Mit Plakaten wie diesem sucht Thomas Karzelek in Polen nach seiner Tochter. Foto: Höhn

Vor 14 Monaten wurde die kleine Lara in Ditzingen entführt und von ihrer Mutter nach Polen verschleppt. Der Vater bittet jetzt den polnischen Präsidenten um Hilfe – denn es bestehe „Gefahr für Leib und Leben“.

Ditzingen - Vor mehr als 14 Monaten ist seine Tochter Lara von Ditzingen nach Polen verschleppt worden, und Thomas Karzelek hat seither viel versucht, sie wieder zu sich zu holen. Jetzt schlägt er einen neuen Weg ein. Karzelek hat vor einigen Tagen eine Online-Petition gestartet, gerichtet an den „sehr geehrten Herrn Präsidenten der Polnischen Republik, Andrzej Duda“. In dem dazugehörigen Schreiben schildert der Vater die Hintergründe der Entführung, um den Präsidenten „höflich um sofortige Intervention“ zu bitten. „Aufgrund der Gefahr für Leib und Leben eines sechsjährigen Kindes muss man der Sache hohe Priorität geben.“

Fast 600 Menschen haben den Aufruf bislang unterschrieben. Am Montag will der Vater nach Warschau fahren und die Liste im Büro des Präsidenten überreichen. Bisher hätten die polnischen Behörden ihn bei der Suche nach Lara nicht unterstützt, sondern ignoriert, klagt Karzelek.

Die Anfänge des Familiendramas liegen weit zurück

Es ist das nächste Kapitel in dem Drama um das Mädchen. Entführt wurde Lara, das steht fest, von ihrer eigenen Mutter, einer polnischen Juristin. Die Frau wurde kürzlich in zweiter Instanz vom Stuttgarter Landgericht zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt, das Urteil ist seit wenigen Tagen rechtskräftig. Die Mutter hat die zunächst eingelegte Revision zurückgezogen, aber den Aufenthaltsort von Lara nennt sie immer noch nicht.

Karzelek und die Mutter waren einst ein Paar, haben sich aber überworfen, und juristisch hat der Vater den Streit gewonnen. Ihm wurde in Deutschland, wo Lara aufgewachsen ist, das Sorgerecht zugesprochen. Was die Mutter nicht akzeptiert. Als Lara am 2. Oktober 2014 mit einer Begleiterin auf dem Weg zu ihrem Kindergarten in Ditzingen war, entführte die Mutter die Tochter – unter Einsatz von Pfefferspray. Sie habe dabei „hohe kriminelle Energie und Gewaltbereitschaft“ und beim „Wegreißen des weinenden Kinds keinerlei Rücksicht gezeigt“, stellte das Landgericht fest.

Seit 14 Monaten kein Lebenszeichen von der Tochter

Karzelek hat seither keinen Kontakt zu Lara und auch kein Lebenszeichen von ihr. Er und die Ermittler vermuten, dass sich das Mädchen bei der polnischen Großmutter befindet, die ebenfalls verschwunden ist. Karzelek ist deutscher und polnischer Staatsbürger und hofft nun, dass die neue Regierung in Polen mehr Druck auf die Ermittlungsbehörden ausübt – zumal zuletzt auch polnische Medien verstärkt über den Fall berichteten. Es stehe außer Zweifel, so schreibt er in seiner Petition, dass auf polnischer Seite viel zu wenig unternommen werde, um Lara zu finden.

In sechs Sprachen hat der Vater den Text übersetzt und ins Internet gestellt, die Unterzeichner kommen aus Deutschland, England, Tschechien, viele auch aus Polen. Er wisse natürlich, dass eine Online-Petition keine rechtliche Relevanz habe, sagt Karzelek. Darum gehe es ihm aber nicht. Sondern darum, dass das Präsidentenbüro auf den Fall aufmerksam wird. Er wolle am Montag zudem die Büros des Innenministers und des Justizministers in Warschau besuchen und dort vorsprechen. Auch die Detektive, die er für die Suche nach Lara eingeschaltet hat, arbeiten weiter.

Auch Laras Mutter erhält Unterstützung im Internet

Einen Unterstützer in Polen hat Karzelek inzwischen immerhin gefunden. Der Kinderschutzbeauftragte der Regierung habe sich inzwischen eingeschaltet und sich bei Polizei und Staatsanwaltschaft über den Stand der Ermittlungen erkundigt. „Das ist ein gutes Zeichen“, sagt er.

Auf diversen Seiten im Internet wird seit Monaten über den Fall Lara und die Hintergründe debattiert und auch gestritten. Vereinzelt wird dabei die Meinung vertreten, die Mutter habe richtig gehandelt. „Sie hat nur das getan, wozu eine Mutter verpflichtet ist, ihr Kind zu schützen“, heißt es etwa auf der Internetseite einer Facebook-Gruppe von Müttern, die, so steht es dort, „unfreiwillig durch den Horror der deutschen Familiengerichtsbarkeit gezogen wurden“. Das Urteil gegen Laras Mutter sei barbarisch, heißt es dort, und ihr Mut sei bewundernswert.

Die Frauen haben eine Weihnachts-Post-Aktion für die Frau gestartet – verbunden mit dem Aufruf, ihr eine Weihnachtskarte „mit aufmunternden Worten“ ins Gefängnis zu schicken.

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