In Fellbach Radikalkur bei Sparkassen-Tochter

Von Rolf Obertreis 

Bis 2014 werden sechs der neun Standorte beim Sparkassen-IT-Dienstleister Finanz Informatik (FI) geschlossen, einen Stellenabbau soll es aber nicht geben. Foto: dpa
Bis 2014 werden sechs der neun Standorte beim Sparkassen-IT-Dienstleister Finanz Informatik (FI) geschlossen, einen Stellenabbau soll es aber nicht geben. Foto: dpa

IT-Dienstleister Finanz Informatik künftig nur noch mit drei Standorten – Fellbach wird geschlossen.

Frankfurt - Der angekündigte Sparkurs beim Sparkassen-IT-Dienstleister Finanz Informatik (FI) ist beschlossene Sache: Bis 2014 werden sechs der neun Standorte geschlossen, einen Stellenabbau soll es aber nicht geben. Diese Pläne segneten am Donnerstag Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung des Unternehmens ab – begleitet von Protesten von rund 150 Mitarbeitern aus den betroffenen Standorten.

Der Beschluss trifft die FI-Ableger in Fellbach, Berlin, München, Nürnberg, Leipzig und Saarbrücken. Sie werden bis 2014 geschlossen. Davon betroffen sind rund 1600 der 4300 FI-Beschäftigten. Sie erhalten ein Angebot für einen Wechsel an die verbleibenden Standorte Frankfurt, Hannover und Münster oder können das Unternehmen mit einer Abfindung verlassen. Bei der Finanz Informatik rechnet man damit, dass etwa die Hälfte der Mitarbeiter das Angebot zu wechseln annimmt.

Nach Angaben von FI-Chef Fridolin Neumann ist eine neue Organisation aus Kosten- und Wettbewerbsgründen unausweichlich. Der Betriebsrat und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bezweifeln dies nicht, plädieren aber für andere Wege. Allein in Fellbach sind 474 Beschäftigte betroffen, in Berlin 459, in München knapp 600 sowie jeweils rund 30 in Nürnberg und Leipzig. „Die Zersplitterung auf viele Standorte kostet sehr viel Zeit und Geld. Sie begrenzt die Qualität der Arbeit und schwächt unsere Wettbewerbsposition“, sagte Neumann. 80 Prozent der Aufgaben seien auf mehr als vier Standorte verteilt. Dies könne man sich nicht mehr leisten. Künftig werde die Masse der Aufgaben an einem Standort erledigt.

Mitarbeitern, die wechseln, bietet IT-Dienstleister als Ausgleich mindestens 50.000 Euro

FI-Personalchef Michael Schümann ­äußerte Verständnis für die Betroffenheit der Mitarbeiter. „Wir bieten allen einen neuen Arbeitsplatz, wir wollen die Mitarbeiter nicht verlieren.“ Die Beschäftigten hätten jetzt genug Zeit, sich auf die neue Lage einzustellen. Keiner der Standorte werde vor 2014 geschlossen. Bis Ende dieses Jahres sollen ein Interessenausgleich und ein Sozialplan ausgehandelt werden. In Fellbach bestehe die Option, dass in das FI-Gebäude Anfang 2014 das Rechenzentrum der Landesbank Baden-Württemberg einzieht.

Mitarbeitern, die wechseln, bietet der IT-Dienstleister als Ausgleich mindestens 50.000 Euro an. Beschäftigte, die das nicht wollen, sollen Abfindungen erhalten, die je nach Alter und Betriebszugehörigkeit im Durchschnitt bei mehr als 100.000 Euro ­liegen würden. Jeder Mitarbeiter bekomme ein Jobangebot, es gebe umfangreiche ­Umzugs-, Finanz- und Überbrückungshilfen. Für ältere Mitarbeiter seien weitgehende Altersteilzeitmodelle vorgesehen, sagt Neumann. „Die Neuorganisation lässt jetzt alle Betroffenen zwei Jahre Zeit, ob ein Umzug infrage kommt oder nicht.“

Die Finanz Informatik ist 2008 aus mehreren Gesellschaften entstanden und gilt als einer der größten IT-Dienstleister in Europa. Fast 127 Millionen Konten bei 426 Sparkassen, acht Landesbanken, dem Fonds-Anbieter Deka Bank und bei zehn Landesbanken werden von ihr betreut. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei rund 1,5 Milliarden Euro.

Lesen Sie jetzt