Aufgenommen vor der Corona-Krise: Volles Haus im Kursraum in Kirchberg: Die stolzen Eltern und ihre Kids nehmen viermal an der gemeinsamen Babymassage von Kirstin Moede (hinten links) teil. Foto: Werner Kuhnle

Die Babymassage ist für Kinder wie Eltern eine besondere Erfahrung – und stärkt ihre Bindung zueinander. Der Kurs von Kirstin Moede hat auch einen wichtigen sozialen Aspekt.

Kirchberg - Auge, Auge, Nase, Mund – mein Gesicht ist kugelrund. Arme hab’ ich, Beine auch, und dazwischen ist der Bauch.“ Wenn frisch gebackene Eltern diesen Reim immer am Montagmorgen gemeinsam aufsagen und dabei ihren Babys über die genannte Körperstelle streichen, ist das der Startschuss für einen besonderen Kurs. Für die wenige Wochen alten Babys genauso wie für ihre Eltern. Denn dann beginnt in den Räumlichkeiten der Hebamme Kirstin Moede in Kirchberg die Babymassage.

Zwölf Babys sind diesmal mit dabei – entsprechend lebhaft und energiegeladen geht es trotz der ruhigen Hintergrundmusik zu. „Es kann laut werden“, heißt die mit einem Augenzwinkern ausgesprochene Warnung, wenn man als Reporter den Raum betritt. Klar, der Lautstärkepegel ist hoch – das stört aber freilich niemand. Im Gegenteil. „Es ist eben nicht Felix’ Uhrzeit“, sagt Kirstin Moede lachend, als der kleine Bub zu meckern beginnt. Wer möchte es ihm am Montagmorgen verdenken. Die kleine Elena hingegen nuckelt tiefenentspannt an ihrem Schnuller, auch Alina liegt ruhig auf dem Rücken und verfolgt mit großen Augen, wie ihre Mama sie berührt. Zumindest, bis ein Schluckauf diesen Ablauf unterbricht.

Die Babys, in Windeln gekleidet, liegen während der Massagen auf Matten, ihre Mütter knien neben ihnen – und werden von Kirstin Moede, die eine Puppe zur Hand hat, angeleitet. Mal wandern die Finger der Mütter in fließenden Bewegungen und auch in gegensätzlicher Richtung von Schulter zur Leiste diagonal über den Bauch des Babys, was dessen Gehirnmotorik schult. Mal wenden die Teilnehmer eine Fußreflexzonen-Massage an, die die Verdauung stärkt. Mal werden Füße und Arme zusammengeführt, mal die Arme über der Brust verschränkt, was die Koordination schult. Mal wird mit Druck über die Handflächen gestrichen, mal das Handgelenk gekreist. Und mal werden die Beine mit leichtem Druck übereinander gekreuzt – damit die Kleinen besser pupsen können.

Schon der letzte Punkt zeigt: Es geht heiter zu in der Runde aus Frauen – und einem Mann. Einziger männlicher Vertreter ist Adrian Wilhelm, der als Verstärkung für seine Ehefrau Verena mitgekommen ist – haben die beiden mit Paula und Frieda doch Zwillinge bekommen. Da wird jede freie Hand benötigt.

In der Runde wird viel gelacht, vor allem die Reaktionen der Kleinen werden genauestens studiert. Laura schläft fast ein, als ihre Füße gekreist werden. Elena will sich trotz einfühlsamer Bauchmassage unbedingt wieder auf den Bauch drehen. Und Felix meldet sich erneut lautstark, als ihm ein blaues Tuch ganz langsam über den gesamten Körper gestrichen wird. An der Farbe scheint’s nicht zu liegen: Auch beim roten Tuch gibt’s Protest. Wieder ein anderes Kind macht zwischendrin klar: Es möchte gestillt werden. Der Wunsch wird erhört.

Bei all dem Trubel wirkt die Massage auf die Kinder, so der Eindruck, aber dennoch vor allem entspannend und beruhigend. Von einem Treffen zum anderen werde es auch immer ruhiger, sagt Kirstin Moede, die die Bedeutung einer Babymassage hervorhebt. „Die Haut ist das größte Sinnesorgan“, sagt die Kirchbergerin. Die Massage schule die Entwicklung und Motorik des Kindes, dazu fördere sie die Verdauung und die emotionale Bindung zu den Eltern – und sorge dafür, dass ordentlich Glückshormone ausströmen. Vor allem ab dem vierten Monat sei die Massage sinnvoll, sind die Babys dann doch wacher und nehmen generell mehr wahr, erklärt die Hebamme.

Der Kurs für Babymassagen ist für die Mütter ein freiwilliger Bestandteil der Rückbildung und Betreuung nach der Geburt. Jede Gruppe trifft sich viermal. Das Einzugsgebiet reicht von Benningen und Marbach bis weit in den Rems-Murr-Kreis. Für die jungen Frauen ist das Treffen auch eine gute Gelegenheit, sich über die Erfahrungen in ihren teils neuen Lebenssituationen auszutauschen. Sämtliche Themen werden offen angesprochen, ob es das Stillen, das Windelwechseln oder das Impfen ist. Hemmungen gibt es auch deshalb keine, weil sich die Teilnehmerinnen bereits aus gemeinsamen Geburtsvorbereitungskursen kennen. Der Massagekurs ist also quasi ein großes Wiedersehen – diesmal eben mit Nachwuchs. Für die jungen Mütter, die nun im Alltag viel mit ihrem Baby alleine sind, sind das wichtige soziale Kontakte. Und Kirstin Moede, die seit mehr als 20 Jahren Hebamme ist, hat für die frisch gebackenen Eltern sowieso viele, viele Tipps parat.

Zurück zur Massage, die sich langsam ihrem Ende nähert: Nach Bauch, Rücken und den Gliedmaßen ist als Letztes das Gesicht an der Reihe. Dass es dabei langsam aber sicher lauter wird, ist keine Überraschung – lässt doch nach 20 Minuten die Aufmerksamkeit von Babys in diesem jungen Alter nach. Dann ist stattdessen Unterhaltung gefordert, weshalb die Mütter ihre Kids nach und nach auf den Arm nehmen. Zum Abschluss wird schließlich noch gekuschelt. Die Kleinen werden dafür in flauschig weiche Handtücher gehüllt, nur das Gesicht guckt heraus. Für die Kleinen ein weiterer Moment des Genießens – bevor es für sie dann nach dem einen oder anderen Schwätzchen der Eltern, und nachdem sie gewogen wurden, im Maxi-Cosi wieder nach Hause geht. Wo sie im besten Falle ebenfalls hin und wieder massiert werden. „Das alles sind schließlich Anregungen für zuhause“, sagt Kirstin Moede – und gerade die Kinder bräuchten Rituale dieser Art.

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