Influenza Die Grippewelle bleibt eine riesige Herausforderung

Von red/AFP 

Auch weiterhin werden Impfungen gegen die Influenza empfohlen. Foto: dpa-Zentralbild
Auch weiterhin werden Impfungen gegen die Influenza empfohlen. Foto: dpa-Zentralbild

Die Influenza bleibt für Ärzte und Gesundheitsbehörden eine riesige Herausforderung. Das zeigt nicht nur die aktuelle Grippewelle in Baden-Württemberg.

Paris - Geschätzte 50 Millionen Todesopfer hat die Spanische Grippe in den Jahren 1918 bis 1920 weltweit gefordert. Eine derart verheerende Grippe-Epidemie hat sich bislang nicht wiederholt. Doch wie die aktuelle Grippewelle zeigt, bleibt die Influenza für Ärzte und Gesundheitsbehörden eine riesige Herausforderung. Da es verschiedene Gattungen und Stämme der Grippeviren gibt und deren Erbgut sich immer wieder verändert, müssen jedes Jahr neue Impfstoffe entwickelt werden.

Dabei gleicht die Entscheidung, gegen welche Grippeviren geimpft wird, einem Roulette-Spiel. „Die Viren entwickeln sich ständig weiter“, erklärt Wenqing Zhang, die bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Programm zur weltweiten Grippe-Bekämpfung leitet. „Die Viren, die dieses Jahr zirkulieren, sind nicht unbedingt die, die kommendes Jahr zirkulieren.“ Alljährlich müssen sich die WHO-Experten daher überlegen, gegen welche Grippeviren in der kommenden Saison geimpft werden sollte. Dabei stützen sie sich auf Daten eines Netzwerks aus nationalen Grippezentren in 114 Ländern, die die Verbreitung der Grippeviren beobachten und Proben von Patienten sammeln.

Zwei Mal jährlich Empfehlungen der WHO

Zwei Mal im Jahr gibt die WHO ihre Empfehlungen heraus: im Februar für die Nordhalbkugel, im September für die Südhalbkugel. Auf Grundlage der WHO-Empfehlungen entwickeln Pharmakonzerne den neuen Impfstoff - zumeist indem sie Grippeviren in Hühnereiern züchten und die Viren in abgeschwächter Form in die Impfdosen packen. Dabei werden drei oder vier Viren kombiniert - zwei der Gattung A und mindestens eines der Gattung B. Wegen dieses langwierigen Prozesses dauert es acht bis zehn Monate, bis ein neuer Impfstoff fertig ist.

„Wir können nicht mit Sicherheit sagen, welche Viren in acht Monaten zirkulieren“, räumt Zhang ein. „Wir stützen uns also auf das bestmögliche Überwachungs- und Analysesystem, um diese Wette, diese Vorhersage zu machen.“ „Grippeviren haben eine enorme Fähigkeit zu mutieren“, erläutert der Mikrobiologe Vincent Enouf vom renommierten Institut Pasteur in Paris. Zum einen gibt es winzige genetische Veränderungen bei der Reproduktion der Viren. Zum anderen kommt es vor, dass verschiedene Untergruppen der Influenza-Gattung A Erbgut untereinander austauschen und daraus ein völlig neuer Virenstamm hervorgeht.

Solche neuen Virenstämme lösen alle paar Jahre oder Jahrzehnte eine Pandemie aus. Die tödlichsten Grippe-Epidemien nach der Spanischen Grippe waren die Asiatische Grippe 1957, die Hongkong-Grippe 1968 und die Schweinegrippe 2009. Selbst in Zeiten ohne eine solche Pandemie sterben nach Schätzungen der WHO pro Jahr zwischen 290.000 und 650.000 Menschen an der Grippe, in drei bis fünf Millionen Fällen gibt es einen schweren Krankheitsverlauf. Und selbst wenn es nur bei Schnupfen, Husten, Halsschmerzen und Fieber bleibt, sind die volkswirtschaftlichen Folgen in Form von medizinischen Versorgungskosten und Krankheitsausfällen enorm.

Mediziner träumen von universellem Impfstoff

Mediziner träumen von einem universellen Impfstoff, der vor allen Grippeviren gleichermaßen schützt. Mehrere solcher Impfstoffe werden derzeit getestet - allerdings mit ungewissem Ausgang. Die Influenza gehöre zwar zu den besterforschten Viren, sagt der Virologe David Evans von der schottischen Saint Andrews University. Fakt sei aber auch, „dass sie sehr schwierig zu kontrollieren“ ist. Daher sei es nur eine Frage der Zeit, wann die Menschheit wieder mit einer Grippe-Pandemie zu kämpfen hat, meint Wendy Barclay, Grippe-Expertin vom Imperial College in London.

Anders als während der Spanischen Grippe gebe es zwar heute immerhin Antibiotika, die durch Bakterien verursachte gefährliche Begleiterkrankungen wie Lungenentzündungen oder Bronchitis bekämpfen können. Trotzdem könnten die Folgen einer neuen Pandemie „sehr schlimm“ sein, warnt Barclay. Damit müsse die Menschheit leben, meint Evans. Sie werde der Gefahr durch die Grippe weiterhin ständig ausgesetzt sein - und das „wahrscheinlich für immer“.

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