Nur zwei Gemeinden im Kreis sind bei der Trinkwasserversorgung unabhängig: Hildrizhausen und Aidlingen. Foto: factum/Simon Granville

Die Schönbuchgemeinde wird bislang ausschließlich mit Trinkwasser aus eigenen Quellen versorgt. Doch schon bald könnte es zur Versorgung nicht mehr ausreichen. Ein Ingenieurbüro schlägt unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten vor.

Hildrizhausen - Was in Hildrizhausen aus der Wasserleitung fließt, kommt zu 100 Prozent aus eigenen Quellen der 3600-Seelen-Gemeinde – zumindest bis jetzt. Denn wenn das Neubaugebiet Rosneäcker erschlossen und das Gewerbegebiet erweitert wird, könnte die Schönbuchgemeinde auf Fremdwasser angewiesen sein. Die Ingenieurgesellschaft dreher+stetter rät aber, nur dann von dieser Maßnahme Gebrauch zu machen, wenn alle anderen Möglichkeiten der Eigenwasserversorgung nicht fruchten.

Derzeit bezieht die Gemeinde ihr Trinkwasser aus vier eigenen Brunnen: der Heiligenquelle I, der Heiligenquelle II, dem Sportplatzbrunnen und dem Tiefbrunnen im Betteltal. Die Heiligenquelle III, die wie ihre Namensschwestern westlich der Brunnenstraße liegt, eignet sich wegen der Wasserqualität derzeit nicht für die Trinkwasserversorgung.

Jetzt prüfen Landratsamt und Regierungspräsidium

Weil das Wasser aus diesen Brunnen bald schon nicht mehr ausreichen könnte, sind die Ingenieure Matthias Dreher und Eckart Stetter im April 2018 mit der Suche nach neuen Trinkwasserquellen beauftragt worden. Ende September wurde das Strukturgutachten zur Wasserversorgung im Hildrizhauser Gemeinderat vorgestellt. Im nächsten Schritt gehe die Gemeinde auf das Landratsamt und das Regierungspräsidium zu, um die im Gutachteten dargelegten Möglichkeiten vorzustellen, sagt Matthias Schöck, der Bürgermeister von Hildrizhausen. „Dabei wird es vor allem darum gehen, welche Folgekosten die einzelnen Möglichkeiten mit sich bringen und darum, Förderungsmöglichkeiten auszuloten“, ergänzt Schöck.

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Drei Varianten zur Sicherung der Wasserversorgung werden in dem knapp 140-seitigen Strukturgutachten vorgestellt: ein Ausbau der Eigenwasserversorgung, ein zusätzlicher Fremdwasseranschluss und eine reine Fremdwasserversorgung. Die Ingenieure rechnen in dem Dokument einige­ wichtige Zahlen aus – beispielsweise, dass die Hildrizhauser Bevölkerung bis in sechs Jahren um 400 Einwohner gewachsen sein wird und dass neu erschlossene Quellen mindestens sieben bis acht Liter Trinkwasser pro Sekunde liefern müssen, um den Bedarf zu decken.

1,7 Millionen Euro für die präferierte Lösung

Im Zuge des Ausbaus der Eigenwasserversorgung halten die Ingenieure einen Brunnen beim Hahnenbühl für ungeeignet, weil hier nur mit einem Liter pro Sekunde gerechnet werden kann. Ein Brunnen im Gewann Oberes Erlach erweist sich zwar als ergiebiger, dieser würde allerdings aus dem gleichen Grundwasser schöpfen wie die Heiligenquellen 1 und II. An beiden Standorten wurden Probebohrungen vorgenommen. Die Ingenieure präferieren eine 200 Meter tiefe Bohrung in den Muschelkalk. Das sei zwar „etwas aufwendiger“ als die beiden anderen Bohrungen, bei denen es nur 30 bis 40 Meter ins Erdreich ging. Im Muschelkalk werde aber eine Schüttung von zehn Liter pro Sekunde vermutet. Die Umsetzung würde stolze 1,7 Millionen Euro kosten, allein die Probebohrung komme auf 150 000 Euro.

Sollte die Bohrung keinen Erfolg haben, könnte auch das gipshaltige Wasser aus der Heiligenquelle III, das derzeit nicht den Anforderungen der Trinkwasserversorgung entspricht, aufbereitet werden. Kostenpunkt: 1,5 Millionen Euro. Funktioniert all das nicht, sei eine Teilversorgung durch die Bodenseewasserversorgung (BWV) oder die Ammertal-Schönbuchgruppe (ASG) denkbar. Wobei die BWV wegen Versorgungsengpässen zumindest in den nächsten zwei Jahren keine neuen Aufträge annimmt. Seitens der ASG wäre laut des Gutachtens sowohl eine Teil- als auch eine Vollversorgung der Gemeinde möglich. Von letzterer Variante raten die Experten aber ab – nicht nur, weil diese Möglichkeit unter Berücksichtigung der Betriebskosten deutlich teurer sei als andere Lösungen, sondern auch, weil „dadurch die komplette und derzeit funktionierende Eigenwasserversorgung stillgelegt werden würde“.

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