Von kommenden Montag an werden auch die Grundschüler wieder in voller Kopfzahl im Präsenzunterricht sitzen. Das erhöht die Infektionsgefahr. Die Stadt Stuttgart will deshalb an die Familien appellieren, ihre Kinder mit Maske in den Unterricht zu schicken.
Stuttgart - Erstmals seit dem 16. Dezember werden Schüler der Klassen eins bis sechs von kommenden Montag an wieder gemeinsam in ihren Klassenzimmern Unterricht haben. Für die Lehrer an Stuttgarter Grundschulen besteht zwar schon länger Maskenpflicht, die Grundschüler dürfen aber nach wie vor „oben ohne“ im Unterricht sitzen. Nicht nur in der Elternschaft zeigt man sich wegen der steigenden Zahl an Infektionen und Virusvarianten besorgt. Die Stadt Stuttgart empfiehlt deshalb jetzt auch für Grundschüler, im Unterricht Maske zu tragen – freiwillig. Dies sei bei gesunden Kindern gesundheitlich unbedenklich.
„Die Erkenntnisse über Infektionen zeigen, dass Masken im Klassenzimmer ein sinnvoller Schutz sein können“, erklärte Sven Matis, ein Sprecher der Stadt Stuttgart. „Deswegen werden wir noch vor dem Start des Präsenzunterrichts die Schulen anschreiben und darüber informieren.“ Der Hintergrund für die Maßnahme sei auch die erhöhte Ansteckungsgefahr durch die zunehmende Zahl an Virusmutationen. So wurde seit Jahresbeginn laut Stadt an insgesamt 54 Schulen bei acht Lehrern, neun weiteren Erwachsenen und 59 Schülern eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt. An 13 dieser Schulen habe es Virusmutationen gegeben, drei Klassenstufen mussten in Quarantäne.
Bei Coronamutationen gelten verschärfte Quarantäneregeln
Tatsächlich gelten bei den ansteckenderen Coronamutationen auch veränderte Quarantäneregeln. So besteht hierbei laut Matis keine Möglichkeit der Freitestung, um die Quarantänezeit zu verkürzen. Und es müssen dann an den Grundschulen nicht nur Kontaktpersonen ersten Grades in Quarantäne, die direkt Kontakt mit Infizierten hatten, sondern auch ihre Haushaltsangehörigen. An weiterführenden Schulen gelte die Quarantäne allerdings nicht automatisch für die gesamte Klasse, sondern werde im Einzelfall ermittelt. In Grundschulen jedoch, wo die Schüler bisher keine Masken tragen, müsse dann die gesamte Klasse in Quarantäne.
Der Gesamtelternbeirat (GEB) der Stuttgarter Schulen begrüßt eine Maskenempfehlung für Grundschüler. „Wir sind uns im Vorstand einig, dass jetzt jeder umsetzbare und mögliche Schutz zählt – vor allem, wenn wir bedenken, dass ab Montag die Klassen ohne Abstandsregeln in der vollen Klassenstärke beschult werden“, erklärte Rana Recber, die stellvertretende Vorsitzende des Schulartenausschusses Grundschulen.
Ein Elternvertreter meinte: „Ich mache mir große Sorgen wegen der Schulöffnung ab Montag bei einer Inzidenz von 70 in Stuttgart und überhandnehmenden Mutationen. Ich habe richtiggehend Angst, da in unserer Familie keiner geimpft ist.“ Ein anderer Elternvertreter sprach von einem „Experiment zum Infektionsgeschehen auf Kosten aller Beteiligten an den Schulen“. Allerdings sehe man in der Elternschaft das Tragen von Masken im Unterricht gespalten. Es gebe keine klare Tendenz dafür oder dagegen, so Recber.
Der Gesamtelternbeirat ist wegen der vollen Klassen in Sorge
Und, so die Elternvertreterin weiter: „Wir können nicht nachvollziehen, dass ab Montag die Klassenstufen eins bis vier, eventuell auch fünf bis sechs, ohne Abstandsgebot in volle Klassen unter der aktuellen Situation zurückkehren.“
Darüber ist auch in der Landesregierung Streit entbrannt: Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) verweist auf die Coronaverordnung, die keinen zwingenden Abstand im Klassenzimmer vorsieht, Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) verlangt Abstand. Diese widersprüchlichen Aussagen haben auch bei Stuttgarter Schulleitern zu Irritationen und massiver Verärgerung geführt. Wie der „eingeschränkte Regelunterricht“ aussehen soll, wisse man noch nicht, teilte eine Stuttgarter Grundschule den Eltern mit und bat diese, die Kinder wegen des Lüftens warme Kleidung anziehen zu lassen. Und, so die Rektorin: „Wir unterstützen es, wenn sich Ihr Kind dazu entscheidet, die Maske freiwillig aufzusetzen.“
Seitens des Kultusministeriums sei eine Maskenpflicht für Grundschüler „aktuell nicht vorgesehen“, so ein Sprecher. Als Begründung verwies er auf zahlreiche nationale und internationale Studien, die belegten, dass Kinder bis zehn, zwölf oder gar 15 Jahren seltener mit dem Coronavirus infiziert und Schulen keine Treiber der Pandemie seien. Aber selbstverständlich, so der Sprecher, könnten die Schüler an Grundschulen freiwillig eine Maske im Unterricht tragen.