Liedermacher Jonny Götze ist in Freiberg am Neckar aufgewachsen. Foto: privat/Jonny Götze

Musiker Jonny Götze ist in Freiberg am Neckar (Kreis Ludwigsburg) aufgewachsen und hat viele Veränderungen gewagt. Vor seinem Heimatbesuch erzählt er, was ihn an- und umtreibt.

Würde man einen Roman über das Leben von Jonny Götze schreiben, würden die Leser die Geschichte vermutlich als unglaubwürdig abtun. Die Vita des Liedermachers, der in Freiberg am Neckar aufgewachsen ist, klingt ein wenig verrückt. Doch so zufällig und zusammenhanglos, wie sein bisheriger Lebensweg zunächst wirken mag, ist er tatsächlich nicht. Wie es dazu gekommen ist, erklärt der 63-Jährige vor seinem anstehenden Heimatbesuch.

 

Als Sohn eines Baptisten-Pastors wurde er im Jahr 1962 in Essen geboren und kam als Sechsjähriger mit seiner Familie in die Region Stuttgart, weil sein Vater eine Anstellung in Zuffenhausen fand. Mit acht Jahren zogen sie nach Freiberg. „Dort habe ich meine Kindheit und meine gesamte Teenagerzeit verbracht“, erklärt Jonny Götze, der mit bürgerlichem Namen Johannes Götze heißt.

Früher Verlust war prägend

Ein Schicksalsschlag traf die Familie, als er 15 Jahre alt war: der frühe Tod seines Vaters. Seine Familie hat ihn sehr geprägt. „Ich war durch sie schon immer ein sozialer Mensch“, sagt Götze. Den beruflichen Weg seines Vaters schlug er nach der Mittleren Reife, die er auf dem Römerhügel in Ludwigsburg ablegte, zwar nicht ein. Aber er entschied sich für eine Ausbildung zum Krankenpfleger. In den Kliniken in der Barockstadt und in Marbach arbeitete er im Anschluss als Fachkrankenpfleger in der Anästhesie und Intensivmedizin. Dann nahm sein Leben erneut eine Wendung.

„Die Arbeit in den Kliniken war in Ordnung, aber ich konnte dort nicht alle meine Talente ausleben“, sagt der 63-Jährige. Seine zweite Frau ermutigte ihn in den 1980er-Jahren, sich bei regionalen Sendern zu bewerben. Bereits im Ludwigsburger Krankenhaus hatte er sich am Programm eines kleinen Radiosenders beteiligt. „So bin ich langsam in die Medienbranche gewechselt“, erklärt Götze.

Beachtlicher Aufstieg beim Radio

In den folgenden Jahren legte er eine imposante Karriere beim Radio hin. Erst war er nur im Hintergrund tätig, dann stieg er zum Redakteur und zum Moderator auf. Schließlich war er sogar als Programmchef tätig, zuletzt beim Berliner Rundfunk. Seine beruflichen Wechsel brachten mehrere Umzüge mit sich: nach Nordrhein-Westfalen, Österreich, Bayern und schließlich Berlin.

Doch eine Sehnsucht blieb über all die Jahre: seine Musik stärker in den Vordergrund zu stellen. Schon als Kind und Jugendlicher hatte er gelernt, Klavier und Gitarre zu spielen. In seiner Zeit in Ludwigsburg war er außerdem als 18-Jähriger Mitglied einer Band. Im Krankenhaus hatte er kleine Auftritte vor Kollegen und Patienten. „Die Musik war immer ein Teil von mir“, betont Götze. Sie half ihm, schwierige Zeiten wie den frühen Verlust des Vaters zu verarbeiten und seine Gefühle auszudrücken. Und dennoch: Rund um seinen 50. Geburtstag wurde der Wunsch stark, seine musikalischen Ambitionen mehr zu verfolgen.

Wieder wagte Götze, Vater von inzwischen vier erwachsenen Kindern und in zweiter Ehe verheiratet, eine Veränderung. Dabei schlug er zwei Richtungen ein. Einerseits machte er sich als Berater und Coach selbstständig, der sich auf Führungskräfte in der Gesundheits- und Medienbranche spezialisiert hat. „Hier schließt sich der Kreis“, sagt Götze mit Blick auf seine früheren beruflichen Stationen. Anderseits widmet er sich seither intensiv seiner Arbeit als deutscher Liedermacher. So war er bereits mehrfach als Gastkünstler bei Kreuzfahrten an Bord und gibt bundesweit kleinere und größere Konzerte.

Zwei Punkte sind für seine Musik charakteristisch, sagt Jonny Götze. Zum einen verweigert er sich nach wie vor dem Notenlernen. Zum anderen legt er viel Wert auf seine eigenen Stücke. Falls er doch einmal einen Coversong in sein Programm einbaut, dann nur in seiner eigenen Interpretation, betont er. Die deutschsprachigen Texte sollen die Menschen zum Lächeln bringen und emotional erreichen. „Ich möchte mit meiner Musik die Seele der Zuhörer berühren“, sagt Jonny Götze.

Gastspiel Mitte April geplant

Der Stadt Freiberg fühlt sich der Wahlberliner auch heute noch sehr nahe. Damit sind für ihn viele Emotionen und Erinnerungen verbunden. Er ist mehrfach im Jahr zu Gast, manchmal um Familienmitglieder zu besuchen, manchmal aus dienstlichen Gründen. Jedes Mal kommen heimatliche Gefühle auf. „Wenn ich in Freiberg oder Ludwigsburg unterwegs bin, laufe ich durch meine Vergangenheit“, sagt Götze.

Sein nächster Besuch wird ein besonderer. Erstmals will er in der evangelischen Kirche Simon und Judas im Freiberger Stadtteil Heutingsheim auftreten. Bei dem Konzert am Sonntag, 19. April, spielt er ab 18 Uhr Titel aus seinem aktuellen Album „Jetzt“. Der Eintritt ist frei. Es wird jedoch um Spenden gebeten.