Ein Plan sieht vor, die Stadtbahnhaltestelle Vaihinger Bahnhof tiefer zu legen und um 90 Grad zu drehen. Foto: PPfotodesign/Leif Piechowski

Die Stuttgarter Topografie und zu enge Straßen verhindern, dass in Stuttgart- Vaihingen neue Stadtbahnstrecken ohne aufwendige Tunnel auskommen. Ein Planungsbüro soll bald drei mögliche Trassen prüfen.

Möhringen/Vaihingen - Die Zahl der Beschäftigten im Synergiepark wird sich bis 2030 von 20 000 auf 40 000 verdoppeln und auf dem Eiermann-Campus entsteht ein Wohn- und Gewerbegebiet für rund 4500 Menschen. Um den Verkehrskollaps zu vermeiden, muss die Stadt jetzt schon planen, wie sie bis dahin den öffentlichen Nahverkehr ausbauen kann. Eine Möglichkeit wäre die Verlängerung der Stadtbahn zum Eiermann-Areal und nach Büsnau. Nun haben die Möhringer und Vaihinger Bezirksbeiräte dem Vorschlag der Verwaltung zugestimmt, ein externes Ingenieurbüro mit einer Machbarkeitsstudie zu beauftragen.

Keine der drei Varianten kommt am Tunnel vorbei

Das Büro soll drei Variantenprüfen. Die erste sieht einen Verbindungstunnel von der Stadtbahnhaltestelle „Engelboldstraße“ in Kaltental zum SSB-Zentrum vor, außerdem eine neue Tunnelstrecke von der heutigen Haltestelle am Vaihinger Bahnhofüber das Schulzentrum Vaihingen entlang der Vischer- und Krehlsstraße bis zur Hauptstraße. In der zweiten Variante schlagen die Planer ebenfalls den Verbindungstunnel von der Haltestelle Engelboldstraße zum SSB-Zentrum vor. Die Haltestelle am Vaihinger Bahnhof soll in die Vollmoellerstraße verlegt werden. Über die Vollmoellerstraße fährt die Stadtbahn zur Hauptstraße. Die dritte Variante schlägt einen Tunnel vor von der Ernsthaldenstraße über das Aurelis-Areal und den Stadtgarten bis zur Hauptstraße. Die Haltestelle Bahnhof wird tiefer gelegt und um 90 Grad gedreht. Außerdem entsteht zwischen Schillerplatz, Schwabengalerie und Bahnhof ein unterirdisches Gleisdreieck. Die Stadtbahnstrecken in der Herrenberger Straße, Filderhofstraße und die heutige Endhaltestelle werden aufgegeben. Bei allen drei Varianten können das Eiermann-Area über die Gründgens- oder die Pascalstraße und der Stadtteil Büsnau über die Hauptstraße und die Büsnauer Straße erschlossen werden.

Oberirdische Stadtbahnen würden Raum für Fußgänger, Radler und Autos beschneiden

Die überwältigende Mehrheit der Bezirksbeiräte war vom Verwaltungsantrag überzeugt. Der Vaihinger Gerhard Wick (Die Fraktion) dagegen hielt nur die Verlängerung der Stadtbahn zum Eiermann-Areal und nach Büsnau für wichtig. Tunnel lehnte er kategorisch ab: „Große Tunnel passen nicht mehr in diese Zeit. Wir wollen den Individualverkehr zurückdrängen, weil er einen der größten Beiträge zum CO2-Ausstoß liefert.“ Der Sündenfall in Stuttgart sei es schon vor vielen Jahren gewesen, oben dem Auto Platz zu machen und die Stadtbahn unter den Boden zu verlegen. „So können wir nicht mehr weitermachen. Man muss Lösungen finden, wie man Büsnau oberirdisch anschließen kann“, sagte er.

Der städtische Verkehrsplaner Andreas Hemmerich verwies darauf, dass Tunnelbauten schon wegen der Topografie unumgänglich seien: „Von Kaltental auf die Filder braucht man eben einen Tunnel.“ Außerdem seien die Straßen sehr eng: „Oberirdische Stadtbahnen bedeuten die Umverteilung der Verkehrsflächen, weshalb nicht nur Kraftfahrzeuge, sondern auch Fußgänger und Radfahrer Platz abgeben müssten.“ Außerdem seien die Reisegeschwindigkeiten der Bahnen oberirdisch nicht so hoch wie unterirdisch.

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