Wasser aus dem Hahn statt aus der Flasche – das ist eine Botschaft der Organisationen. Foto:  

Die Vereinten Nationen haben den 22. März zum Weltwassertag erklärt. Zu diesem Anlass stellen wir drei Organisationen vor, die sich um das Element verdient machen.

Stuttgart - Wenn Archäologen in ferner Zukunft die Errungenschaften der heutigen Gesellschaft ausgraben, werden sie zu dem Schluss kommen, dass unsere Epoche aus Plastik bestanden haben muss. Wer dieser Tage die immer wieder aufs Neue verstörenden Videos von Tauchern sieht, die sich unter Wasser zum Beispiel vor Bali durch eine Flut an Plastikmüll kämpfen, verliert endgültig den Glauben an die Menschheit.

Ein Grund für die Plastikmassen: Immer mehr Verbraucher konsumieren ihre Getränke aus Einweg-Plastikflaschen, allein jeder Deutsche verbraucht nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) im Schnitt 207 solcher Flaschen pro Jahr. Dadurch werden Ressourcen verbraucht, das Klima wird bei der Herstellung und beim Transport belastet – und es werden Unmengen an Abfall produziert.

Am Tag des Wassers, den die Vereinten Nationen seit 1993 jährlich am 22. März begehen, hilft ein Blick nach Hamburg, um zu sehen, das es auch anders geht. In der Hansestadt gibt es gleich mehrere Initiativen, die sich mit dem Thema sauberes Wasser auseinandersetzen.

Nur Privatpersonen sollen sich beteiligen können

Christian Olgemöller kam von einer Reise nach Kambodscha mit dem Wunsch zurück, die Welt ein Stückchen besser zu machen. „Der Strand, das Wasser, alles war voller Plastikmüll. Es war erschreckend“, sagt er. Zurück in Hamburg entschied sich Olgemöller dazu, dem Dreck eine eigene Firma entgegenzusetzen. „Ich habe in meinem Leben schon viele Firmen gegründet mit dem Ziel, Multimillonär zu werden und dann die Welt zu verbessern“, sagt der Gründer augenzwinkernd im Video-Interview. „Mit den vielen Millionen hat es leider nicht geklappt. Somit fällt die Bilanz in Sachen Weltverbessern ebenfalls nicht so rosig aus.“ Das soll sich jetzt ändern. Olgemöller hat sich dafür mit mit Gleichgesinnten zusammengetan. Herausgekommen ist The Positive Business Company, die eine heile Welt in die Welt der Wirtschaft tragen und Menschen verbinden will, „die den Wunsch teilen, bessere Produkte mit möglichst viel Nutzen für Mensch, Tier und Natur in ihr Leben zu integrieren“, so Olgemöller. An der Plattform sollen sich nur Privatpersonen als Kleinstaktionäre beteiligen können.

Die erste Tochterfirma, die von Olgemöller unter dem Positive-Business-Dach gegründet wurde, heißt The Local Water, „das erste Label für gefiltertes Wasser“, wie der Hamburger erklärt. Das Geschäftsmodell: mehrfach zertifizierte Wasserfilter für jedermann, damit die Konsumenten Wasser aus der Leitung statt aus der Plastikflasche trinken. Ob solche Filter tatsächlich einen Nutzen haben, wird indes kontrovers diskutiert. Die Stiftung Warentest hatte den handelsüblichen Produkten aus dem Supermarkt zuletzt ein miserables Zeugnis ausgestellt. Leitungswasser gilt als das am häufigsten geprüfte Lebensmittel in Deutschland, billige und schlecht gereinigte Wasserfilter können die Qualität im schlimmsten Fall verschlechtern. Das wissen auch die Macher von The Local Water: „Die Filterleistung von The Local Water ist durch zwölf Gutachten, Zertifikate und Langzeitstudien renommierter Institute nachgewiesen. Die patentierten Filterpatronen bestehen aus einem extrem feinporigen Aktivkohleblock“, sagt Olgemöller, der sich wünscht, dass die Menschen mit seinen Filtern wieder Vertrauen in ihr lokales Wasser gewinnen.

Benjamin Adrion hat seinen Verein bereits 2006 gegründet

Bei seiner Neugründung will Olgemöller auch beim Marketing andere Wege gehen: „Anstatt in klassische Werbung wollen wir in der Zukunft vorrangig in Umweltprojekte investieren, die den Einzug von Plastikmüll in unsere Ozeane verhindern.“

Der ehemalige Fußballprofi Benjamin Adrion hat seine Initiative Viva con Agua bereits 2006 gegründet, nachdem er mit dem FC St. Pauli auf Kuba im Trainingslager war. Er war damals über die mangelnde Wasserversorgung auf der Insel, gerade in Schulen, schockiert. Der gebürtige Stuttgarter und Sohn des Ex-VfB Trainers Rainer Adrion hat mit Viva con Agua die vielleicht größte Erfolgsgeschichte einer so genannten Non Governmental Organisation (NGO) in Deutschland geschrieben. „Heute ist Viva con Agua ein internationales Netzwerk von Menschen und Organisationen, das sich für einen menschenwürdigen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung einsetzt“, so die Pressesprecherin Claudia Gersdorf.

In weniger als einem Jahr ist Refill eine bundesweite Bewegung geworden

Das Netzwerk mit Sitz in Hamburg scheint dem Zeitgeist zu entsprechen: Junge Menschen wollen sich weniger in starren Strukturen einbringen, sondern Teil einer Bewegung sein. So engagiert Viva con Agua Popstars wie Marteria oder den Weltmeister-Fotograf Paul Ripe als Botschafter und veranstaltet Benefiz-Fußballspiele, wie 2016 mit Cro auf der Waldau.Der Slogan des Vereins lautet „Wasser für alle – alle für Wasser“, nach Vereinsangaben sammeln heute mehr als 10 000 ehrenamtliche Helfer Spenden für Wasserprojekte weltweit. „Gemeinsam mit der Welthungerhilfe und lokalen Partnerorganisationen konnte Viva con Agua so bereits mehr als 2,5 Millionen Menschen in Wasserprojekten erreichen“, sagt Claudia Gersdorf.

Ganz so weit ist die Webdesignerin und Bloggerin Stephanie Wiermann mit ihrem Projekt Refill noch nicht, das im vergangenen Jahr in Hamburg gestartet ist. Die Idee dahinter: Verbraucher nehmen eine Trinkflasche mit, die sie unterwegs immer wieder auffüllen können. Eine Karte auf der Webseite www.refill-deutschland.de zeigt an, in welchen Läden, Cafés, Restaurants oder Museen man gratis Wasser bekommen kann. Mit einem blauen Aufkleber man zudem signalisieren, dass man an dem Projekt teilnimmt. In weniger als einem Jahr ist Refill eine bundesweite Bewegung geworden. Auch in Stuttgart gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Anlaufstellen.

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