Helga Schubert, die einst in der DDR lebte, schrieb auf besondere Weise von Widerstand und der Sehnsucht nach Freiheit. Dafür wird sie jetzt gewürdigt.
Die Schriftstellerin Helga Schubert wird am 8. November die diesjährige Schillerrede halten. Das gibt das Deutsche Literaturarchiv in Marbach bekannt. Dass die Wahl auf die 86-Jährige gefallen ist, wird in einer Mitteilung damit begründet, dass Schubert es als nüchterne Chronistin des ostdeutschen Alltags auf einzigartige Weise versteht, von Widerstand und der Sehnsucht nach Freiheit, von Macht und Ohnmacht zu erzählen.
„Ihre Texte machen präzise, anschaulich und mit versöhnlichem Gestus eine heute versunkene Welt in Einzelschicksalen lebendig, beziehen aber auch zu Gegenwartsthemen kompromisslos Stellung“, so die Begründung weiter.
Helga Schubert wurde 1940 in Berlin geboren. Nach dem Abitur arbeitete sie als Montiererin am Band. Danach studierte sie Psychologie. Von 1963 war sie zuerst als klinische Psychologin, 1973 bis 1977 im Bereich der Psychotherapieforschung und bis 1987 in der Erwachsenenpsychotherapie tätig.
Von der Stasi als „feindlich-negativ“ betrachtet
Ab 1960 schrieb sie erste literarische Texte, zunächst Lyrik, dann Kurzprosa. Seit 1977 arbeitete sie in der DDR als freie Schriftstellerin. 1975 erschien ihr Erzähldebüt „Lauter Leben“. Seit 1975 wurde sie von der Stasi als „feindlich-negativ“ betrachtet und bis 1989 beobachtet.
1990 veröffentlichte sie das Buch „Judasfrauen“ mit Fallgeschichten von Denunziantinnen im Dritten Reich. Zuletzt erschien ihr Buch „Luft zum Leben“ (2025), eine neue Sammlung von Texten aus 60 Jahren. 1989 und 1990 bereitete sie als parteilose Pressesprecherin des Zentralen Runden Tisches in Ostberlin die ersten freien Wahlen vor.
Einst keine Reisegenehmigung zur Preisverleihung
Helga Schubert wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Heinrich-Mann-Preis (1986) und dem Hans-Fallada-Preis (1993). Nachdem sie fast 20 Jahre nicht publiziert hatte, erhielt sie 2020 den Ingeborg-Bachmann-Preis für ihren Text „Vom Aufstehen“ – als älteste Teilnehmerin, die je am Wettbewerb teilnahm. Bereits 1980 war sie nach Klagenfurt eingeladen worden, erhielt aber von den DDR-Behörden keine Reisegenehmigung.
Mit der traditionellen Schillerrede wird jährlich an den Geburtstag Friedrich Schillers erinnert. Helga Schubert folgt unter anderem auf Christian Drosten, Cem Özdemir, Jan Philipp Reemtsma und Richard von Weizsäcker.