Verbraucherschützer kritisieren, dass die Vorauszahlungen nicht abgesichert sind. Foto: imago stock&people

Air Berlin lockt mit Tiefstpreisen. Doch wenn der Flug ausfällt, ist das bezahlte Geld weg. Wir beantworten alle wichtigen Fragen zur Insolvenz von Air Berlin.

Berlin - Ich war noch niemals in New York“, so heißt einer der großen Hits von Udo Jürgens. Selten war der Reiz für Schnäppchenjäger größer, das zu ändern. Mit USA-Direktflügen für nur 322 Euro lockt Air Berlin aktuell, Gesamtpreis hin und zurück wohlgemerkt. In elf Stunden kann man ab Berlin sogar zum fast gleichen Preis bis nach San Francisco düsen, so billig gab es eine Reise an die US-Westküste kaum einmal. Buchen oder nicht? Hier folgen die wichtigsten Tipps.

Warum sind die Tickets so billig?

Air Berlin hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet, kann aber dank eines staatlich verbürgten Kredits von 150 Millionen Euro vorerst weiterfliegen. Der Linienflugplan gilt, die Maschinen müssen gefüllt werden. Sonst werden die Verluste noch größer und der Airline geht umso schneller das Geld aus. So lange Kunden ausreichend buchen, können die Flüge stattfinden.

Wie groß ist das Verlustrisiko?

Die Tickets müssen sofort bezahlt werden. Das ist aber bei Flugbuchungen generell so. Verbraucherschützer beklagen seit Jahren, dass die Airlines die Vorauszahlungen der Kunden nicht gegen Insolvenz absichern müssen. Bei Air Berlin ist die Pleite nun Realität. Daher gilt für alle gebuchten Flüge, die nicht mehr stattfinden, dass das Ticketgeld mit hoher Wahrscheinlichkeit komplett verloren ist.

Welche Angebote sind empfehlenswert?

Wer keinen Ärger haben und auf Nummer sicher gehen will, sollte auf Buchungen bei Air Berlin besser ganz verzichten. Niemand weiß, wie lange die defizitäre und hoch verschuldete Airline noch fliegt und wie schnell sich die Gläubiger auf einer Zerlegung des Unternehmens einigen. Noch die besten Chancen gibt es für die nicht insolvente Air-Berlin-Tochter Niki mit ihren Ferienfliegern, um die sich mehrere Konkurrenten und Investoren balgen. Auch der Ex-Rennfahrer Niki Lauda, der den Ferienflieger einst gegründet hat, zeigt Interesse.

Kann man kurzfristige Flüge buchen?

Generell gilt: Je weiter Ab- und Rückflugdatum entfernt liegen, desto größer ist das Risiko, dass Air Berlin dann nicht mehr in der heutigen Form existieren wird. Ob der gebuchte Flug dann von einem möglichen Investor durchgeführt wird, ist völlig offen. Solange Gläubiger und Interessenten verhandeln, läuft der Betrieb weiter. Und nur solange der Betrieb läuft, behält Air Berlin die wertvollen Start- und Landerechte auf Flughäfen. Trotzdem schließt das nicht aus, dass schlecht ausgelastete Flüge kurzfristig gestrichen oder verlegt werden. Schon vor der Insolvenz gab es deshalb einigen Ärger.

Wie lange könnte das Insolvenzverfahren dauern?

Laut Gesetz haben der vom Gericht eingesetzte Verwalter Lucas Flöther, der die Gläubigerinteressen schützen soll, und der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus drei Monate und damit bis Mitte November Zeit, eine Lösung zu finden. Flottenteile könnten aber früher verkauft werden, Crews zu neuen Arbeitgebern abwandern, der Staatskredit könnte vielleicht nicht so lange reichen. Allein voriges Jahr machte Air Berlin jeden Tag umgerechnet rund zwei Millionen Euro Verlust. Bleibt es dabei, könnte es im Oktober eng werden. Für Buchungen ab diesem Zeitpunkt ist das Verlustrisiko deutlich höher.

Was ist, wenn Air Berlin vor dem geplanten Flug bereits am Ende ist?

Dann kann man die Vorauszahlung für das nutzlose Ticket im Insolvenzverfahren anmelden. Da die Airline aber längst ihre Flieger verkauft und nur noch gemietet hat und mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldet ist, besteht wenig Aussicht, dass Kunden, Banken und Leasinggeber ihr Geld wiedersehen. Auch den Aktionären droht der Totalverlust, allein der arabische Haupteigner Etihad kann wohl mehr als eine Milliarde Euro Finanzhilfen abschreiben. Im schlimmsten Fall verpufft auch der staatlich verbürgte 150-Millionen-Kredit, der helfen soll, die noch mehr als 8000 Jobs wenigstens zum Teil zu erhalten.

Was gilt für Pauschalreisen?

Wer eine Urlaubsreise mit Flug und Hotel pauschal gebucht hat, ist zumindest abgesichert, wenn der geplante Air-Berlin-Flug nicht stattfindet, verlegt wird oder stark verspätet ist. Dann ist der Reiseveranstalter in der Haftung, für einen Ersatz zu sorgen und die Zusatzkosten zu ersetzen. Denn anders als bei einzelnen Flugbuchungen gilt dann das Pauschalreiserrecht. Das garantiert der Sicherungsschein, den Pauschalreisende vor der Bezahlung bekommen müssen.

Was passiert mit Bonusmeilen?

Wer ein Meilenguthaben bei Air Berlin angesammelt hat, kann die Ansprüche abschreiben. Das Vielfliegerprogramm Topbonus hat inzwischen ebenfalls Insolvenz angemeldet, der Eigentümer Etihad hat auch hier den Geldhahn zugedreht. Damit verfallen die Guthaben der Kunden ersatzlos. Das Einlösen von Meilen, zum Beispiel für Gratisflüge, war schon seit einiger Zeit erschwert.

Also besser doch nicht nach New York?

Wenn es mit Air Berlin sein soll, dann so schnell wie möglich. Die billigsten Angebote für 322 Euro mit Rückflug gibt es aktuell aber erst ab der zweiten Septemberwoche. Das reicht, um zur Bundestagswahl am 24. September wieder zurück zu sein. Und bis dahin, spekulieren Schnäppchenjäger, wird die Bundesregierung die Airline auf jeden Fall am Leben erhalten, damit nicht Tausende Reisende auf Flughäfen rund um die Welt stranden. Solcher Ärger in der heißesten Wahlkampfphase soll unbedingt vermieden werden, heißt es.

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