Sabrina und Johannes Peter mit Sohn Nils haben endlichen einen Bauplatz. Aber die steigenden Kosten trüben die Vorfreude aufs Eigenheim. Foto: Privat

Die Peters aus Rommelshausen und die Pfleiderers aus Leutenbach, zwei ganz normale Familien mit solidem Einkommen, erzählen, wie steigende Preise sie im Alltag belasten.

In der Region Stuttgart einen schönen Bauplatz finden? Noch vor wenigen Monaten kam das Sabrina und Johannes Peter, 35 und 36 Jahre alt, wie ein Sechser im Lotto vor. Zwei Jahre hatten sie nach einem Grundstück oder einem Haus für ihre kleine Familie gesucht. Im März wurden sie in Rommelshausen im Rems-Murr-Kreis fündig. Leider, wie sie heute manchmal denken.

 

„Als wir gekauft haben, waren die Zinsen für Baukredite zwar schon gestiegen, das haben wir natürlich einkalkuliert. Aber dass die Lebenshaltungskosten und die Nebenkosten so explodieren, damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Sabrina Peter.

2000 Euro im Monat für den Baukredit

Noch wohnt das Paar mit dem sieben Monate alten Sohn Nils in einer kleinen Zweizimmerwohnung, ebenfalls in Rommelshausen. Die Warmmiete liegt dank langjährigem Mietvertrag bei nur 500 Euro monatlich. Allerdings war die Nachzahlung der Nebenkosten schon jetzt ordentlich – und wird künftig noch höher ausfallen. Nun kommen noch 2000 Euro monatlich für die Baufinanzierung dazu – parallel zur Miete, auf unbestimmte Zeit. „Wir wissen nicht, ob der Bau des Fertighauses wie geplant startet und wie lange das wegen des Mangels an Handwerkern und beim Baumaterial dann dauert, bis wir tatsächlich einziehen können“, sagt Sabrina Peter.

Finanzielle Sorgen kannte das Paar bisher nicht. Beide haben studiert, Johannes Peter arbeitet als Softwareentwickler, seine Frau im Projektmanagement, ist derzeit aber in Elternzeit.

Krippenplätze sind rar und teuer

„Ich wollte eigentlich gern eineinhalb Jahre zu Hause bleiben, aber jetzt überlege ich mir, früher wieder einzusteigen. Denn nach zwölf Monaten gibt es dann ja auch kein Elterngeld mehr“, sagt Sabrina Peter. Voraussetzung dafür ist aber ein Betreuungsplatz für den kleinen Sohn. Krippenplätze sind nicht nur rar, sie kosten auch schnell 500 Euro monatlich.

Größere Urlaube für dieses und kommendes Jahr hat Familie Peter gestrichen. „Wenn ich Lebensmittel einkaufe, schaue ich jetzt mehr nach Angeboten und lasse die teurere Biogurke liegen“, sagt Sabrina Peter.

Demnächst steht die Bemusterung des Fertighauses an, dabei wird die individuelle Ausstattung des Hauses festgelegt. „Meist wird das ja dann auch teurer als gedacht. Deshalb sind wir jetzt schon am Überlegen, was wir zusammenstreichen könnten und ob es beispielsweise wirklich Parkettboden sein muss“, sagt Sabrina Peter.

Vor allem ihr Mann Johannes habe immer von einem Einfamilienhaus geträumt. „Die aktuelle Situation und die ungewisse Zukunft mindern unsere Freude aufs Haus aber total“, sagt Sabrina Peter.

„Wir haben schon immer sparsamer gelebt“

Von Rommelshausen ins zwölf Kilometer entfernte Leutenbach. Hier wohnt Familie Pfleiderer schon seit acht Jahren in einem älteren Einfamilienhaus, das inzwischen gut gefüllt ist. Fünf Kinder im Alter von ein bis neun Jahren leben dort mit ihren Eltern. Auch diese Familie kannte bisher keine finanziellen Sorgen. Andreas Pfleiderer, 41, hat einen guten Job als Nutzfahrzeug-Meister. Jennifer Pfleiderer, 38, studierte Betriebswirtin, ist seit der Geburt des dritten Kindes Hausfrau.

„Wir haben schon immer sparsamer gelebt als andere Familien, weil wir viele Dinge wie teure Urlaube oder schick essen gehen einfach gar nicht brauchen“, sagt Jennifer Pfleiderer. Der Familienbus wird nur genutzt, wenn es nicht anders geht. Meist sei sie mit den Kindern zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, der frischen Luft und der Umwelt wegen. Nun aber machen die gestiegenen Lebenshaltungskosten der Großfamilie ordentlich zu schaffen.

20 Euro für die Tüte Vesper-Brötchen

Bis vor einigen Monaten ist Jennifer Pfleiderer auf dem Weg vom Spielplatz nach Hause gern beim Bäcker vorbeigegangen und hat eine Tüte Brötchen fürs Vesper gekauft. Mehr als zwölf Euro hat sie das nie gekostet. Inzwischen braucht sie dafür mindestens 20 Euro. „Bei uns macht sich jedes Brötchen, das teurer geworden ist, eben siebenfach bemerkbar. Also kaufe ich jetzt Brot und denke auch schon darüber nach, das künftig selbst zu backen.“

Überhaupt macht das Einkaufen Jennifer Pfleiderer derzeit keinen Spaß. Bislang ist sie zur regionalen Supermarktkette gegangen, hat bei den Bauern vor Ort eingekauft und beim Metzger. „Gute Lebensmittel zu haben, das war mir immer wichtig. Außerdem unterstütze ich eigentlich auch gern den Einzelhandel im Ort.“

Die gestiegenen Lebensmittelpreise kann sie nun aber nur noch auffangen, wenn sie beim Discounter einkauft. Fleisch steht für die siebenköpfige Familie nur noch selten auf dem Speiseplan. Trotzdem ist sie inzwischen 200 Euro für einen ganz normalen Einkauf los, früher hätten dafür 120 Euro gereicht.

„Auch für den Schulbedarf bin ich nicht mehr zum kleinen Schreibwarenhändler gegangen, sondern zur Drogeriemarktkette“, sagt Jennifer Pfleiderer. 150 Euro haben die Schulsachen für zwei Kinder trotzdem gekostet. Andere Dinge wie beispielsweise Sportbekleidung für die Kinder bestellt sie inzwischen im Internet. „Dort sind die Preise günstiger, und ich spare mir die Spritkosten, um zum nächsten Sportgeschäft im Nachbarort zu fahren.“

Die studierte Betriebswirtin führt kein Haushaltsbuch, hat aber auch so einen guten Überblick über die Ausgaben der Familie. Noch sparen die Pfleiderers jeden Monat 500 Euro als Rücklage fürs Eigenheim, die Kinder, das Auto.

„Wir sind aber schon am Überlegen, ob wir uns das künftig weiterhin leisten können“, sagt Jennifer Pfleiderer. Denn der Spielraum am Ende des Monats ist durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten geschrumpft.

Für den Strom hat die Familie früher 80 Euro im Monat überwiesen, nach der Erhöhung der Abschlagszahlungen sind es jetzt 155 Euro. Geheizt wird bei den Pfleiderers noch mit Öl. „Da kommen wir mit unserem Vorrat noch über den Winter. Aber wir rechnen nicht damit, dass wir den Tank nächstes Jahr günstig wieder füllen können“, sagt Jennifer Pfleiderer. Also einfach weniger heizen, wie es viele Politiker vorschlagen? Und wo immer möglich Strom sparen?

Bei fünf Kindern geht es nicht ohne Wäschetrockner

Darüber kann Jennifer Pfleiderer nur lächeln. „Natürlich trocknen wir unsere Wäsche im Sommer draußen. Aber im Winter kommen wir bei so vielen Personen einfach nicht um einen Wäschetrockner herum.“ Und es sei auch nicht möglich, nur einen Raum im Haus zu beheizen oder überall die Temperatur stark abzusenken. „Bei uns sind den ganzen Tag kleine Kinder im Haus, das geht einfach nicht.“

Noch versucht Jennifer Pfleiderer die Kinder nicht spüren zu lassen, dass die finanziellen Spielräume enger sind. Wenn nun aber im Frühjahr eine entsprechende Heizölrechnung kommt, kann es sein, dass der Nachwuchs auf das eine oder andere Hobby verzichten muss. „Uns ist es eigentlich wichtig, dass sie zur Musikschule gehen können, zum Tanzen oder in den Fußballverein. Aber auch das kostet einfach jeden Monat viel Geld“, sagt Jennifer Pfleiderer.

Hilfe suchen? Die Hemmschwelle ist hoch

Margret Mack, Koordinatorin im Familienzentrum Weinstadt der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart, beobachtet schon länger, dass auch Mittelschichtfamilien mit guten Berufen nicht über die Runden kommen, weil etwa die Mieten so teuer geworden sind.

„Diese Familien haben eine sehr hohe Hemmschwelle, zu uns in die Beratung zu kommen, weil sie es nicht gewohnt sind, sich Hilfe zu suchen. Da gibt es eine riesige Dunkelziffer“, ist sich Marget Mack sicher. Und diese wird die nächsten Monate weiter wachsen, denn die Auswirkungen der gestiegenen Heizkosten seien teilweise noch gar nicht richtig in den Familien angekommen.

Für die Mittelschichtsfamilien, die den Weg ins Familienzentrum finden, gibt es bislang nahezu keine finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten. Margret Mack wünscht sich deshalb, das betroffene Familien bei den entsprechenden Stellen Druck machen, um auch Anspruch auf Kinderzuschlag oder Wohngeld stellen zu können.