Das neue Industrial PhD-Programm am Herman Hollerith Zentrum in Böblingen verspricht eine Win-win-Situation für Forscher und Firmen.
Am Herman Hollerith Zentrum (HHZ) in Böblingen, dem Lehr- und Forschungszentrum für Informatik der Hochschule Reutlingen, ist die erste Kohorte des neuen Industrial PhD-Programms zum Wintersemester 2025/2026 gestartet. Sechs Doktorandinnen und Doktoranden haben ein Promotionsverfahren am HHZ aufgenommen. Das Programm verbindet akademische Exzellenz mit unternehmerischer Praxis und schlägt eine Brücke zwischen Forschung und Wirtschaft. Ziel ist es, Promotionen nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern auch unmittelbar anwendbar zu gestalten – mit klarer Relevanz für Unternehmen und messbarem Nutzen für die Wirtschaft.
Warum ein Industrial PhD?
Traditionelle Promotionen sind häufig theoretisch geprägt. Für Unternehmen ist der praktische Nutzen wissenschaftlicher Arbeiten nicht immer klar erkennbar, während Forschenden der Zugang zu realen Daten und Anwendungsfeldern fehlt. Das Industrial PhD-Programm setzt genau hier an. Die neuen Doktorandinnen und Doktoranden forschen an konkreten Praxisproblemen und setzen realen Daten aus Partnerunternehmen ein. Dabei werden nutzbare Prototypen entwickelt, die wissenschaftliche Konzepte direkt mit der Anwendung in der Unternehmenspraxis verbinden.
Der Austausch mit Partnerunternehmen verkürzt die Zeit bis zur Themenfindung und sorgt dafür, dass Ergebnisse direkt in die Unternehmenspraxis einfließen. Für Unternehmen bedeutet das Forschung mit echtem Mehrwert, die Innovationen beschleunigt und Wettbewerbsvorteile schafft. Für die Doktorandinnen und Doktoranden eröffnet sich die Chance, ihre wissenschaftliche Arbeit mit realen Herausforderungen zu verknüpfen und dadurch eine Karriereperspektive zu entwickeln.
Die erste Kohorte arbeitet gemeinsam mit renommierten Unternehmenspartnern wie Deloitte, Experian und dem Flughafen Stuttgart an Projekten, die aktuelle Herausforderungen der digitalen Transformation adressieren. So beziehen sich die Fragestellungen der Forschenden beispielsweise auf die Nutzung von Ansätzen der Künstlichen Intelligenz zur Förderung von Cyber Security, die Bewertung der vorhandenen IT-Infrastruktur bei Restrukturierungsprojekten oder die Implementierung dynamischer Preismodelle in Online Shops. Die Doktorandinnen und Doktoranden profitieren von einer engen Betreuung durch Wissenschaft und Wirtschaft, regelmäßigen Workshops und einem internationalen Netzwerk.
Internationale Kooperationen
Neben den Industriepartnern kooperiert das HHZ mit Universitäten wie der Universität St. Gallen, der Aalto University und der Wolverhampton University. Diese internationale Vernetzung stärkt die wissenschaftliche Qualität und eröffnet den Doktorandinnen und Doktoranden Zugang zu einem globalen Forschungsnetzwerk. Austauschprogramme, gemeinsame Publikationen und internationale Konferenzen sind fester Bestandteil des Programms.
Das Industrial PhD-Programm verspricht einen Gewinn für beide Seiten: Firmen erhalten Zugang zu hochqualifizierten Nachwuchskräften und können Forschungsergebnisse direkt in ihre Prozesse integrieren. Gleichzeitig fördert die Verzahnung Innovationen, digitale Sicherheit und nachhaltige Geschäftsmodelle.
„Wir denken Promotionen neu: praxisnah, international vernetzt und zukunftsorientiert. So entstehen Ergebnisse, die Innovationen beschleunigen und echten Mehrwert für Wirtschaft und Wissenschaft schaffen“, erklärt Alexander Rossmann, der Leiter des Herman Hollerith Zentrum in Böblingen.