Gunnar Heidenreich vom Team der „Warmduscher“ ruht sich kurz aus. Foto: Felix Heck Foto:  

Gunnar Heidenreich und sein Team siegten beim 24-Stunden-Schwimmen im Inselbad. Sie schafften fast 250 Kilometer.

Untertürkheim - Allein der Name ist bei der gut 40-köpfigen, bunt zusammengewürfelten Schwimmtruppe ein kleines Highlight für sich: „Warmduscher“ – das klingt nach Behäbigkeit und schräg gesungenen Arien unter der dampfenden Brause. Doch zumindest in diesem Fall ist der augenzwinkernde Name keineswegs Programm. Was die „Warmduscher“ auf ihren bis zu dreißig Events im Jahr darbieten sind echte Höchstleistungen, fernab von einer leicht spöttischen Betitelung.

Die Beweisführung hierzu ließ sich am Wochenende besonders eindrucksvoll im Untertürkheimer Inselbad bewundern: Bereits zum zehnten Mal lud der Schwimmerbund Schwaben Stuttgart zum winterlichen 24-Stunden-Schwimmen in die Traglufthalle ein – und mittendrin eine Abordnung von rund 40 tapferen „Warmduschern“. Gegründet im Jahr 2009 ist die heute knapp 100 Aktive umfassende Truppe aus Schwimmsportbegeisterten regelmäßig zu Langdistanzevents wie diesem unterwegs. Immer wieder gehen sie in neuen Zusammensetzungen an den Start, decken damit beinahe die ganze Bundesrepublik „von oben im Norden bis hier hinunter in den Süden“ ab, wie Gunnar Heidenreich berichtet.

Schon zum vierten Mal dabei

Der Pforzheimer ist selbst einer der zahlreichen schwimmverrückten „Warmduscher“ und stürzt sich heuer im Inselbad bereits zum vierten Mal ins Abenteuer unter der Traglufthalle. Gerade blickt er vom Beckenrand auf das dichte Gedränge im Wasser – eine wohlverdiente Pause im legeren Trainingsanzug steht an. „Erst zehn Kilometer“ sei er heute geschwommen, aber schließlich steht ihm auch noch eine ganze Nacht und der halbe Sonntag bevor. Ein besonderes Ziel für Untertürkheim habe er nicht, denn: „Wenn man sich Ziele setzt, geht´s meistens schief.“ Vielmehr steht für den Familienvater die Atmosphäre im Mittelpunkt – und im Untertürkheimer Inselbad besonders die Möglichkeit, auf die olympische Distanz von fünfzig Metern zu schwimmen: „Das bieten dir sonst nicht viele Events.“

Am Beckenrand war es zu langweilig

Infiziert vom „Extremsportler-Gen“ wurde Gunnar Heidenreich durch seine eigene Tochter, die unbedingt mal ein 24-Stunden-Schwimmen aus der Wasserperspektive erleben wollte. „Nach dem ersten Tag Kinderbetreuung vom Beckenrand aus ist es mir dann zu langweilig geworden. Ich bin selbst reingesprungen und habe losgelegt“, erzählt er schmunzelnd. Heute, fünf Jahre und zig geschwommene Kilometer später, ist er immer noch gerne mit dabei. Er durchkreuzt sogar so fleißig die Schwimmbäder der Republik, dass er 2018 zum „Warmduscher des Jahres“ gekürt wurde. Allein ist Gunnar Heidenreich mit seiner Leidenschaft über die Jahre übrigens nicht geblieben: Auch die Schwiegereltern hat er angesteckt, manchmal kommen sogar die kleineren Geschwister der großen Tochter, die einst den Stein ins Rollen brachte, mit.

Wer beim 24-Stunden-Schwimmen im Inselbad den Blick nach links und rechts wendet, merkt schnell: Eine Traditionsveranstaltung wie diese scheint ohne solch außergewöhnliche Geschichten und Passionen kaum möglich. Am Ende der 24 Stunden steht fest: Rund 670 Langstreckenspezialisten erschwammen gemeinsam beeindruckende 4180,2 Kilometer für den guten Zweck. Wie bereits im Vorjahr ganz vorn dabei in der Teamwertung sind Gunnar Heidenreich und die „Warmduscher“, die allein mit ihrer ersten Mannschaft gemeinsam 249,7 Kilometer schafften. Nicht nur die Goldmedaille ist damit redlich verdient – auch eine warme Dusche sei nun genehmigt.

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