Bis 12. Oktober soll feststehen, wie die turbulente letzte Reise für Air Berlin bis zum Ende des Jahres weitergeht. Foto: dpa

Neben sämtlichen Langstrecken werden auch innerdeutsche Verbindungen aufgegeben. Die beiden Airlines Lufthansa und Easyjet sollen Teile des Pleiteunternehmens übernehmen.

Berlin - Kunden von Air Berlin müssen sich auf weiteren Ärger einstellen. Neben allen Langstrecken gibt das insolvente Unternehmen nun auch erste innerdeutsche Verbindungen auf. Schon ab Freitag, 29. September, werden die Flugverbindungen Hamburg – München sowie Köln/Bonn – München eingestellt. Weitere Anpassungen sollen „in den kommenden Tagen folgen“, teilte Air Berlin nach einer Sitzung des Aufsichtsrats am Montag mit.

Wie erwartet bestätigte das Kontrollgremium den Beschluss der Gläubigerversammlung, mit den Konkurrenten Lufthansa und Easyjet die Übernahme von überlebensfähigen Teilen der Flotte zu verhandeln. Bis zum 12. Oktober soll ein Ergebnis vorliegen, der gesamte Prozess bis Jahresende abgeschlossen sein. Es gebe „ein klares und strukturiertes Investorenverfahren“, sagte der vom Gericht eingesetzte Verwalter Lucas Flöther.

Den Angaben zufolge hat Lufthansa ein Angebot für die nicht insolvente Ferienfluggesellschaft NIKI, die Tochterfirma Walter (LGW) und Teile von Air Berlin vorgelegt. Konzernchef Carsten Spohr hatte bereits erklärt, bis zu 78 der 144 Flugzeuge der bisherigen Nummer zwei in Deutschland übernehmen zu wollen. Angeblich soll sich das Angebot für Air Berlin auf rund 200 Millionen Euro belaufen.

Airline hatte Ende März noch 8600 Beschäftigte

Laut dem Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann bestehen gute Chancen, 80 Prozent der Belegschaft bei den Käufern unterzubringen. Ende März hatte die Fluglinie noch 8600 Beschäftigte, in Vollzeitstellen sollen es aktuell noch 6500 sein. Auch am Montag fielen wieder Flüge von Air Berlin kurzfristig aus. Zuvor hatten bereits haufenweise Krankmeldungen von Crews ein zeitweises Chaos ausgelöst.

„Wir sind noch nicht am Ziel unserer Verhandlungen“, betonte Frank Kebekus, der für die Insolvenz in Eigenverwaltung eingesetzte Generalbevollmächtigte. Ein stabiler Flugbetrieb in den kommenden Tagen und Wochen sei „Grundvoraussetzung für den Erfolg“. Es werde aber nicht möglich sein, alle Arbeitsplätze zu erhalten, räumte der Insolvenzverwalter Lucas Flöther ein.

Die Lufthansa-Tochter Eurowings soll viele Jets und Mitarbeiter von Air Berlin übernehmen. Inzwischen seien für die weitere Expansion mehr als 1000 Stellen ausgeschrieben und 1500 Bewerbungen gekommen, teilte das Unternehmen mit. Die Fluglinie Air Berlin dagegen gibt die Langstreckenflüge bis zum 15. Oktober komplett auf. Bisher fand sich für diese Flotte offenbar kein Bieter.

Jets zurückgegeben

Als offizieller Grund wird genannt, dass die Leasingfirmen nach und nach ihre Airbus A330-Jets zurückzögen. Zehn der 17 Langstrecken-Flieger hatte Air Berlin schon am Wochenende zurückgeben müssen. Seine Flotte hat das Unternehmen nur gemietet und muss dafür hohe Leasingkosten aus dem laufenden Betrieb finanzieren.

Die Insolvenz soll zumindest für die Steuerzahler nicht zum totalen Verlustgeschäft werden. Wenn die Verträge mit den Käufern wie geplant unterzeichnet würden, bestehe „eine gute Chance“, den staatlichen Hilfskredit von 150 Millionen Euro zurückzuzahlen, teilte Air Berlin mit. Mit der Finanzspritze der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hatte die Bundesregierung das sofortige Aus der Fluglinie kurz vor der Bundestagswahl verhindert, aber erheblichen Unmut bei Konkurrenten und Wettbewerbsexperten ausgelöst.

Ryanair hält die Staatshilfe für unzulässig

Der irische Konkurrent Ryanair hält die Staatshilfe für ebenso unzulässig wie die Übernahmepläne der Lufthansa und reichte Beschwerden bei der EU-Kommission und beim Bundeskartellamt ein. Es gehe der deutschen Regierung darum, mit allen Mitteln einen nationalen Champion im Luftverkehr zu stärken, vermuteten auch andere Beobachter. Mehrere Bewerber wie Niki Lauda, Utz Claassen und Hans Rudolf Wöhrl hatten die Bevorzugung der Lufthansa bereits vor der Entscheidung der Gläubigerversammlung Lufthansa kritisiert.

Air Berlin weist die Vorwürfe zurück. Gerüchte, die Politik habe Einfluss auf die Auswahl genommen, seien „völlig abwegig“, sagt Lucas Flöther. Den Zuschlag bekomme der Bieter mit dem besten Angebot für die Gläubiger. Ausnahmen gebe es nur, wenn ein Bieter nicht die nötigen Finanzmittel nachweise oder es kartellrechtliche Beschränkungen gebe. Daneben sei es eines der primären Ziele, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Für Air Berlin hatte auch die British-Airways-Mutter IAG geboten. IAG-Chef Willie Walsh erklärte man habe „ein bindendes Angebot für Teile von Air Berlin eingereicht“. Es sei aber „keine Überraschung“, dass nicht IAG, sondern Lufthansa zu Zuge kommen werde.

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