Albert Uderzo im Selbstporträt Foto: Petsch

Comics: Das Institut français zeigt eine Ausstellung mit allen Großen der Neunten Kunst.

Stuttgart - Für einen deutschen Bildungsbürger ist alles jenseits von Schiller und Goethe keine Kunst, man muss den Staub von Büchern pusten können, damit sie als Literatur gelten. Krimis sind seichte Kost, Bildergeschichten wenn überhaupt etwas für Kinder. Die Franzosen sehen das anders. Nicht, dass sie ihre Klassiker nicht schätzten, aber sie lieben eben auch ihre Bildergeschichten. Und haben dafür den Begriff Neunte Kunst erfunden.

In Frankreich sind Albert Uderzo und René Goscinny, die Schöpfer von Asterix, so anerkannt wie Albert Camus. Und ein Zeichner wie Jean Giraud, Schöpfer von "Blueberry", wird verehrt wie Victor Hugo. So ist es kein Wunder, dass der wichtigste Preis der Comic-Szene in Frankreich verliehen wird. Beim Festival von Angouleme. Eine Auszeichnung, die man mit dem Oscar der Filmbranche vergleichen kann. 38 Meister des Comics haben diesen Preis erhalten. Sie kann man jetzt im Institut franÛais an der Diemershaldenstraße 10 entdecken.

Eine Galerie der Comic-Geschichte hängt im Erdgeschoss des Instituts neben der Bücherei an der Wand. Auf großen Tafeln stehen die Biografien der Künstler, ihr Werdegang und ihre Werke. Was die Ausstellung aber ganz besonders macht, ist, dass sie sich allesamt selbst gezeichnet haben. Die Selbstporträts von Künstlern wie Art Spiegelmann, André Franquin, Baru, Hugo Pratt, Will Eisner oder Jijé sind alleine schon sehenswert. Aber natürlich kann man auch in ihren Alben schmökern.

"Wir haben 507 Comics", sagt Catherine Aubert vom Institut franÛais. "Die Comic-Kunst spielt in Frankreich eine große Rolle und damit in unserer Bibliothek." Sie soll einladen, sich mit der Sprache und dem Land zu beschäftigen.

Die Bandbreite der Werke ist enorm. Klar, Asterix kennt jeder. Auch das Marsupilami ist vielen ein alter Freund. Ebenso der schusselige Bürobote Gaston. Und so mancher ist mit Corto Maltese zu den Sehnsuchtsorten der Welt gereist. Aber man findet auch den fiesen Humor eines Reiser, die feministischen Comics von Claire Bretecher, Science Fiction von Moebius, die Gangstercomics von Baru. Oder die Maus-Comics von Art Spiegelmann, der darin seine Familiengeschichte verarbeitet, Juden als Mäuse darstellt und Nazis als Katzen. 1992 erhielt er dafür den Pulitzerpreis. Und machte damit klar, Comics sind Literatur. Aber das wissen die Franzosen schon längst.

Die Ausstellung in der Diemershaldenstraße 10 ist dienstags von 14 bis 18.30 Uhr zu sehen, donnerstags von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 18.30 Uhr und freitags von 14 bis 17.30 Uhr. Am 8. und 9. November kann man mit dem Autor Simon Liberman zeichnen. Anmeldung: 0711/2392514.

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