Glasfaser-Zukunft unbekannt – die betroffenen Bürgermeister wie Jan Trost finden klare Worte. Foto: Adobe/Kuhnle

Seit Jahren warten Bürger auf schnelleres Internet. Nach dem Rückzug eines weiteren Dienstleisters erreicht der Ärger in den Rathäusern einen neuen Höhepunkt.

„In der Steinzeit lebt hier niemand, jeder hat schon irgendwie eine Internetverbindung“, sagt Jens Knittel, Ortsvorsteher des Marbacher Ortsteils Rielinghausen. „Wenn alle in der Straße Filme streamen, dann wird es aber schon einmal hakelig.“ Er wisse auch von einigen Bürgern, die im Homeoffice mit vielen Daten oder im Betriebssystem SAP arbeiten und dabei immer wieder an ihre Grenzen kommen. Auch in seinem Betrieb, der viel mit Karten und Geodaten arbeitet, habe man immer wieder zu kämpfen. „Wir alle würden sofort ein schnelleres Internet nehmen.“

 

Die Ernüchterung in Marbach und Erdmannhausen nach dem neuesten Glasfaser-Flop ist groß. Nachdem das für den Ausbau verantwortliche Unternehmen „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) die Segel streicht, ist aktuell völlig unklar, ob und wann die Anwohner ihre versprochene schnelle Leitung bekommen. Die Bürgermeister finden derweil deutliche Worte.

GVG kommt nicht voran

Die Situation ist komplex. Heruntergebrochen geht es darum, dass das Unternehmen GVG Glasfaser aus Kiel sich zur Aufgabe gemacht hat, in Marbach-Rielinghausen, Erdmannhausen, Löchgau und Freudental anstelle alter Kupferkabel Glasfaser zu verlegen, um den Menschen eine leistungsfähigere Internetanbindung zu bieten. Die Freude in den Kommunen war groß, teilweise gab es gut besuchte Infoveranstaltungen in Stadthallen.

Für die Umsetzung braucht die GVG jedoch einen Partner, der den tatsächlichen Tiefbau und die Verlegung übernimmt. Zunächst war das die Deutsche Giga Access (DGA), die 2024 aufgrund wirtschaftlicher Probleme nach nicht einmal zwei Wochen wieder abzog und in Marbach beispielsweise sogar Baugeräte und Kabel zurückließ. Mit dem neuen Partner, der UGG, sollte dann alles besser werden. Vergangene Woche kam nun die Nachricht, dass auch die UGG aufgeben muss. Marbach, Erdmannhausen, Löchgau und Freudental stehen damit erneut ohne Lösung da.

Alexander Fleig (rechts) ist verärgert über die Informationslage. Foto: Helmut Pangerl

Die UGG habe die Stadtverwaltung mehrere Monate hingehalten, berichtet Marbachs Bürgermeister Jan Trost – „und jetzt alles eingestellt“. Es sei ein zweiter Anlauf gewesen, zweimal habe es nicht geklappt, und man sei enttäuscht worden, so Trost in Richtung der Projektfirma GVG. „Das Vertrauen, dass es beim dritten Versuch funktioniert, ist gering.“ Dabei habe man seitens der Verantwortlichen immer wieder betont, dass die UGG mit namhaften Investoren und Gesellschaftern wie Allianz und Telefónica ein verlässlicher Partner sei.

Ähnlich äußern sich Erdmannhausens Bürgermeister Marcus Kohler und Freudentals Bürgermeister Alexander Fleig. „Mich ärgert vor allem, dass man keine Informationen bekommt – alles ist über Buschfunk bekannt geworden“, sagt Fleig. Man könnte auch zugeben, dass es Probleme gibt – er sei der Letzte, der dafür kein Verständnis hätte. Aber nichts. „Da nimmt auch keiner einmal den Hörer in die Hand, man bekommt nur eine lapidare Mail.“ Er sei enttäuscht und habe Vertrauen verloren. Noch einmal wolle er sich nicht vor seine Bürger stellen und für die GVG als Glasfaserpartner werben, wie in der Vergangenheit.

Ein positiver Apspekt

Die Bürgermeister sind nach eigener Aussage weiterhin zu Gesprächen mit der GVG bereit – diese steht nun vor der Aufgabe, einen neuen Partner für die Bauarbeiten zu finden. Darauf wollen sich die betroffenen Verwaltungen jedoch nicht verlassen. Gleichzeitig betonen die Bürgermeister, dass sie auch Gespräche mit Konkurrenten der GVG führen, etwa mit der Telekom.

Bei Ortsvorsteher Jens Knittel in Marbach-Rielinghausen ist die Hoffnung groß, dass die „mühsame“ Situation mit der Internetverbindung bald behoben wird – denn schon jetzt ist die Ungeduld groß. Rund 60 Prozent der Bürger hätten vor einigen Jahren Bedarf für schnelleres Internet angemeldet, das Thema ist seit Langem präsent im Ortsteil und im Ortschaftsrat.

Am Ende bleibt zumindest ein kleiner positiver Aspekt: Noch ist kein Geld von Bürgern oder Kommunen an die GVG geflossen – „nur viel Arbeitszeit“, wie Alexander Fleig sagt.