Deniz Kurt baut am Fasanenhof Achsmanschetten zusammen Foto: Leif Piechowski

Das Behindertenzentrum Stuttgart am Fasanenhof betreut und beschäftigt 385 Menschen mit Behinderungen. Zahlreiche Projekte sollen ihnen helfen, in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Ein Begleitdienst ist geplant für Leute, die in der Freizeit auch mal ohne die Gruppe ins Kino oder zum Fußball wollen.

Das Behindertenzentrum Stuttgart am Fasanenhof betreut und beschäftigt 385 Menschen mit Behinderungen. Zahlreiche Projekte sollen ihnen helfen, in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Ein Begleitdienst ist geplant für Leute, die in der Freizeit auch mal ohne die Gruppe ins Kino oder zum Fußball wollen.

Stuttgart - Behinderte Menschen sollen so selbstständig wie möglich und so behütet wie nötig wohnen und arbeiten, das ist der Auftrag, den sich das Behindertenzentrum Stuttgart (BHZ) 1971 gegeben hat. Aus dem für diesen Zweck gegründeten Verein ist inzwischen ein Unternehmen geworden, das drei Millionen Euro Umsatz im Jahr macht (2012: 2,8 Mio.) und seinen Klienten den Weg in die Mitte der Gesellschaft ebnet.

Zwölf Standorte – Werkstätten, Wohnheime, Werkhäuser, Quartiere – für 385 Menschen mit Behinderungen gibt es bereits. 127 Mitarbeiter und 38 Freiwillige Helfer im sozialen Dienst engagieren sich beim Behindertenzentrum. Im Herbst soll ein 13. Standort in Feuerbach hinzukommen: „Die Arbeitsplätze in unserem Werkhaus sind sehr begehrt, aber leider alle belegt“, sagt Wiebke Wähling, Vorstandsvorsitzende des BHZ. 15 Arbeitsplätze für kreatives Werken mit Holz, Filz und Farbe werden deshalb im Gemeindezentrum der Lutherkirche im Burgenlandzentrum eingerichtet. Sie können bei Bedarf auch von jenen 15 Menschen genutzt werden, die im selben Haus aufgrund ihrer schweren mehrfachen Behinderungen betreut werden. Ein Mittagstisch wird zum Austausch mit Menschen im Stadtteil eingerichtet. Die Kirchengemeinde beteiligt sich mit 180 000 Euro an den Gesamtkosten von 540 000 Euro für den Umbau und die Ausstattung, im Oktober wollen die Feuerbacher Eröffnung feiern.

„Wenn wir normal miteinander leben und arbeiten, ist Inklusion verwirklicht“, sagt Geschäftsführer Albert Ebinger. Im Rahmen des Jahrespressegesprächs am Dienstag erläuterte er, welche Schritte dazu nötig sind: „Wir müssen die Menschen in ihrem Sozialraum inkludieren und jedes Individuum befähigen, diese Rolle anzunehmen.“ Dabei könne die Reform der Eingliederungshilfe, das Bundesteilhabegesetz, helfen. Es soll bis 2018 umgesetzt werden, funktioniere aber nur, wenn wir nicht wie beim Pflegeversicherungsgesetz im Sekundentakt dokumentieren und abrechnen müssen“, so Ebinger.

Neue Konzepte müsse das BHZ vor allem deshalb entwickeln, weil die Zahl der jungen Erwachsenen mit schwerst-mehrfachen Behinderungen oder Verhaltensauffälligkeiten zunehme. „Die wohnortnahe Betreuung wird mehr nachgefragt als früher, so dass wir mehr Anfragen haben und dadurch in einer gewissen Umbruchsituation sind.“

Damit die Klienten laut Wähling „einen Tagesablauf haben, auf den sie sich freuen können“, sind bereits mehrere Projekte ins Leben gerufen worden. Dazu wurden drei Inklusionsbeauftragte in drei Stadtteilen benannt worden, die beispielsweise eine Theaterproduktion im Theaterhaus, Stadtteilfeste und Freizeitprojekte initiiert haben. Neu sind seit März Kurse in Lesen, Schreiben und Rechnen der Volkshochschule, die sich auch nicht behinderten Teilnehmern öffnen sollen. Damit BHZ-Klienten öfter ihren persönlichen Neigungen nachgehen können, zum Beispiel ins Kino oder zu einem Fußballspiel, ist eine Börse für Begleiter im Aufbau. „Bei vielen Bewohnern scheitert es nur daran, dass sie sich nicht trauen, allein Bus oder Bahn zu fahren“, sagt die Sozialwirtschafterin Leonie Seidel.

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