Die Landtags-CDU unterstützt eine Volksinitiative gegen das Gendern. Damit lässt sich populistisch punkten, aber folgt politisch auch etwas daraus? Der Beweis steht noch aus, meint Bärbel Krauß.
Dass der CDU-Fraktionschef Manuel Hagel eine Volksinitiative gegen das Gendern gut findet, liegt nahe. Schließlich ist der Initiator Parteifreund und orientiert sich streng an einem Beschluss der Landtagsfraktion zum gleichen Thema. Die geschlechtergerechte Sprache mit Genderstern (Schüler*innen), Doppelpunkt (Schüler:innen), Unterstrich (Schüler_innen) oder großem I (SchülerInnen) der Wörter polarisiert. Die einen sehen sie als Vehikel, um sozialen Fortschritt anzutreiben; den anderen ist sie als dirigistische Verkomplizierung der Sprache ein Graus.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen bei dem Thema Bildungsaspekte. Denn eines kann nicht abstreiten, wer eine sachliche Debatte anstrebt: Gender-Schreibweisen machen Texte schwerer les- und verstehbar. Das ist für versierte Sprecher kein Problem. Aber in Zeiten, in denen ein Viertel der Grundschüler nicht verlässlich lesen lernt, und 28 Prozent das Mindestniveau im Rechtschreiben verfehlen, stellen Gender-Schreibweisen – besonders solange sie nicht den Rechtschreibregeln entsprechen – eine gravierende und zusätzliche Erschwernis dar.
CDU sollte sich für praktikable Regeln engagieren
Man kann nur hoffen, dass der Rat für deutsche Rechtschreibung im Juli kluge Beschlüsse zum Gendern trifft. Dann wird es für die Politik immer noch schwer genug, daraus praktikable Ausführungsregeln für Schulen zu destillieren. Dafür sollte die CDU-Fraktion sich engagieren. Sonst ist Sympathie für eine Anti-Gender-Initiative wertlos.