Eine Biene macht Station bei einem Vergissmeinnicht. Foto: dpa

Ohne Bienen gäbe es kein Obst, kein Gemüse und keine Blumen. Doch die Lebensbedingungen werden schlechter. Sieben Tipps, wie Sie Gärten und Balkone bienenfreundlicher machen können.

Stuttgart - Experten schlagen Alarm. Es gebe immer weniger Insekten, klagen sie. Wir geben sieben Tipps, wie sie Bienen in ihrem Garten eine Heimat bieten können:

1. Kein Gift, kein Dünger: Was gemeinhin als Unkraut gilt, ist Lebensraum und Nahrung für viele Insekten. Der Einsatz von chemischen Spritzmitteln stört diesen Ökokreislauf. „Auch Rindenmulch, Stroh, ­Rasenschnitt und jäten helfen gegen unerwünschte Pflanzen“, sagt Claudia Wild vom Naturschutzbund Baden-Württemberg. Gegen Schädlinge sollte man auf Nützlinge wie Marienkäfer und ihre Larven sowie Schlupfwespen vertrauen oder die Pflanzen mit Schachtelhalmsud stärken. „Dünger ist nur notwendig, wenn ich mehr oder weniger exotische Zierpflanzen im Garten habe. Besser sind heimische Wildpflanzen, die nur auf eher mageren Böden gut gedeihen“, sagt Andreas Haselböck, Insektenforscher am ­Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart.

2. Heimische Pflanzen: Die Honigbiene freut sich über fast alles, was blüht. Die mehr als 500 verschiedenen Wildbienen-Arten in Deutschland sind dagegen auf lokale Nahrungspflanzen spezialisiert. Je mehr verschiedene Arten man davon anbietet, desto eher ist für die Bienen etwas Passendes dabei. Mit Zierpflanzen mit gefüllten Blüten können sie dagegen nichts anfangen – weil die Tiere entweder gar nicht in die Blüten hineinkommen oder es darin keinen Nektar oder Pollen mehr gibt, weil die Staubblätter auch Blütenblätter sind. Statt Zuchtformen kauft man deshalb besser immer die Wildformen der Pflanzen.

Es gibt genügend Empfehlungslisten für bienenfreundliche Pflanzen und Gehölze, anhand derer man je nach Standort (Schatten, Licht, Boden) die geeigneten Pflanzen auswählen kann. Wichtig ist es, die Pflanzen so auszuwählen, dass möglichst das ganze Jahr über etwas im Garten blüht, sonst finden die Bienen in einzelnen Monaten kaum noch Nahrung mehr. Und: „Man sollte versuchen, Bioqualität zu kaufen. Denn bei Pflanzen aus Gartencentern und Baumärkten kann nie ganz ausgeschlossen werden, dass man sich mit den Pflanzen Insektizide in den Garten holt“, sagt Insektenforscher Andreas Haselböck.

3. Hilfe bietet der kleinste Platz: Auch auf dem Balkon oder auf der ­Fensterbank kann man Bienen helfen. Kleine Töpfe mit Wildblumen wie ­Glockenblume, Hornklee oder Sonnenröschen eignen sich dafür genauso wie die Blüten von Küchenkräutern. Zierpflanzen wie Geranien schmücken zwar viele Balkone, Bienen haben von ihnen jedoch nichts. Für sie pflanzt man besser Verbenen, Löwenmäulchen, Lavendel, Margeriten oder Sonnenblumen. Auch hier sollte von Frühjahr bis Herbst etwas blühen, damit die Bienen regelmäßig Nahrung vorfinden.

4. Die Bienenweide: Es werden inzwischen viele verschiedene Samenmischungen angeboten, welche die besonderen Bedürfnisse von Wildbienen berücksichtigen und Pflanzen mit unterschiedlichen Blühzeitpunkten enthalten. Sie können sowohl in großen Pflanzkübeln als auch im Garten ausgesät werden. Der beste Standort ist gut besonnt und mager, es werden aber auch Samenmischungen für andere Standorte angeboten. Ausgesät wird am besten zwischen März und Juni oder im Spätsommer. Damit die Bienenweide wächst, muss der Boden gut vorbereitet werden: Die Grasnarbe wird entfernt, der Boden muss feinkrümelig sein und wird mit Sand abgemagert. Die Samen werden nicht mit Erde bedeckt, sondern nur mit einem Brett leicht fest geklopft, die ersten Wochen feucht gehalten und nicht gedüngt.

Es ist völlig normal, wenn wochenlang nichts passiert, die meisten Wiesenblumen haben eine sehr lange Keimdauer. Einige Pflanzenarten brauchen eine Überwinterung und keimen erst im Folgejahr. Im ersten Jahr zeigt sich oft nur Unkraut, eine Bienenweide braucht bis zu fünf Jahren, um sich gut zu entwickeln. Gemäht wird ein- bis maximal zweimal im Jahr, aber nie die ganze Fläche auf einmal. Mit einer Woche Mähpause haben die Tiere Zeit umzuziehen.

5. Ganze Lebensräume schaffen: Bienen brauchen Nahrung, Nistplatz und Baumaterial an einem Ort, um dort leben zu können. Es reicht also nicht, ihnen nur bienenfreundliche Pflanzen anzubieten. Natürliche Nistplätze finden sie auf sandigen Böden, in Trockenmauern oder in Erd-, Stein- oder Asthaufen. Für die Wiese gilt: „Mut zur Lücke und zum Wildwuchs“, sagt Insektenforscher Andreas Haselböck. Das bedeutet, zumindest einen Teil der Wiese einfach wachsen lassen, am besten mit Brennnesseln, Karden und Disteln sowie Wildblumen. Aber auch vegetationslose Stellen sollte der Garten haben. „Heimische Wildbienen nisten im Boden und sind auf solche Plätze angewiesen“, sagt Andreas Haselböck.

Die immer trockener werdenden Sommer machen auch den Insekten zu schaffen, weil auch sie Wasser zum trinken brauchen. „Eine flache, mit Wasser gefüllte Schale reicht völlig, mit ein paar flachen Steinen darin, auf denen die Insekten landen können“, sagt Haselböck. Wer einen Gartenteich anlegen möchte, sollte auf eine flache Stelle zum Ufer hin achten: „So können Tiere, die hineingefallen sind, selbst wieder herausklettern“, sagt Claudia Wild vom Naturschutzbund Baden-Württemberg.

6. Künstliche Nisthilfen: Am besten ist es, wenn man den Wildbienen natürliche Lebensräume anbietet, in denen sie auch nisten können. „So genannte Insektenhotels haben dagegen vor allem pädagogischen Nutzen. Sie helfen Menschen, sich für Wildbienen zu begeistern. Den bedrohten Wildbienen helfen sie dagegen kaum“, sagt Insektenforscher Haselböck. Wer sich für ein Bienenhotel entscheidet, sollte es am besten nach einer fachkundigen Anleitung selbst bauen (etwa beim Naturschutzbund Baden-Württemberg online zu finden). Denn vieles, was fertig in Baumärkten oder Online-Shops zu finden ist, halten die Experten für unnütz oder gar schädlich, weil beispielsweise die Nistlöcher nicht sauber ausgebohrt sind.

Auch sollte man kein großes Hotel bauen. „Darin können sich Krankheiten und Parasiten durch die Dichte an Wildbienennestern und Bewohnern schnell ausbreiten“, sagt Andreas Haselböck. Besser ist es, verschiedene kleine Nisthilfen im Garten zu verteilen. Das können abgeschnittene Markstängel vom Holunder sein, die man senkrecht in Blumenkästen steckt oder eine mit Sand und wenig Erde gefüllte Pflanzkiste für erdnistende Wildbienenarten.

7. Mit Bedacht mähen: „Ein Rasen im klassischen Sinne ist für Insekten etwa so interessant wie ein großer Supermarktparkplatz“, sagt Insektenforscher Andreas Haselböck. Wer dennoch nicht darauf verzichten möchte, sollte zumindest Teile davon in eine Wildblumenwiese umwandeln oder mit Blumeninseln aus heimischen Blumen versehen. „Rasenmäher zerhäckseln alle in der Wiese lebenden Insekten und ihre Nachkommen, besser man nutzt eine Sense“, sagt Haselböck. Noch gefährlicher sind Mähroboter: Bei ihnen geraten Claudia Wild vom Naturschutzbund Nabu zufolge auch immer wieder Igel und andere kleine Lebewesen unters Messer.

Welche Pflanzen Bienen mögen

Balkon: Goldlack, Kapuzinerkresse, Verbene, Männertreu, Wandelröschen, Löwenmäulchen sowie sämtliche Küchenkräuter (Salbei, Rosmarin, Lavendel, Pfefferminze, Thymian)

Blumenbeet: Schafgarbe, Akelei, Lavendel, Lupine, Wilde Malve, Astern, ungefüllte Dahliensorten, Wegwarte, Hornklee, Natterkopf, Glockenblume

Gemüsebeet: Ackerbohnen, Kleearten, Borretsch, Ringelblumen, Kürbisgewächse, Zwiebeln, Kohl, Möhren, Gewürzkräuter

Bäume und Sträucher: Schlehe, Pfaffenhütchen, Kornelkirsche, Weißdorn, Stachelbeere, Himbeere, Brombeere, Johannisbeere, Wilder Wein, Efeu, ungefüllte Kletterrosen

Vorträge: Der Naturschutzbund Baden-Württemberg organisiert zusammen mit den Volkshochschulen im Land bis März 2020 eine praxisorientierte Vortragsreihe zum Thema naturnahe Gärten. Unter www.blühendegärten.de finden sich auch Termine in Stuttgart und der Region.

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