Ein lila Steg dient als Brücke mitten hinein ins Leben. Foto: Gottfried Stoppel

Die Christophorus-Lebensgemeinschaft feiert die Eröffnung ihres Wohnhauses für 24 behinderte Menschen an der Bahnhofstraße.

Welzheim - Es ist nicht zu übersehen und dennoch dezent. Wie ein bunter Farbtupfer leuchtet das neue Wohnheim des Vereins Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Laufenmühle zwischen den Häusern der Nachbarschaft heraus. Doch der richtige Hingucker ist der Steg, der von der Bahnhofstraße direkt in das erste Stockwerk des Hauses führt, in dem bald 24 behinderte Menschen mit ihren Betreuern einziehen werden. „Dann werden insgesamt 40 ,Kernstädter’ in Welzheim wohnen“, sagte der Bürgermeister Thomas Bernlöhr am Freitag, als das Gebäude offiziell eröffnet wurde.

Aus der Abgeschiedenheit mitten hinein in die Stadt

„Mein Gott, haben wir viele Freunde“, sagte Dieter Einhäuser, der Vorstandsvorsitzende der anthroposophischen Christopherus-Lebensgemeinschaft, als er die bestens gelaunte Gästeschar in einem proppenvollen Gemeinschaftsraum des Neubaus begrüßte. „Ich freue mich sehr“, warf dazu auch ein zukünftiger Bewohner in die Rede Einhäusers ein, der unter anderem die Hintergedanken zu dem Haus in der Stadt erklärte. „Zur Gründung um 1950 stand der Schutzgedanke ganz im Vordergrund. Deshalb wurde der abgelegene Standort an der Laufenmühle, auf einem Hügel im Wald gewählt.“ Der systematische Mord an behinderten Menschen durch die Nazis war der Beweggrund für diese Abschottung.

In den vergangenen Jahren hat sich daran einiges verändert. Mehr und mehr sucht die Christopherus Lebensgemeinschaft die Nähe zur Gesellschaft, sei es durch den Erlebnispfad der Sinne direkt vor der Haustür an der Laufenmühle, sei es durch das Café in Welzheim samt Kaffeerösterei und einer Wohngruppe neben dem Stadtmuseum. „Inklusiver Informationspunkt“ heißt das einzigartige Tourismusbüro, das dort ebenfalls seit 2014 existiert.

Das „Dreamteam“ hat das Projekt vorangetrieben

Berührungsängste aus der Bevölkerung gebe es nicht, sagte der Bürgermeister Thomas Bernlöhr. „Es gab keine Einsprüche gegen das neue Bauprojekt. Seitens der Stadt freuen wir uns sehr über die Entscheidung, hier ein Wohnhaus zu bauen.“ Dieses ist in nur etwas weniger als einem Jahr errichtet worden. Die Zusammenarbeit beim Bau habe in jeder Beziehung reibungslos geklappt, betonte Dieter Einhäuser, der mit seinen Vorstandskollegen Sven Eckstein und Reiner Böning das Projekt vorangetrieben hat. „Zusammen seid ihr einfach unser Dreamteam“, rief eine Bewohnerin, als das Trio das Konzept der Wohnstelle vorstellte. Worauf von nun an in jedem Grußwort das „Dreamteam“ aufgegriffen wurde.

Drei Wohngruppen ziehen im Januar in das Gebäude an der Bahnhofstraße ein. Diese sind nach den expressionistischen Künstlern Paul Klee, Franz Marc und Wassily Kandinsky benannt, deren Schaffen auch spirituell motiviert war.

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