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Mit Michael A. Roth verliert die Fußball- Bundesliga nicht nur ihren dienstältesten Präsidenten, sondern auch eine ihrer schillerndsten Persönlichkeiten.

Nürnberg - Mit Michael A. Roth verliert die Fußball- Bundesliga nicht nur ihren dienstältesten Präsidenten, sondern auch eine ihrer schillerndsten Persönlichkeiten. Lange galt der kleine Teppich-Unternehmer als einer der letzten Patriarchen im deutschen Profi-Fußball.

Sein Führungsstil wurde wiederholt als autoritär, seine Wortwahl als derb empfunden. "Sehr ehrlich, sehr korrekt, sehr geradlinig. Er macht um seine Aussagen eben kein Schleifchen drum", beschrieb der frühere "Club"-Trainer Wolfgang Wolf einmal seinen Vorgesetzten - um dann wie so viele andere Trainer von Roth den Laufpass zu erhalten. "Ich habe meinen Stil und den kann ich nicht verändern", blickte Roth auf fast zwei Jahrzehnte beim "Club" zurück.

Roths Ära beim "Club" begann im Februar 1979, als er sich auf einer turbulenten Mitgliederversammlung beim Altmeister gegen den bisherigen Präsidenten Waldemar Zeitelhack durchgesetzt. Es folgten zwei Amtszeiten mit insgesamt fast zwei Jahrzehnten an der Spitze des Traditionsclubs. Dabei bewahrte der 1,63 kleine Teppich-Unternehmer seinen Herzensverein mit großem Einsatz wiederholt vor dem finanziellen Absturz. "Der Kampf ist härter geworden, der Wettbewerb schärfer. Man ist überall unter Druck", beschrieb Roth einmal sein Leben zwischen Fußball und Wirtschaft.

Seinen größten sportlichen Triumph konnte Roth vor zwei Jahren feiern. Unter Trainer Hans Meyer schaffte der "Club" im Mai 2007 mit dem unerwarteten Einzug in den UEFA-Cup nicht nur die Rückkehr auf die europäische Fußball-Bühne, sondern machte mit dem DFB-Pokalsieg den größten Erfolg seit fast 40 Jahren perfekt. "Ich habe so etwas noch nie erlebt", freute sich Roth nach dem Coup, der ganz Fußball- Franken in Euphorie versetzte. ""Das ist für den Verein und die ganze Region ganz wichtig, dass wir endlich wieder auferstanden sind aus den schweren und schlechten Zeiten." Die Ernüchterung beim "Fahrstuhl-Club" kam schnell: Als amtierender Pokalsieger ging es für Nürnberg ein Jahr später wieder in die Zweitklassigkeit.

Vor allem bei Fußball-Lehrern war Roth lange Zeit gefürchtet, der sich vor allem in seiner ersten Amtszeit von 1979 bis 1983 den unschönen Beinamen "Trainer-Killer" verdiente. Gleich neun Trainern gab er damals den Laufpass. "Wenn man keine große Auswahl hat, kommt es eben öfters vor, dass man daneben greift", erklärte der Präsident. Auch seine Kicker hatten zuweilen wenig zu lachen: Nach einer Pleite geriet Roth einmal derart in Rage, dass er seinen Profis mit der Kugel drohte.

In den vergangenen Jahren wurde Roth geduldiger und gelassener. "Gott sei Dank habe ich es ablegen können, nicht drei Tage sauer zu sein, wenn der Club mal nicht gewonnen hat." Zuletzt konnte er aber wieder jubeln: Mit Trainer-Neuling Michael Oenning schaffte Nürnberg die ersehnte Rückkehr ins die deutsche Eliteliga. "Mit dem Aufstieg habe ich das mir selbst vorgegebene Ziel erreicht", begründete Roth seinen Rücktritt.

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