Bei der Infomesse zum Windpark in Renningen wurden viele Fragen beantwortet – etwa, wie ein Windrad gebaut und wie viel Wald dafür gerodet werden muss. Foto: Imago/Hans Blossey

Sechs Windräder sollen bis zum Jahr 2030 im Hardtwald zwischen Bosch und der A 8 entstehen. Bei einer Informationsveranstaltung ist das Echo geteilt.

Warum sollen genau sechs Windräder im Hardtwald bei Renningen gebaut werden? Warum müssen sie überhaupt im Wald stehen und nicht an anderer Stelle, etwa im Industriegebiet? Und was ist, wenn gar nicht genug Wind dort weht? Das sind nur einige Beispiele von Fragen, die die Besucher einer Infomesse zum geplanten Windpark in Renningen am Montagabend hatten.

 

Der Bürgersaal ist schon um 17 Uhr sehr gut gefühlt. Doch das Konzept der Veranstaltung verwirrt am Anfang viele. Statt eines Vortrags vor sitzendem Publikum mit anschließender Fragerunde hat der Projektentwickler ABO Energy eine Infomesse auf die Beine gestellt.

Zahlreiche Plakate mit allerlei Informationen zur Windkraft allgemein und dem geplanten Projekt in Renningen speziell sind an Stellwänden angebracht. Dazu stehen Experten des Unternehmens für die Fragen der Besucher bereit. Auch die Stadt Renningen, das Landratsamt Böblingen und die Genossenschaft Bürgerenergie Heckengäu sind mit Infoständen vertreten.

Renninger haben viele Fragen zu den sechs Windrädern

„Ich weiß nur, dass das Thema im Gemeinderat war und beschlossene Sache ist“, sagt eine 59-Jährige aus Renningen. „Jetzt möchte ich wissen, wie es umgesetzt werden soll“, meint die Frau. Wie viele an diesem Abend möchte sie ihren Namen nicht nennen. Zu groß ist bei vielen die Angst vor Konfrontationen bei diesem umstrittenen Thema.

Die Stadt Renningen hat mit dem Projektentwickler ABO Energy einen Nutzungsvertrag für die geplanten Windkraft-Standorte geschlossen, damit entsprechende Voruntersuchungen erfolgen können. Gebaut werden soll der Windpark aber nur, wenn es sich finanziell rechnet und keine sonstigen Gründe dagegen sprechen.

Statt es eines Vortrags mit Fragerunde gibt es bei der Infomesse Stellwände mit Postern. Dazu stehen Experten des Projektentwicklers für Fragen bereit. Foto: Ulrike Otto

Was das für Gründe sein könnten, das beschäftigt viele Besucher an diesem Abend. Welche Vögel leben in dem Gebiet, und sind diese besonders geschützt? Dass es im und rund um den Hardtwald Fledermäuse gibt, war vielen bislang offenkundig nicht bekannt. Zu besonders aktiven Fledermaus-Zeiten sollen die Windräder dann beispielsweise ruhen, heißt es.

Lohnt sich ein Windpark? „Wir rechnen wirklich sehr konservativ“

„Die häufigste Frage, die mir gestellt wurde, ist tatsächlich, ob der Windpark sich lohnt, also wirtschaftlich ist“, berichtet Matthias Graf, der für ABO Energy seine erste Infomesse betreut. „Wir rechnen wirklich sehr konservativ“, erklärt er. So sollen die sechs Windräder etwa 88 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren – eine Menge, die dem Stromverbrauch von etwa 26 000 Haushalten entspricht und von Kritikern des Windparks angezweifelt wird.

Die Strommenge basiere aber auf tatsächlichen Messwerten aus dem Renninger Wald, erklärt Matthias Graf. „Wir setzen dort seit Juni für zwölf Monate ein Messgerät ein, das den Wind mittels eines Lasers misst.“ Und das in der Höhe der geplanten Windturbinen. Die Windräder sollen eine Nabenhöhe von 179 Metern und eine Gesamthöhe von 265,5 Metern haben.

Auch das wird an dem Abend in Renningen häufig gefragt: Warum müssen die Windräder im Wald stehen? Und warum so hoch sein? Wie viele Bäume müssten dafür abgeholzt werden? Wie wird der Windpark finanziert, und wie kann man sich als Bürger dann später beteiligen? Viele Antworten auf diese Fragen sowie alle ausgestellten Poster der Infomesse stellt ABO Energy auch auf der Internetseite www.windpark-renningen.de bereit.

Eine Stellwand bleibt am Montagabend indes leer. „Wir haben die Bürgerinitiative, die sich gegen den Windpark engagiert, eingeladen, sich hier auch zu präsentieren. Wir haben aber keine Antwort erhalten“, berichtet die Bürgermeisterin Melanie Hettmer, die an diesem Abend ebenfalls zahlreiche Gespräche führt.

Bürgerinitiative findet sich über Facebook

Gegen 18.30 Uhr tauchen dann doch Vertreter der Bürgerinitiative im Bürgerhaus auf, sie haben Unterschriftenlisten dabei. „Wir sammeln seit heute offiziell Unterschriften für einen Bürgerentscheid“, sagt Michael Otto, einer der Sprecher der Bürgerinitiative. Diese hat sich erst vor drei Wochen bei Facebook zusammengefunden. „Für uns ist das alles neu, und wir müssen uns in vieles erst einarbeiten“, sagt der 59-Jährige.

Bürgerinitiative sammelt Unterschriften für Bürgerentscheid

Bis zum 20. Januar haben sie nun Zeit, knapp unter 1000 Unterschriften zu sammeln und im Rathaus vorzulegen – sieben Prozent der wahlberechtigten Renninger und Malmsheimer müssen es für einen Erfolg sein, um genau zu sein.

Auch über den möglichen Bürgerentscheid wird an diesem Abend diskutiert. „So etwas sollte es auch in Renningen geben, wie in anderen Gemeinden auch“, sagt eine Frau aus Malmsheim. Sie sah sich vor der Infomesse viel zu wenig über das Vorhaben im Hardtwald informiert und sieht vor allem den Standort im städtischen Forst, einem Naherholungsgebiet, sehr kritisch. Und wenn sich sich die Mehrheit für den Windpark entscheidet, wie etwa im benachbarten Weil der Stadt? „Dann ist das ja eine demokratische Mehrheitsentscheidung.“

Windpark Renningen

Vorranggebiet
Auf der Gemarkung von Renningen und Malmsheim sind im Regionalplan der Region Stuttgart zwei Vorranggebiete für Windkraft ausgewiesen: BB02 im Süden und BB29 im Hardtwald, wo jetzt der Windpark geplant wird. Die Bundesregierung hat die Bundesländer verpflichtet, bis 2027 mindestens 1,8 Prozent ihrer Landesfläche für den Ausbau von Windenergie auszuweisen.

Renningen
Seit dem Sommer läuft eine zwölfmonatige Windmessung in Renningen. Bereits beauftragt sind zahlreiche Natur- und Artenschutzgutachten, die bis zum Sommer 2026 vorliegen sollen. Erst dann kann der Windpark offiziell beantragt werden. Bei einem positiven Ausgang könnten die sechs Windräder ab dem Frühjahr 2029 errichtet und im Sommer 2030 in Betrieb genommen werden.