In Herrenberg wird es künftig doch keine 24/7-Notaufnahme geben. Außerhalb der Kernzeiten bleiben Patienten dann digitale Angebote und der Rettungsdienst.
Ein weiterer Paukenschlag für die medizinische Landschaft in Herrenberg: Die geplante 24/7-Notaufnahme am Standort Herrenberg wird im Rahmen der Medizinkonzeption doch nicht umgesetzt. Mit der Schließung der Bereitschaftspraxis Ende November, die die Kassenärztliche Vereinigung zu verantworten hat, wird es in Herrenberg abends und wochenends in Zukunft also keinen medizinischen Anlaufpunkt mehr vor Ort geben. Stattdessen soll auf die Stärkung der Rettungsdienste gesetzt werden.
Grund für die Entscheidung gegen die Notaufnahme, die der Aufsichtsrat des Klinikverbunds Südwest (KVSW) tags zuvor in einer Sitzung beschlossen hat, seien neue Vorgaben, erklären Landrat Roland Bernhard und der Geschäftsführer des KVSW, Alexander Schmidtke, in einem Pressegespräch. Erstens würden Fachkräfte fehlen, um einen Rundumbetrieb aufrechterhalten zu können. Zweitens gebe es neue Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Notfallversorgung. Vor zwei Jahren bestand noch die Möglichkeit, auch außerhalb dieser Vorgaben eine Notfallversorgung aufrechtzuerhalten. Dies ist nun nicht mehr möglich. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen hätten sich verschärft, weshalb die Vorgaben restriktiver geworden seien, erklärt Alexander Schmidtke. In der Folge könne ein Rundumbetrieb in Herrenberg nicht mehr gewährleistet werden. Kurz: Die Qualitätsansprüche haben sich erhöht und können in dieser Form in Herrenberg nicht mehr erfüllt werden. Auch in der Palliativversorgung werden die Pläne angepasst: Statt geplanten 20 Betten, bleibt der Status quo mit bis zu sechs Betten erhalten.
Keine Bereitschaftspraxis mehr, keine Notfallaufnahme
Besonders hart trifft diese Nachricht die Gäustadt, weil auch die Bereitschaftspraxis, die an der Herrenberger Klinik angesiedelt war, am 30. November ihre Tore schließt. Ein Vorgang, den der Landrat und Geschäftsführer Schmidtke scharf kritisieren. „Die Kassenärztliche Vereinigung stiehlt sich hier aus der Verantwortung“, sagt Roland Bernhard. Es sei eine Legende, dass sich die Schließung der Bereitschaftspraxen nicht auf die umliegenden Notaufnahmen auswirke. In Nagold würden durchaus mehr Patienten ankommen, weiß Alexander Schmidtke. Eine weitere Belastung für den Klinikverbund.
Auffangen wollen die Verantwortlichen den Wegfall der Versorgung außerhalb der Kernzeiten mit der Stärkung des Rettungsdienstes – beispielsweise solle ein weiterer Rettungswagen zur Verfügung gestellt werden, erklärt der Landrat. Zusätzlich sollen auch digitale Angebote ausgebaut werden: Telemedizin und Künstliche Intelligenz sollen den medizinischen Alltag erleichtern, erklärt Alexander Schmidtke.
Ab Mai 2026 werden die Planungen, die am Standort Herrenberg vorgesehen sind, schrittweise umgesetzt. Laut der Medizinkonzeption 2030 entsteht in Herrenberg ein integriertes Gesundheitszentrum mit einer stationären Basisversorgung mit 40 Betten sowie Kurzzeitpflege und geriatrischer Rehabilitation, die beide von externen Trägern übernommen werden sollen. Eine Ambulante Versorgung mit – unter anderem – Hausarzt, Chirurgie, Gynäkologie und Hebammenpraxis ist ebenfalls geplant. Startschuss wird der Umzug der Geburtshilfe nach Nagold im nächsten Jahr sein.
Mitte Dezember werden die neuen Pläne den Kreistagen in Böblingen und Calw vorgelegt.