Nutzen die Oberflächenspannung auf still stehenden Gewässern aus: Wasserläufer bei der Paarung Foto: Michael Eick

Nicht durch ein Wunder, sondern durch einen dichten Filz gleitet der Gemeine Wasserläufer (Gerris lacustris) über den See. Trotz des „Jesus-Tricks“ verhält sich das Tier aber nicht wie ein Heiliger – sondern überfällt gern ertrinkende Insekten.

Fellbach - Es mutet wie ein Wunder an: Während unsereins in der Badesaison allenfalls mit der Luftmatratze auf dem Wasser dümpeln kann, gleitet dieses Insekt scheinbar schwerelos wie ein Schlittschuhläufer übers Nass. Der Name Wasserläufer ist Programm.

Man findet ihn in Fellbach vor allem an Gartenteichen

Die überaus schlanken und knapp zwei Zentimeter langen Insekten gehören zu den Wanzen. Die mit 10 Arten in Deutschland vertretene Gattung „Gerris“ wird im Volksmund auch Schneider genannt. Am häufigsten ist bei uns der Gemeine Wasserläufer, der auf Teich, See, manchmal sogar auf einer Pfütze angetroffen werden kann. Man findet ihn in Fellbach vor allem an Gartenteichen und den Regenrückhaltebecken am Fuß des Kappelberg. Sicher wird man ihm auch in den Becken vor der Schwabenlandhalle begegnen, denn die Art ist wenig anspruchsvoll. Sie kommt mit viel oder wenig Nährstoffen, mit hohem oder niedrigem pH-Wert oder sogar mit einem gewissen Salzgehalt klar. Im Gebirge findet man sie bis etwa 1500 Meter Höhe.

Manchmal wagen sie auch weite Sprünge von fast einem halben Meter

Ihr langgestreckten Körper ist mit einem feinen Flor kurzer Haare bekleidet. Er enthält Luft und wirkt wasserabstoßend. Der Trick gegen das Untergehen liegt in der Beschaffenheit der Beine. Auch diese sind mit einem dichten Filz wasserabweisender Härchen umhüllt. Dieser Überzug macht den Wasserläufern möglich, die Oberflächenspannung des Wasser zu nutzen – und nicht unterzugehen. Dabei bewegen sie sich mit kräftigen Stößen gleitend vorwärts. Sie halten oft lauernd an Ort und Stelle inne, können aber auch plötzlich sehr schnell dahineilen. Bis zu eineinhalb Meter pro Sekunde legen sie zurück. Manchmal wagen sie auch weite Sprünge von fast einem halben Meter, vor allem wenn sie aufgeschreckt werden oder eine Beute wahrgenommen haben.

Statt zu retten, überfallen sie die Insekten, die ins Wasser geplumpst sind

Mit Hilfe eines empfindlichen Vibrationssensors können sie Tiere orten, die ins Wasser gefallen sind und ums Überleben strampeln. Mit ihren hoch entwickelten Facettenaugen sehen sie zudem sehr gut. Mit flinken Ruderschlägen des mittleren Beinpaares, gleiten die Wasserläufer rasch auf die Beute zu, mit dem hinteren Beinpaar steuern sie die Richtung. Wasserläufer sind alles andere als die DLRG unter den Insekten. Statt zu retten, überfallen sie die Insekten, die ins Wasser geplumpst sind. Mit den kurzen Vorderbeinen packen sie die Beute, um sie dann mit den Mundwerkzeugen, die zu einem Saugrüssel umgebildet sind, auszusaugen.

Die Art besitzt zwar Flügel, allerdings sind sie je nach Individuum extrem unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt flügellose und demnach flugunfähige Tiere, aber auch solche mit langen Flügeln, die gut fliegen können. Pro Jahr gibt es zwei Generationen. Die Eiablage verteilen die Weibchen über mehrere Monate. Die Eier werden von Gallert umhüllt an Wasserpflanzen befestigt. Nach fünf Larvenstadien sind Tiere ausgewachsen. Sie überwintern an Land, versteckt unter Laubstreu, Steinen oder Rinde. Im Frühjahr des nächsten Jahres kommen sie dann wieder zurück ans Gewässer.

Wasserlebende Wanzen

Wanzen scheinen den Lebensraum Wasser sehr erfolgreich erobert zu haben. Dabei unterscheidet man Landwanzen, die sich auf dem Wasser aufhalten und Wasserwanzen, die in der Regel komplett im oder unter Wasser leben.

Der Große Bachläufer ist dem Wasserläufer sehr ähnlich, hat aber deutlich kürzere Beine als die Vertreter dieser Wanzenfamilie. Ihre Lebensweise ist ganz ähnlich, aber im Gegensatz zu diesen halten sich Bachläufer in fließenden Gewässern auf. Dort lauern sie gesellig in der Vegetation am Ufer auf ihre Beute.

Es gibt unter den Wasserläufern sogar einige Vertreter die das ganze Jahr an der Küste oder solche die auf hoher See leben. Diese Arten sind flügellosen und legen ihre Eier auf Treibgut ab. Sie zählen damit zu den wenigen Insekten, die sich den Lebensraum Meer erobert haben.

Rückenschwimmer leben dauerhaft im Wasser. Sie schwimmen direkt unterhalb der Wasseroberfläche mit der Bauchseite nach oben und haben zwei lange Ruderbeine. Außerdem können sie mit ihrem Saugrüssel durchaus kräftig stechen. Aus diesem Grund werden sie auch als Wasserbienen bezeichnet. Ebenfalls dauerhaft aquatisch lebt der Wasserskorpion. Er hat ein langes Atemrohr am Hinterleib und zangenartige Vorderbeine.

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