Mitarbeiter der Stadt sollen mehr regionale Produkte essen. Foto: dpa

Größere Frische und mehr Qualität – Personalrat lehnt höhere Preise in städtischen Kantinen jedoch ab.

Stuttgart - Für die CDU im Rathaus ist der Fall klar: Kämen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt mehr regionale Produkte auf den Tisch, wäre das für sie nur von Vorteil. Die Stadträte versprechen sich davon größere Frische und mehr Qualität.

Beim städtischen Haupt- und Personalamt sowie beim zuständigen Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle (Grüne) rennen sie damit offene Türen ein. Neben Obst und Gemüse, Brot und Eiern sowie Fleisch und Wurstwaren aus dem Land könnten künftig auch Molkereiprodukte aus Hohenlohe, Fleisch von der Schwäbisch-Hällischen Erzeugergemeinschaft, Nudeln und Hülsenfrüchte von der Alb eingekauft werden, heißt es in einer Mitteilungsvorlage, die am 20. Juni diskutiert werden soll. Dann wird es um den Ausstieg aus dem Einkaufsverbund des städtischen Klinikums gehen, dem sich die städtischen Betriebsrestaurants im Jahr 2008 angeschlossen haben. Seither werden sie von einem Großhändler in Bochum beliefert.

Mehr regionale Produkte würden auch mehr Aufwand bedeuten – dabei mussten sich die Köche der Betriebsrestaurants ohnehin schon mehr und mehr zur Decke strecken. Die Preise für manche Lebensmittel sind nämlich gestiegen, das Einkaufsbudget für die rund 265.000 Essen pro Jahr ist aber seit Jahren bei 367.000 Euro geblieben. Das sind rund 1,40 Euro Materialwert pro Menü. Pro Essen sind aber schon heute 1,58 Euro notwendig. So kämpft die Verwaltung seit Jahren mit einem jährlichen Defizit von 47 547 Euro, das aus anderen Haushaltstöpfen finanziert werden muss.

Um mehr regionale Produkte einkaufen zu können, müssten pro Jahr weitere 47 250 Euro zur Verfügung stehen. Allein dies, hat die Verwaltung errechnet, würde eine Erhöhung des Menüpreises von derzeit drei Euro um 18 Cent erforderlich machen. Um auch das Defizit aus dem richtigen Haushaltstopf bezahlen zu können, müssten insgesamt etwa 36 Cent mehr verlangt werden. Doch daran ist zurzeit nicht zu denken.

Seit Jahren gebe es eine Regelung mit dem Gesamtpersonalrat und der Verwaltung, dass der sogenannte Sachbezugswert für das Essen, der momentan bei 2,87 Euro liege, um maximal fünf Cent übertroffen werden dürfe, erklärte die Verwaltung. Mit drei Euro für das Regelmenü liegt man sogar schon ein wenig drüber. Der Personalrat lehne es ab, dass die Essensgäste in den beiden wichtigen Betriebsrestaurants in der Eberhardstraße und im Rathaus sowie in einigen kleineren Kantinen für mehr regionale Produkte weiter ins Portemonnaie greifen, berichtet Wölfle in der Vorlage. Die Personalvertretung sei der Meinung, dass die Stadt die Subvention erhöhen müsse, sagen Beobachter im Rathaus. Das Gremium selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Aber gleich nach den Pfingstferien wird das Thema unweigerlich alle einholen. Dann soll der Verwaltungsausschuss über die Mitteilungsvorlage diskutieren, für die am 23. Mai keine Zeit mehr gewesen war.

„Unsere Linie ist, dass 18 Cent mehr für ein noch besseres Essen vertretbar und dem Personal zumutbar sind“, sagen die CDU-Stadträte Alexander Kotz und Jürgen Sauer. Wölfle hätte nichts dagegen, wenn ihm der Ausschuss den Auftrag geben würde, mit dem Personalrat zu verhandeln. Damit das Defizit nicht oder zumindest nicht ganz auf den Essenspreis umgelegt werden muss, will er wieder in seinem Zuständigkeitsbereich nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen.

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