Infrastruktur in Fellbach Erzieher sollen in Fellbach auf die Schule gehen

Von Dirk Herrmann 

Derzeit eine freie Fläche – doch nicht mehr lange. Bis in einem Jahr steht dort ein neues, mehrstöckiges Kinderhaus. Foto: fz
Derzeit eine freie Fläche – doch nicht mehr lange. Bis in einem Jahr steht dort ein neues, mehrstöckiges Kinderhaus. Foto: fz

Die Stadt hofft, dass durch die Einrichtung in der Kienbachstraße die ausgebildeten Kräfte künftig auch in Fellbach bleiben und so den Personalbedarf besser decken. Ins Erdgeschoss kommt im September 2019 eine neue Kindertagesstätte.

Fellbach - Wer als Spaziergänger oder auch Sportler auf dem Weg zu den Tennisanlagen unterwegs ist, der stellt fest: Hier, in der Kienbachstraße im Bereich westlich der Esslinger Straße, ist es ein recht ruhiger Bereich. Weiter hinten lockt ein schöner Spielplatz mit langer Metall-Röhrenrutsche manchen Vater mit seiner Tochter. Nicht mehr lange, dann dürfte diese Rutsche jedoch deutlich häufiger juchzende Schreie auslösen, denn auf jener Ost-West-Achse wird deutlich mehr – vor allem junges – Leben zu finden sein.

Der Grund: Entlang der Kienbachstraße soll schräg gegenüber der Tennishalle relativ zügig eine neue Kindertagesstätte errichtet werden. Vorgesehen ist eine sechsgruppige Einrichtung – und zwar mit vier Gruppen für über Dreijährige mit 95 Plätzen und zwei Gruppen für unter Dreijährige mit 20 Plätzen – überwiegend mit Ganztagsbetreuungsangebot.

Rund 800 Mitarbeiter sind im pädagogischen Bereich beschäftigt

Nötig ist dies angesichts der steigenden Kinderzahlen – womit Fellbach wie viele andere Kommunen in der Region Stuttgart eine ganz andere Entwicklung genommen hat, als noch vor ein paar Jahren gedacht, dank erhöhter Geburtenzahlen sowie des Zuzugs junger Familien. Weil dies alles so dringend ist, kommt den Verantwortlichen im Dezernat des Ersten Bürgermeisters entgegen, dass der vorgesehene Träger die Kindertagesstätte in Modulbauweise errichten wird. „Eine zügige bauliche Fertigstellung ist mit dieser Bauweise gegeben – deshalb ist ein Betriebsbeginn zum nächsten Kindergartenjahr im September 2019 vorstellbar“, sagte Günter Geyer.

Beauftragt mit Planung, Bau und Betrieb der Tagesstätte ist gemäß dem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss der freie Träger „Familie und Beruf gGmbH“. Diese gemeinnützige Gesellschaft ist Teil des Konzept-e-Netzwerks. Das Konzept-e-Trägernetzwerk wurde 1989 gegründet. Hauptsitz ist Stuttgart-Vaihingen, dazu kommen weitere fünf Standorte im Bundesgebiet. Rund 800 Mitarbeiter sind im pädagogischen Bereich beschäftigt, dazu 75 im Management und in der Verwaltung. Betreut werden in 38 Kinderhäusern insgesamt rund 3000 Kinder.

Und es kommt es für Fellbach noch besser: Denn während die Kita im Erd- und Obergeschoss angesiedelt wird, kommt ins dritte Stockwerk des Gebäudes an der Kienbachstraße eine neue Fachschule für Pädagogik – ebenfalls betrieben durch Konzept-e. Derartige Fachschulen gibt es bereits seit 2011 in Stuttgart und seit 2012 in Karlsruhe. Im Jahr 2019 folgt Köln – und eben die neue Fachschule für Pädagogik in Fellbach. Dies wäre, so die Einschätzung der Stadt, ein „sehr positiver Nebeneffekt“ zusätzlich zur Kindertagesstätte.

Der Vertrag über die Betriebsträgerschaft läuft zunächst mal über 25 Jahre

In jener Schule werden pro Jahrgang 25 Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet. Weil deshalb auch in der Praxis eng mit der Stadt zusammengearbeitet werden kann, dürfte dies gerade in Fellbach ein wirksames Mittel den Fachkräftemangel bei den Erziehern sein. Wobei diese dann auch noch in Theorie und Praxis bestens ausgebildet sind.

Nächster Vorteil für Fellbach: Der private Betreiber rechnet nach Geyers Angaben für die neue pädagogische Fachschule aktuell mit Baukosten in Höhe von 1,14 Millionen Euro. Die Stadt muss diesen Betrag also nicht selber stemmen, sondern unterstützt die Familie und Beruf gGmbH lediglich mit dem einmaligen Investitionskostenzuschuss in Höhe von 200 000 Euro.

Dazu kommen 390 000 Euro für die Erstausstattung der Kindertagesstätte. Das Grundstück an der Kienbachstraße wird entsprechend dem Gemeinderatsbeschluss im Rahmen des Erbbaurechts für 50 Jahre dem Träger kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Vertrag über die Betriebsträgerschaft läuft zunächst mal über 25 Jahre.

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