Viele Eltern entscheiden sich für ihr beeinträchtigtes Kind für einen Regelkindergarten. Foto: Uwe Anspach/dpa

Ein Kind mit Beeinträchtigung braucht im Regelkindergarten eine Eingliederungshilfe. Der Bedarf ist hoch, nicht immer klappt es.

Sie spielen in der Gesellschaft eine unverzichtbare Rolle für die Teilhabe von Menschen mit einer Beeinträchtigung: Fachkräfte in der Eingliederungshilfe. Allerdings führt der Fachkräftemangel in Kitas in Baden-Württemberg auch zu Engpässen bei der Betreuung von Kindern mit persönlicher Assistenz. Das Land hat zwar Programme wie den „Direkteinstieg Kita“ zur Fachkräftegewinnung aufgelegt. Trotz dieser Bemühungen bleibt die Situation jedoch angespannt, da der Bedarf an Fachkräften in der Eingliederungshilfe weiterhin hoch ist.

 

Auch in der Eingliederungshilfe sind die Ressourcen begrenzt und Integrationskräfte stehen nicht mehr in ausreichendem Umfang zur Verfügung. Dadurch erhöht sich der Druck auf die Träger und das Personal in der Einrichtung, heißt es vonseiten des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS BW).

7,5 Stunden steht die persönliche Assistenz pro Woche zur Verfügung

In Böblingen ist man aktuell gut aufgestellt, was die Eingliederungshilfen betrifft. „Wir können derzeit jedem Kind, dass eine persönliche Assistenz benötigt, eine zur Verfügung stellen“, sagt Marliese Mayer, die Abteilungsleiterin der Kindertagesbetreuung. Derzeit gibt es in Böblingen 30 Kinder, die eine solche Integrationskraft in der Kita benötigen. Allerdings braucht es hierfür ein Gutachten vom Arzt oder Gesundheitsamt über die Behinderung. Ist der Antrag vom Jugend- oder Sozialamt genehmigt, geht es um die Bedarfsermittlung. „Je frühzeitiger wir über die individuellen Bedarfe des Kindes Bescheid wissen, umso einfacher ist es“, sagt Mayer. Denn am besten noch bevor das Kind in die Kita kommt, muss geklärt sein, wie hoch der Pflegebedarf ist, und was für Ziele und Wünsche die Eltern für ihr Kind haben. 7,5 Stunden pro Woche steht eine Eingliederungshilfe einem Kind dann zur Verfügung. „Jeder Fall wird individuell betrachtet. Dabei ist besonders auch die Zusammenarbeit mit den Eltern wichtig“, betont Mayer.

Bei der Aufnahme eines Kindes mit Behinderung in einem Regelkindergarten verringert sich die Platzzahl in der Stammgruppe. Das bedeutet, ein „Integrationskind“ belegt zwei Plätze. „Es ist schon ein Spagat, den die Teams in Regelkindergärten leisten, um allen gerecht zu werden“, sagt Mayer. Die Betreuung von Kindern mit individuellem Förderbedarf oder einem Verhalten, dass als herausfordernd bezeichnet wird, gehe häufig mit einem erhöhten Personalbedarf einher, sagt auch der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg. Die vom Land Baden-Württemberg beabsichtigte Ausweitung des Modellversuchs Inklusion greife diese Herausforderung auf.

Zwar gibt es in Baden-Württemberg auch sogenannte Schulkindergärten – das sind sonderpädagogische Einrichtungen für Kinder mit Behinderung – dort sei man fachlich spezialisierter, so Klaus Feistauer, Böblinger Sozialamtsleiter. Auch die durchschnittliche Gruppengröße in Schulkindergärten ist mit 6,3 Kindern deutlich kleiner als in Regelkindergärten. Im Landkreis Böblingen gibt es sechs Schulkindergärten, 2024/2025 wurden dort 120 Kinder betreut.

Lebenshilfe plant Kompetenzzentrum für Menschen mit Behinderung

Der inklusive Gedanke schwebt als Idealbild jedoch über allem. Und viele Eltern wünschen sich, dass ihr Kind einen Regelkindergarten besucht und inklusiv aufwächst.„Wir müssen vorrangig schauen, können Kinder mit Einschränkungen in einer Regeleinrichtung betreut werden“, sagt Klaus Feistauer. „Wenn das gut gelingen kann, sollte das immer der Plan A sein“, führt der Sozialamtsleiter weiter aus.

„Aus diesem Grund machen wir uns auch stark dafür, dass die Lebenshilfe mit einer integrativen Einrichtung in Böblingen an den Start geht. Die Lebenshilfe hat eine Fachexpertise in so vielen Bereichen, die wir in dieser Tiefe und Breite als Träger nie haben werden“, erklärt der Sozialamtsleiter.

Die Lebenshilfe Böblingen will auf dem Flugfeld ein „Zentrum für selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“ bauen. Dort soll es neben einem Autismus-Zentrum auch offene Hilfen geben, ebenso Schulungsräume, eine inklusive Kita und eine interdisziplinäre Frühförderstelle, die sich an entwicklungsverzögerte, behinderte oder von Behinderung bedrohte Kinder im Vorschulalter richtet. Baustart ist voraussichtlich in diesem Herbst.