Auf dem sechs Hektar großen Areal der ehemaligen Frommannkaserne standen bis Sommer 2017 Gartenlauben. Fast fünf Jahre war das Gelände nun ungenutzt. Foto: Simon Granville

Auf der Brache am Südwesteingang nach Ludwigsburg sollen Ende des Jahres die Bagger anrollen. Was ist geplant? Und warum hat das so lange gedauert?

Wer regelmäßig von der Autobahn und vorbei an Mann+Hummel in Richtung Ludwigsburger Innenstadt fährt, der dürfte sich irgendwann gewundert haben, warum die riesige Fläche gegenüber der Zentrale des Filterherstellers so lange brach liegt. Und ob überhaupt noch einmal etwas mit ihr passiert. Hat die Stadt etwa keine Verwendung mehr dafür? Oder gab es nicht genügend Interessenten?

 

Das Gegenteil sei der Fall. „Wir hätten das Gebiet schon zwei- oder dreimal verkaufen können“, sagt Lars Frommer, stellvertretender Leiter der Wirtschaftsförderung. Nun hat man offenbar tatsächlich damit begonnen. Das Gewerbegebiet mit dem klingenden Namen „Waldäcker III“ zu entwickeln, hat sich deshalb hingezogen, weil die Stadt dort nicht einfach irgendwen ansiedeln wollte. Logistiker, bei denen die Fläche wegen der Nähe zur Autobahn beliebt gewesen wäre, habe man daher ausgeschlossen, so Frommer. Zu viel Lastwagenverkehr hätte die Planung, wie sie jetzt vom Bauausschuss (BA) beschlossen wurde, zunichte gemacht. Über den Entwurfsbeschluss entscheidet der Gemeinderat Ende April. Man habe nach „ertragsstarken Firmen gesucht, die neue Arbeitsplätze schaffen“, so Frommer. Außerdem sei man beim Bebauungsplan „stark auf die Belange der Firmen“ eingegangen. Baubürgermeisterin Andrea Schwarz spricht von einem „modernen, wegweisenden Gewerbegebiet“.

Das „Prunkstück“ des Geländes ist noch nicht verkauft

Gefunden haben die Wirtschaftsförderer geeignete Unternehmen in den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB), die auf einem der vier Grundstücke eine neue Energiezentrale errichten werden. Das Autohaus Hahn, das in der südwestlichen Ecke des Gebiets bereits seine Autos verkauft, wird sich in dem angrenzenden Teilstück vergrößern. Außerdem plant die Firma Goetze, für die der Standort in der Robert-Mayer-Straße zu klein geworden ist, ein Produktions- und Entwicklungszentrum.

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Im September sollen die Bagger anrücken, um das Gelände zu erschließen. Richtig gebaut wird vom Ende des Jahres an, vielleicht auch erst Anfang des nächsten Jahres. Zumindest von einer Firma ist jedoch zu hören, dass sie für ihre Aufträge noch überhaupt kein Angebot einer Baufirma erhalten hat. Das Prunkstück zur Schwieberdinger Straße hin ist bislang noch nicht verkauft. Frommer macht sich keine Sorgen, dass das noch passiert. Allerdings habe noch nicht das passende Angebot auf dem Tisch gelegen. Man orientiere sich bei der Vergabe am Umfeld und würde gern Firmen vom Kaliber Roche oder Hahn und Kolb, die dort bereits ansässig sind, nach Ludwigsburg locken.

Kleingärtner vertrieben – und Porsche kam doch nicht

Ursprünglich war auf dem Teil, der an Mann+Hummel grenzt, ein Hochhaus als besonderer Blickfang geplant. Weil sich bisher niemand fand, der in die Höhe bauen möchte, ist das als Symbol für das Industriegebiet geplante Gebäude vom Tisch. Zumindest vorerst. Gleiches gilt für eine Quartiersgarage, auf die sich die Firmen offenbar nicht einigen konnten. Andreas Rothacker (Freie Wähler), Margit Liepins (SPD) und Jochen Eisele (FDP) bedauerten die geplatzte Einigung im BA. „Die Garage hätten auch die umliegenden Betriebe und Anwohner nutzen können“, sagte Eisele. Ansonsten scheinen die Gemeinderäte vor allem froh darüber zu sein, dass es endlich vorangeht mit dem Projekt und die Stadt mit einem Plus bei den Gewerbesteuern rechnen kann. Rothacker und Liepins kritisierten, dass man Interessenten in den vergangenen Jahren teils vergrault habe. Immerhin platzte 2017 der Deal mit dem Wunschpartner – die Firma Porsche Logistics –, weil der Gemeinderat gegen eine Ansiedlung stimmte. Die Argumente damals waren dieselben, die jetzt auch die Verwaltung vorbringt. Logistik, hieß es, das bringt nur viel Verkehr.

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Harsche Kritik übte Christine Knoß von den Grünen. 150 Bäume seien auf dem Gelände gefällt worden, davon habe nicht einmal der Gemeinderat erfahren. Zudem seien mehrere Teiche einfach trocken gelegt worden, in denen Molche zuhause waren. „Was wir da gemacht haben, ist wirklich schlimm“, sagte Knoß. Damit spielte sie indirekt darauf an, dass die dort ansässigen Kleingärtner – insgesamt gab es 152 Parzellen auf dem rund sechs Hektar großen Areal – im Sommer vor fünf Jahren ihre Lauben hatten abbrechen müssen. Sie wurden auf den Römerhügel umgesiedelt, viele Ältere unter ihnen gaben das Hobby, das sie über Jahrzehnte betrieben hatten, auch einfach auf. Zwar hatte die drohende Räumung des Geländes der ehemaligen Frommannkaserne bereits seit 2011 über den Laubenpiepern geschwebt. Wie sich im Nachhinein zeigte, war die Eile, mit der die Aktion sechs Jahre später dann vorangetrieben wurde, gar nicht nötig.

Viel Grün und auch weniger Verkehr auf der Schwieberdinger Straße?

Das neue Industriegebiet soll einmal von einem grünen Ring umgeben sein. Dass auch wirklich viele Bäume und Pflanzen gesetzt werden, darauf pochte neben Knoß auch Wilfried Link (CDU). Margit Liepins hegt die Hoffnung, dass die Stadt nun nicht mehr so lange braucht, um das nächste Gewerbegebiet auszuweisen. Viel zu verteilen gibt es allerdings nicht mehr. Lediglich das Gebiet Hintere Halden hat die Stadt noch in petto. Es ist allerdings deutlich kleiner als Waldäcker III.

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