Foto: Alexander Becher

Händeschütteln, Umarmungen und Selfies mit Andrea Berg: Die Schlagersängerin verteilt in der Diakonie Stetten Karten für ihr inklusives Konzert und wird von ihren Fans bejubelt.

Kernen - Jubel bricht aus, als Andrea Berg den Hof der Diakonie Stetten betritt. Sofort gehen einige der Bewohner der Behinderteneinrichtung auf die Schlagersängerin zu, begrüßen sie wie eine alte Freundin: „Hallo Andrea! Wie geht’s dir?“ Berg schüttelt Hände, umarmt einige ihrer Fans und posiert für Fotos.

„Das ist ja ein toller Empfang“, sagt sie kurze Zeit später, und überreicht dem Vorstandsvorsitzenden der Diakonie Stetten, Rainer Hinzen, eine übergroße Konzertkarte. Diese steht symbolisch für die 365 Tickets, mit denen Bewohner und ihre Begleitpersonen zum so genannten inklusiven Heimspiel der Sängerin am 18. Juli in die Mechatronik Arena in Aspach eingeladen sind. „Ich möchte schon, dass wir dann zusammen singen“, sagt Berg an ihre Fans gewandt. „Ihr habt ja noch Zeit, die Texte zu üben, dann brauch ich das nicht machen.“ Gelächter.

Berg kommt nicht mit dem Hubschrauber

Karin Wilhelm, die Vorsitzende des Heimbeirats freut sich, Andrea Berg an diesem Mittwochnachmittag von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Man habe eigens wegen ihres Besuchs die Beiratssitzung ein wenig nach hinten verschoben, berichtet sie. Für Wolfgang Gebner, einen anderen Bewohner der Einrichtung, ist das Treffen ein „vorgezogenes Geburtstagsgeschenk“. Im Fernsehen habe er mal gesehen, wie die Sängerin mit dem Hubschrauber am Veranstaltungsort gelandet sei – „deshalb hab ich heute immer in den Himmel geschaut.“ In der Diakonie Stetten fährt Andrea Berg allerdings mit dem Auto vor, was der Begeisterung der Bewohner keinen Abbruch tut: „Ich war aufgeregt vor lauter Freude“, erzählt Karl-Heinz Maurer.

„Die Tickets waren ruckzuck weg, Andrea Berg ist bei uns super beliebt“, sagt der Pressesprecher der Diakonie Stetten, Steffen Wilhelm. Man habe noch Karten nachbestellen müssen, ergänzt Rainer Hinzen. Insgesamt werden rund 2500 Menschen mit Behinderung, ehrenamtliche Helfer sowie in der Hospizarbeit Engagierte zum inklusiven Heimspiel kommen – aus allen sechs Landkreisen des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald. Der Eintritt ist für sie frei, die Kosten werden von Andrea Berg, ihrem Management und verschiedenen Spendern übernommen.

Ein Fan übernimmt das Mikro

„Ich glaube, das hat es bundesweit noch nie gegeben“, sagt der Landrat des Rems-Murr-Kreises, Richard Sigel. Die Idee dazu sei anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums des Naturparks entstanden. Schließlich gebe es viele Fans, die ein normales Konzert nicht besuchen könnten – etwa, weil es nicht genügend Platz für Rollstuhlfahrer gibt. „Die logistische Arbeit war eine Herausforderung – wir haben versucht, an alles zu denken“, so Sigel. Der Landkreis hat die Einladung der Behinderteneinrichtungen sowie die Anreise der Konzertbesucher koordiniert, Bergs Management die Organisation in der Mechatronik-Arena.

Sie wolle mit diesem Konzert ein Signal senden, betont Andrea Berg, wolle auf die Menschen aufmerksam machen, die Hilfe brauchen und auf diejenigen, die helfen. „Ich habe hier so viel Liebe, Offenheit und Herzlichkeit erlebt“, sagt sie am Ende ihres Besuchs, was bei Bewohner Jürgen Neugebauer so viel Begeisterung auslöst, dass er einer Journalistin das Mikro aus der Hand nimmt und Berg fragt, wie sie eigentlich Schlagersängerin geworden ist. „Wir sind auch Menschen, die Fragen haben“, sagt er und zeigt sich überrascht von Bergs Offenheit. „Ich finde sie genial.“

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