Modelt fürs StZ Magazin im Dorotheen Quartier: Karo Kauer Foto: StZ Magazin/Christian Borth

Die Influencerin Karo Kauer hat über eine halbe Million Follower auf Instagram. Trotzdem lebt sie immer noch in Eislingen im Filstal. Im Interview mit dem Stuttgarter Zeitung Magazin spricht sie über ihre schwäbischsten Eigenschaften und Influencer-Witze.

Karo Kauer Superstar: Über eine halbe Million Follower bei Instagram, ein eigenes Modelabel, ein eigenes Café und eine eigene Holding. Wie ist es, in nicht einmal zehn Jahren so groß zu werden? Im Interview mit dem Stuttgarter Zeitung Magazin spricht die 32-Jährige über ihren Erfolg und über ihre schwäbisch-polnischen Wurzeln.

 

Frau Kauer, lassen Sie uns mit Gegensatzpaaren beginnen, um warm zu werden: Instagram oder Tiktok?

Da alles auf dieser Plattform begonnen hat, bleibe ich ihr auch treu: Instagram!

Sneakers oder High Heels?

Sneakers! Manchmal packt’s mich dann allerdings doch, und ich ziehe Heels an.

Großstadt oder Kleinstadt?

Kleinstadt.

Das hatten wir fast befürchtet. Bis heute sind Sie Ihrer Heimat Eislingen, einem Städtchen mit 20 000 Einwohnern bei Göppingen, treu geblieben. Ist Ihnen die Kleinstadt nicht manchmal zu eng?

Ganz und gar nicht. Ich liebe das vertraute Gefühl, das ich habe, wenn ich im beschaulichen Eislingen mit meinen Kids an Orten bin, an denen ich als Kind selbst viel Zeit verbracht habe. Ich bin generell viel in Großstädten unterwegs und freue mich jedes Mal, wieder in Eislingen zu sein, meinem Ruhepol.

Was bedeutet Heimat für Sie?

Definitiv ein Gefühl von Ankommen und Vertrautheit. Heimat ist da, wo meine Familie ist.

Ihre Eltern kommen aus Polen, Sie sind zweisprachig aufgewachsen. Kann es Heimat auch im Plural geben?

Absolut. Das Gefühl von Heimat empfinde ich sowohl hier als auch in Polen und freue mich immer, wenn ich die Family dort besuche.

Was ist am schwäbischsten an Ihnen?

Der Mindset: Schaffe, schaffe, Häusle baue! Uns Schwaben sagt man nach, fleißig zu sein. Das ist eine Mentalität, die sich bei mir durchgesetzt hat. Das ein oder andere Mal schwäble ich schon auch, das kann man unschwer raushören. Dr Schwob bleibt halt dr Schwob!

Und am polnischsten?

Bei mir geht niemand hungrig nach Hause. Ich koche im Office immer riesige Mengen für mein Team. Wenn ich mit meiner Crew beruflich unterwegs bin und frage, wer etwas essen möchte und ich ein Nein höre, gibt’s trotzdem etwas.

Bei Instagram folgen Ihnen über eine halbe Million Menschen: Geht das nicht mit unglaublicher Verantwortung einher?

Auf jeden Fall. Die Followerzahl ist nicht einfach nur eine Zahl, da stecken Menschen dahinter. Dazu gehört, dass man verantwortungsbewusst mit dieser Rolle umgeht.

Influencer haben nicht den besten Ruf, was die Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten angeht. Was entgegnen Sie Kritikern Ihres Berufsstands?

Ich denke, dass die Kennzeichnung von werblichem Content mittlerweile gut erkennbar und Teil des Influencer-Daseins ist. Als Influencerin trägt man Verantwortung, und die nehme ich sehr ernst. Das spiegelt sich dann so wider, dass ich nur Kooperationen mit Brands eingehe, hinter denen ich stehe. Generell sollte man die eigene Reichweite bewusst nutzen.

Schlimmster Influencer-Witz, den Sie nicht mehr hören können?

„Dein Handy klebt wahrscheinlich schon an deiner Hand, oder?“

Und der beste Influencer-Witz?

Bis heute habe ich noch keinen guten Influencer-Witz gehört. Also wenn jemand einen Guten auf Lager hat, darf der oder diejenige ihn mir gern schicken. Ich freu mich drüber und nehme den gern ins Repertoire auf – ich bin nämlich in meinem Umfeld bekannt dafür, gute Witze zu erzählen. Nur lacht niemand drüber!

Vom Witz zur Frage, wie man Kindern eine schöne Kindheit ermöglicht: Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Contentlieferung und Familienalltag?

Egal was ansteht, ich hole die Kids jeden Tag vom Kindergarten ab. Ich versuche, mir die Zeit so einzuteilen, dass ich das meiste vorher erledige. Wenn ich mit ihnen bin, achte ich darauf, präsent zu sein. Das bedeutet auch mal weiterzuarbeiten, nachdem ich sie ins Bett gebracht habe.

2014 haben Sie mit Instagram losgelegt und in nicht mal zehn Jahren ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitenden und Millionenumsatz aufgebaut. Wie ging das?

Ich habe von meinen Eltern in die Wiege gelegt bekommen, wie wichtig Fleiß ist. Allerdings glaube ich auch, dass eine große Portion Glück eine Rolle spielte und ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war – in dem Fall auf Instagram. Meine Family hat mich auch unheimlich supportet und an mich geglaubt.

Was bedeutet Mode allgemein für Sie?

Sich selbst auszudrücken, kreativ zu sein, sich auszutoben, neu zu erfinden, mutig zu sein und Spaß zu haben. Schon als kleines Kind habe ich davon geträumt, Menschen einkleiden zu können. Mit meinem Label möchte ich genau diese Gefühle transportieren.

Dabei war der Start etwas holprig, Sie mussten nach einer Abmahnung einen Teil der ersten Kollektion vernichten. Wie haben Sie es geschafft, nach dem Ärger direkt weiterzumachen?

Ich habe gelernt, in herausfordernden Zeiten immer weiterzumachen. Dass mal etwas nicht nach Plan läuft, ist unumgänglich, daher: abschütteln und dazulernen. Das Label ist ein Herzensprojekt von mir, und da gab es für mich nur die Option weiterzumachen.

Als Sie Ihr Parfum launchten, holten Sie Influencerinnen und Influencer mit über sieben Millionen Followern ins Boot. Für welchen guten Zweck würden Sie eine solche Power am liebsten einsetzen?

Wir setzen jedes Jahr ein Charity-Event um, was mir unheimlich am Herzen liegt, vergangenes Jahr zum Beispiel mit der Stuttgarter Organisation Stelp, die sich in Krisenregionen engagiert. Dafür nutze ich meine Reichweite unheimlich gern. Unabhängig von den großen Projekten engagiere ich mich für kleine Aktionen wie zum Beispiel Kochen für einen wohltätigen Zweck oder ein Fotoshooting für eine Kollaboration mit Stelp und dem VfB. Ich freue mich auf all die Projekte, die diesbezüglich anstehen.

Hintergrund

Biografie
Die 1991 geborene Karolina Kauer lebt heute mit ihren zwei Kindern in Eislingen bei Göppingen. Teil der Karo Kauer Family, ihrer Holding, ist unter anderem

Magazin
Das Interview ist Teil der aktuellen Ausgabe des Stuttgarter Zeitung Magazin. Die gesamte Modestrecke im Stuttgarter Dorotheen Quartier gibt es im Heft zu sehen, zu bestellen unter www.shop0711.de.