Derzeit weist nur ein großes, blaues Plakat auf den neuen Anwohner hin. Foto: Nina Ayerle

Das Institut Français investiert rund vier Millionen Euro in ein neues Gebäude in der Schlossstraße 51.

S-Mitte - Wo vor Kurzem noch die Stereo Lounge und ein Geschäft für Outdoor-Utensilien untergebracht waren, steht derzeit nur eine leere Gebäudehülle. Am Gerüst hängt ein übergroßes, blaues Plakat: „Ab 17. Oktober. Institut Français“. Für knapp 4,3 Millionen Euro hat die Stiftung Institut Français de Stuttgart im vergangenen Jahr das Gebäude gekauft. Der 17. Oktober wird bisher als Einzugstermin angepeilt. „Wenn es nicht fertig ist, feiern wir einfach trotzdem“, sagt der Generalkonsul Michel Charbonnier. Er freue sich vor allem, dass das Institut dann dauerhaft in der Innenstadt ansässig sei.

Das ist verständlich, denn dem Neubau ist ein langer Prozess vorangegangen. Bis das richtige Gebäude und der passende Standort gefunden waren, war viel Zeit ins Land gegangen. Zudem musste die Stiftung eine Partnerschaft mit der Stadt Stuttgart schließen, da sie auf finanzielle Zuschüsse angewiesen war. Zu 25 Prozent gehört das Gebäude am Berliner Platz deshalb nun der Landeshauptstadt. „Das ist aber kein Geschenk“, sagt Charbonnier. Das Institut zahle eine entsprechend Miete an die Stadt Stuttgart.

Der alte Standort ist zu teuer geworden

Zunächst hatte sich das französische Kulturinstitut 60 Jahre lang an der Diemershaldenstraße befunden. Die Villa Loos war im Besitz der Stiftung Institut français de Stuttgart, die gemeinsam mit dem „Verein der Freunde des Instituts“ dieses unterstützt. Gekauft worden war die Villa 1951, exakt ein Jahr vor der Gründung Baden-Württembergs. „Frankreich wollte sich vor der Gründung dieses Bundeslandes seinen Platz in diesem neuen Land sichern“, erzählt der Generalkonsul. Das deutsche Nachbarland habe dafür die Stiftung und das Institut an der unteren Gänsheide gegründet. „Es war sehr schön dort, aber leider inzwischen sehr teuer“, sagt Charbonnier, der auch Leiter des Instituts ist. Viel Geld sei in die Unterhaltung des Gebäudes geflossen. „Es war Zeit umzuziehen“, sagt er.

Der Generalkonsul und seine Mitarbeiter sind begeistert von der neuen Lösung. Derzeit ist das Institut noch übergangsweise am Rotebühlplatz untergebracht. „Seit wir dort sind, haben wir gemerkt, wie viele Leute mehr auf uns aufmerksam werden“, sagt der 54-Jährige, der seit September 2010 in Stuttgart lebt und arbeitet. Im Sommer 2014 wird seine Amtszeit in Deutschland aber voraussichtlich zu Ende sein. Das neue Gebäude war eines seiner großen Projekte. „Ich freue mich, dass es mir gelungen ist, bevor mein Amt hier zu Ende ist, ein neues Haus für das Institut zu finden“, sagt er stolz. Er hoffe nun, das französische Kulturinstitut könne dort weitere 60 Jahre bleiben.

Bauliche und konzeptionelle Veränderungen

Doch nicht nur baulich möchte sich das Institut verändern, sondern auch konzeptionell. Ein Punkt ist der Ausbau der Kulturarbeit. „Wir wollen noch enger mit unseren Partnern zusammenarbeiten“, sagt die Kulturbeauftragte des Instituts, Claire Saillour. So zum Beispiel mit dem Literaturhaus und der Uni Stuttgart, mit denen die Franzosen schon länger kooperieren. Ein weiteres Ziel ist, verstärkt jüngeres Publikum anzusprechen. Im Erdgeschoss des neuen Gebäudes wird es zudem eine große Mediathek mit den neuesten französischen Medien geben. Diese können vor allem die Sprachschüler des Instituts nutzen, aber natürlich stehen sie jedem offen. „Wir haben jetzt ein großes Schaufenster zur Straße. Das ist eine Einladung für jeden“, sagt der Generalkonsul.

Rund 1000 Personen nutzen derzeit das Sprach- und Kulturangebot des Instituts. Das seien 30 Prozent mehr als zu Zeiten, als das Institut noch auf der Gänsheide saß. Mit den Sprachkursen und dem französischen Kulturangebot möchte der Generalkonsul bei den Stuttgartern die Sehnsucht nach Frankreich wecken. Das Besondere an dem Institut sei, dass es eine kleine Ecke Frankreichs in der Landeshauptstadt darstelle, sagt Charbonnier und zeigt auf einen kleinen blauen Plastikstuhl. „Dieser Stuhl wird Symbol für unser neues Institut und unsere Kurse sein“, sagt er. Er sein schön, bequem und blau – im italienischen Design. Deshalb passe er gut zum Institut. „Der Sponsor ist eine französische Möbelfirma.“

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