Jeder BHZ-Schauspieler hat einen Kollegen von Bosch an seiner Seite. Foto: Jacqueline Fritsch

Die Theatergruppe von Bosch und die des BHZ haben gemeinsam ein Stück einstudiert. Zu sehen ist es am Samstag, 18. Februar, in der Bonhoefferkirche.

Fasanenhof - Im Untergeschoss des Bosch-Gebäudes D im Stuttgarter Norden verbirgt sich hinter einer der blauen Türen ein Proberaum. Dort lagern haufenweise Kostüme zwischen hohen Schränken, Spiegeln und Tischen. Die Bühne ist recht klein, bietet aber genügend Platz für Schauspieler und Requisiten. Das Bühnenbild besteht lediglich aus zwei Holzbalken und zwei kleinen Stühlen. Dort proben die Theatergruppen des Behindertenzentrums (BHZ) und der Firma Bosch für ihren gemeinsamen Auftritt am nächsten Samstag.

„Gegenkommission gebildet! Ich verliere meine Hose“ – bei der Generalprobe läuft noch nicht alles so, wie es soll. Der Text sitzt hier und da noch nicht so richtig. „Du musst langsamer reden, sonst versteht dich keiner“, sagt die Regiusseurin Vivien Scheuerle von Bosch. Die langen Textpassagen machen den Laienschauspielern keine Probleme, nur Kleinigkeiten scheinen die Schwierigkeit zu sein. Bei dem inklusiven Theaterstück „Gesucht: Helden des Alltags“ hat jeder Schauspieler mit Behinderung einen Bosch-Mitarbeiter an seiner Seite. In diesen sogenannten Tandems gehen die Künstler auf die Bühne und können sich so gegenseitig unterstützen.

Kleinigkeiten stimmen noch nicht ganz

„Ich Fasanenhof - tätowiere euch das irgendwohin“, ruft Kristin Mögelin, die Leiterin der BHZ-Theatergruppe. Alle weiblichen Schauspieler sollten eigentlich empört „und wir?“ fragen, wann immer das Stichwort „meine Herren“ fällt. An diesem Abend bleibt der Aufruf „meine Herren“ jedoch meist unkommentiert, womit Mögelin und Scheuerle gar nicht zufrieden sind. „Ihr könnt es doch, aber ihr seid alle so verschlafen heute“, sagt Mögelin in Richtung Bühne. Am Ende zählen aber nicht die Kleinigkeiten, die schiefgegangen sind, sondern die schöne Erfahrung. „Es macht allen wahnsinnig viel Spaß, und jeder kann sehr viel lernen, auch zwischenmenschlich“, sagt Mögelin. „Es ist ein ganz tolles Miteinander.“

Das Stück „Gesucht: Helden des Alltags“ hat es auch bereits auf die Bühne geschafft. Carl Häser, der Dramaturg der Bosch-Theatergruppe, hat es selbst geschrieben. Im Dezember sind die 15 Schauspieler damit im Theaterhaus aufgetreten. „Es gab viele Menschen, die damals gerne gekommen wären, es gab aber keine Karten mehr“, sagt Mögelin. Deshalb wird das Theaterstück nun noch einmal gespielt – diesmal im Fasanenhof. „Der Auftritt bildet dann den Abschluss der Zusammenarbeit“, sagt Mögelin. Wie viele Zuschauer am Samstag kommen werden, kann sie jedoch nicht einschätzen: „Wenn 50 kommen, wäre das okay, wenn 100 kommen auch.“

Den Kontakt zu Bosch gibt es schon lange

Das BHZ stehe schon lange in engem Kontakt mit Bosch, sagt die Gruppenleiterin. Im vergangenen Jahr kam von Bosch die Idee, eine Kooperation der beiden Theatergruppen zu organisieren. „Wir haben dann geschaut, ob das passt, und es hat gepasst“, sagt Kristin Mögelin. Von Juni an haben die Künstler jede Woche geprobt, die BHZ-Schauspieler sogar zweimal in der Woche. „Wir proben immer morgens schon, und abends gehen wir dann zu Bosch“, sagt Mögelin. Da Häser das Stück extra für diese Gruppe geschrieben hat, durften sich die Schauspieler das Thema selbst aussuchen. Mögelin erklärt, dass sie „am Schluss bei den Helden hängengeblieben“ seien.

Zwei Helden, zwei Geschichten

In der Theatervorstellung geht es deshalb um Heldengeschichten, genauer gesagt um zwei verschiedene. Im ersten Teil spielt Marco Laneve seinen Helden Hercules. Dieser hat die Aufgabe, eine Lösung für das Müllproblem in seinem Dorf zu finden. Julia Mantsch verkörpert im zweiten Teil Prinzessin Cleo, eine Meerjungfrau. Dabei wird das Problem, dass zu viel Plastik im Meer landet, aus der Sicht der Fische betrachtet. Beide Stücke dauern jeweils etwa 20 Minuten.

„Ich habe zwar gemeckert, aber ihr wart schon ganz gut“, sagt Scheuerle am Ende der Generalprobe. Bis zum Auftritt am Samstag sollten dann nur noch alle Hosen passen und alle Frauen aufmerksam auf ihr Stichwort „meine Herren“ warten. Dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Termin Die Bosch-Theatergruppe und das BHZ laden am Samstag, 18. Februar, zum inklusiven Theaterstück ein. „Gesucht: Helden des Alltags“ beginnt um 19 Uhr im Gemeindesaal der evangelischen Bonhoefferkirche am Bonhoefferweg 4. Einlass ist von 18.30 Uhr an, der Eintritt kostet zehn Euro, ermäßigt acht Euro. Das Projekt wird von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert.

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