Stuttgarter Innenministerium Land lockert Vorschriften bei Polizisten mit Tattoos

Von Rainer Wehaus 

Tätowierte Beamte einer SEK-Einheit in Aachen. Andere Bundesländer legen die Tattoo-Vorschriften schon seit Jahren relativ  großzügig aus Foto: dpa
Tätowierte Beamte einer SEK-Einheit in Aachen. Andere Bundesländer legen die Tattoo-Vorschriften schon seit Jahren relativ großzügig aus Foto: dpa

Tattoos waren früher nur was für Matrosen und Rocker – heute ist fast jeder Fußballer und Popstar tätowiert. Das Land trägt dieser Entwicklung nun Rechnung – was nicht unumstritten ist.

Stuttgart - Die rund 24 000 Polizisten in Baden-Württemberg dürfen sich bald auch Tattoos stechen lassen, die nicht von der Uniform verdeckt werden. Eine entsprechende Regelung solle noch dieses Jahr in Kraft treten, sagte ein Sprecher des Stuttgarter Innenministerium den „Stuttgarter Nachrichten“.

Der Sprecher begründete die Lockerung der Vorschriften damit, dass sich die Einstellung zu Tätowierungen in der Bevölkerung geändert habe. Tattoos würden heutzutage nicht mehr „gesellschaftlich geächtet“, sondern seien weithin akzeptiert.

Tattoos müssen „dezent“ sein

Konkret geht es vor allem um Tattoos an Ober- und Unterarmen, die bislang verboten waren, weil man sie bei kurzem Hemd im Sommer sehen kann. Diese Tattoos sollen nun erlaubt werden, allerdings müssen sie von der Größe und vom Motiv her „dezent“ sein. Gewaltverherrlichende, diskriminierende oder politisch heikle Motive seien auch weiterhin verboten, heißt es im Innenministerium. Im Zweifelsfall schaut sich eine Kommission der Polizei die Tattoos an.

Laut Innenministerium werden die neuen Regeln bei Neueinstellungen bereits seit Anfang des Jahres angewandt. Nun übertrage man sie auf die gesamte Belegschaft.

Gewerkschaften skeptisch

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) reagierte skeptisch auf das Vorhaben. „Ich rechne mit zwiespältigen Reaktionen in der Bevölkerung“, sagte Landeschef Hans-Jürgen Kirstein. „In Großstädten mag so ein Tattoo kein Problem sein, aber auf dem flachen Land sieht das womöglich anders aus.“

Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Ralf Kusterer, hält noch weniger von dem Plan. Die Bürger würden eher Polizisten ohne Tattoos Folge leisten als denen mit, glaubt er. Kusterer vermutet, dass sich das Land mit der Lockerung vor allem rechtlich auf die sichere Seite bringen will. Ende August hatte das Verwaltungsgericht Düsseldorf auch größere Tattoos auf Unterarmen von Polizisten erlaubt. Das Land Nordrhein-Westfalen hat gegen das Urteil allerdings Beschwerde eingelegt.

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