Volle Power: Die zwei kleinen Flügel des Wollschwebers rotieren bis zu 300-mal pro Sekunde.Foto: Michael Eick Foto:  

Gefleckte Wollschweber (Bombylius discolor) ähneln Hummeln, sind mit diesen aber überhaupt nicht verwandt. Die pelzigen Artgenossen der Fliegen haben eine faszinierende Fortpflanzung – und sind wahre Flugkünstler.

Fellbach - Dieses Ufo (unbekannte Flugobjekt) sieht auf den ersten Blick aus wie eine kleine Hummel. Wer sich aber für einen zweiten Blick Zeit nimmt, wird feststellen, dass dieses Flugobjekt ganz anders fliegt als eine Hummel – und auch komplett auf der Stelle schweben kann. Daher auch der Name: Wollschweber.

Charakteristisch sind dabei die breit abgespreizten Hinterbeine

Mit nur zwei Flügeln gelingt diesen Insekten das Kunststück, das die Menschheit erst mit der Erfindung des Helikopters beziehungsweise heutzutage mit ferngesteuerten Drohnen hinbekommen hat. Die zwei Flügel des Wollschwebers haben eine enorme Umdrehungszahl: Bis zu 300-mal pro Sekunde rotieren die kleinen Flügelchen waagrecht, beschreiben dabei die Form einer liegenden Acht. Charakteristisch sind dabei die breit abgespreizten Hinterbeine, die nach hinten und oben weisen. Zur reinen Angeberei ist diese Form des Fliegens aber nicht gedacht. Der Wollschweber ist ein Blütenbesucher. Mit einem extralangen Saugrüssel kann er so in der Luft stehend Nektar tanken.

Wollschweber haben eine absolut faszinierende Fortpflanzungsstrategie. Ihre Larven sind sogenannte Parasitoide, die sich an anderen Insekten oder deren Larven entwickeln. Dabei können Wildbienen befallen werden oder Heuschrecken.

Im Laufe ihrer Entwicklung ändern sie ihre äußere Gestalt

Für die Paarung finden sich die Partner ganz einfach am Ablageort der Eier. Oder man „verabredet“ sich an bestimmten Blüten. Die Weibchen mancher Arten können ihre Eier im Flug abschießen und treffen dabei ziemlich punktgenau, in diesem Fall die Gelege oder Nester ihrer Wirte. Manche Arten verkleben ihre Eier mit Sand, um diese mit einem Schutzmantel vor Fressfeinden und starken Temperaturschwankungen zu umgeben. Die Larven wandern nach dem Schlüpfen in die Nester ihrer Wirte. Zunächst fressen sie den Wirtslarven die Futtervorräte weg. Danach machen sie sich über die Larven selbst her. Im Laufe ihrer Entwicklung ändern sie ihre äußere Gestalt. Die anfangs mit Stummelfüßchen beweglichen Larven sehen später eher wie Maden aus. Die Puppe ist dann mit Dornen und Borsten ausgestattet und ist ungewöhnlicherweise beweglich. So kann sie sich aus den Wirtsnestern befreien, bevor sie sich abschließend zum fertigen Insekt häutet. An sonnigen Waldrändern und auf Waldlichtungen kann man dem Gefleckten Wollschweber am ehesten begegnen. Sobald die ersten Blüten aufgehen, hat man Chancen, beispielsweise auf der Südseite des Hartwaldes oder auf dem Kappelberg in Richtung Hinterer Berg, auf dieses besondere Insekt zu treffen.

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