitet Martin Roth das berühmte Londoner Victoria and Albert Museum. Nun ist bekannt geworden, dass der versierte Museumsmann auch Präsident des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) in Stuttgart werden wird. Mitte kommenden Jahres wird er sein neues Amt antreten und auf Ursula Seiler-Albring folgen. Sie steht dem Institut für Auslandsbeziehungen seit 2006 vor und will den Posten aus persönlichen Gründen niederlegen.

Mit der Entscheidung für Martin Roth sei es dem Institut für Auslandsbeziehungen gelungen, „ein deutliches Zeichen des Aufbruchs zu setzen“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Martin Roth sei einer der renommiertesten und im In- und Ausland erfolgreichsten deutschen Kulturmanager. Er stehe „geradezu exemplarisch für die Verbindung zwischen Innen und Außen“, meint Steinmeier.

Martin Roth, der 1955 in Stuttgart geboren wurde, studierte in Tübingen empirische Kulturwissenschaften. Seine Doktorarbeit schrieb er über die Geschichte des kulturhistorischen Museums. 1989 ging Roth zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter ans Deutsche Hygienemuseums in Dresden, dessen Direktor er zwei Jahre später wurde. Nachdem er die Expo 2000 in Hannover verantwortete, wurde Roth 2001 Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlung Dresden. Nach zehn durchaus erfolgreichen Jahren folgte er gern dem Ruf nach London ans Victoria and Albert Museum, zerrüttet von ständigen Querelen mit der Politik.

Anhänger des offenen Museums

Es habe eine Weile gedauert, bis er die Gepflogenheiten im englischen Kulturbetrieb durchschaut habe, erzählte Martin Roth bei seinem Besuch kürzlich in Stuttgart, wo er in der Reihe „Württembergische Köpfe“ des Landesmuseums Württemberg zu Gast war und seine Vorstellungen von Kultur erläuterte. Er ist ein Verfechter des offenen Museums, das nicht allein Bildungsinteressen verfolgen sollte, sondern der Öffentlichkeit auch Räume zur Verfügung stellen, an denen man sich wohlfühlen könne und auch aktuelle Themen verhandelt würden. Auch Ausstellungen sollten die Besucher erfreuen, so Roths Devise, man müsse bei Kulturangeboten die Schwelle niedrig und das Niveau hoch halten – wozu für Roth auch freier Eintritt ins Museum gehört.

Martin Roth, der auch Mitglied des Board of Trustees des British Councils ist, macht kein Hehl daraus, dass er das System der deutschen Kulturpolitik teilweise für problematisch hält und dass er froh ist, deren „permanenter Kontrolle” entkommen zu sein. Als ifa-Präsident wird er mehr denn je mit Politik zu tun haben. Das Institut fördert den Kunst- und Kulturaustausch weltweit und wird vom Auswärtigen Amt, dem Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart gefördert. Er freue sich, mit dem Generalsekretär Ronald Grätz und seinem Team die Strategien und Programm des Instituts „produktiv mitgestalten zu kommen“, so Roth. Er freue sich aber auch als gebürtiger Stuttgarter, ans ifa zu kommen. Roth ist verheiratet und hat drei Kinder.

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