Die Gartenkolumne geht es heute um einen naturnahen Garten. Foto: Barbara Bross-Winkler

Heute geht es um einen naturnahen Garten der Leonberger BUND-Gründerin Beate Junker.

In Beate Junkers Garten darf alles wachsen. Odermennig, Akelei und Schafgarbe, Breitwegerich, echtes Labkraut und Luzerne auf der Wiese unterm Apfelbäumchen, Phlox, Elfenblume und wildes Johanniskraut entlang des Gartenwegs, Walderdbeeren, Sedum und Stinkender Storchschnabel auf dem Garagendach. Fast überall im Garten ist das gelb blühende Pfennigkraut zu sehen, das Beate Junker besonders liebt. „Ich bin Biologin und freue mich über jedes Pflänzchen, das wächst, weil ich die Vielfalt liebe“, erklärt die Leonberger BUND-Gründerin ihr Gartenmotto. Sie schneidet lediglich jene Pflanzen immer wieder herunter, die sonst zu groß würden und die anderen verdrängten, wie etwa den überall aufgehenden Feldahorn oder die Zierkirschen.

Wer die 84-Jährige schon länger kennt, würde sich auch wundern, wenn in ihrem Garten solche Prachtstauden wie Rittersporn und Dahlien, Edelrosen wie die blutrote Baccara oder die Geheimrat Duisberg oder gar wildfremde, wenn auch wunderschöne Exoten wie die Bougainvillea wachsen und gedeihen würden. Denn die 84-Jährige, die Biologie, Chemie und Geografie studiert hat, hat nicht ohne Grund 2006 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland überreicht bekommen: Gut 30 Jahre lang hatte sie sich seinerzeit schon in Leonberg für ihre Umwelt eingesetzt, hat die Bezirksgruppe Leonberg des BUND gegründet, war Mitglied des Umweltrates der evangelischen Kirche, Mitbegründerin des Umweltrates von Leonberg, wo sie zudem zehn Jahre lang als Stadträtin aktiv war. Mit anderen Worten: Beate Junker hatte schon Augen für die Umwelt und ihre Probleme, als mancher das Wort „Ökologie“ kaum buchstabieren konnte.

Beate Junker lässt ihren Garten gern wachsen, so dass er jedes Jahr ein wenig anders aussieht. Das hat nicht ausschließlich ökologische Gründe, denn sie behauptet von sich, sie schaffe „gar nicht so wahnsinnig gern im Garten“. Lieber liegt sie statt umzugraben in der zwischen einem alten Baumstumpf und der Birke aufgespannten Hängematte und lässt Seele und Beine baumeln. Schließlich, sagt sie augenzwinkernd, sei sie auch die Chefin im Garten und ihr Mann arbeite „nur auf meine Anweisungen“. So ist er auch derjenige, der die Schnecken vom Frühbeet absammeln darf, während sie dann, immerhin, jenen Teil dabei erledigt, der niemandem Freude macht.

Umso mehr Freude macht derzeit der Leonbergerin und ihrem Mann die seitlich vom Haus angelegte Blumenwiese. Hier hat Beate Junker eine von einem Mössinger Samenhändler zusammengestellte Wildblumenmischung ausgestreut, die umwerfend schön blüht: Ringelblume und Wilde Karde, zarter Borretsch und tiefblaue Kornblumen, winzige Glockenblumen und diverse Kreuzblütler sind hier aufgegangen, dazu viele unbekannte Schönheiten, deren Name nicht einmal der Biologin geläufig sind. Nur eines bedauert sie an der diesjährigen Mischung: „Die Wiese ist eine echte Augenweide“, findet sie, „aber leider keine wirkliche Bienenweide.“ Vielleicht lässt sich da für 2013 eine Lösung finden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: