Im Mineralbad wurden innerhalb von 24 Stunden zwei Exhibitionisten festgenommen. Foto: Lichtgut /Leif Piechowski

Am Donnerstagabend onaniert ein 39 Jahre alter Mann vor einem 22-jährigen Badegast. Weniger später rückt die Polizei an, nimmt den Exhibitionisten fest. Nicht einmal 24 Stunden zuvor waren die Beamten wegen eines ähnlichen Vorfalls vor Ort.

Mehrmals musste die Polizei dieser Tage ins Mineralbad Leuze ausrücken. Nachdem am Mittwochabend drei Frauen sexuell belästigt wurden, gab es tags darauf den nächsten Vorfall. Dieses Mal soll ein 39 Jahre alter Mann vor einem 22-jährigen Badegast onaniert haben. Nach Polizeiangaben setzte er sich gegen 21 Uhr neben den jüngeren Badegast und schaute ihn an, während er sich selbst befriedigte. Ohne Konsequenzen blieben seine Handlungen nicht. Alarmierte Polizisten konnten den 39-Jährigen vorläufig festnehmen. Nach der Durchführung der polizeilichen Maßnahmen setzten sie ihn wieder auf freien Fuß.

 

43-Jährigem werden drei Vergehen vorgeworfen

Nicht einmal 24 Stunden zuvor waren die Beamten wegen eines 43 Jahren alten Mannes im Leuze vor Ort. Dem Badegast werden gleich drei verschiedene Vergehen vorgeworfen. Zunächst soll er sich selbst gegen 20.30 Uhr im Kinderbecken vor einer 23 Jahre alten Frau unsittlich berührt haben. Anschließend entblößte er sich nach Polizeiangaben in einem Aufzug vor einer 19-jährigen Angestellten. Wenig später soll er im Dampfbad vor einer 58-Jährigen masturbiert haben. Auch in diesem Fall konnte die Polizei den Exhibitionisten schnappen, die Vernehmung auf dem Revier verlief jedoch anders als erwartet: Während der polizeilichen Maßnahmen kollabierte der Tatverdächtige und musste daraufhin von Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht werden.

Hausverbot in Stuttgarts Bädern

Jens Böhm, Sprecher der Stuttgarter Bäder, betont, dass trotz der aktuellen Häufung, sexuelle Delikte im Leuze nicht an der Tagesordnung sind. „Aber unsere Beschäftigten sind grundsätzlich sensibilisiert“, so Böhm. Die aktuellen Fälle würden zeigen, dass die Kette von den Badegästen über Personal bis hin zur Polizei funktioniert. „Wir sind nicht schlecht vorbereitet, man sieht Badegästen aber am Eingang nicht an, was sie vorhaben.“ Positiv sei, dass die beiden Exhibitionisten vor Ort geschnappt werden konnten. „Sie haben ein Haus- und Badeverbot für alle Bäder Stuttgarts erhalten“, sagt Böhm. „Zunächst mündlich, aber sie erhalten es auch noch schriftlich.“

Je nach Schwere der Fälle könne solch ein Verbot lebenslang gelten. Zugleich gesteht der Bädersprecher ein, dass Kontrollen schwierig sind. Aufgrund von Gewalttaten, Drogen- und Alkoholkonsum, Diebstahl, Vandalismus oder auch wegen sexueller Übergriffe – unter auch im Inselbad – habe man aktuell gültige Haus- und Badeverbote im dreistelligen Bereich. „Wenn wir jemanden wiedererkennen, geht es in die nächste Instanz.“ Man habe schon Strafantrag wegen Hausfriedensbruch gestellt. „Das kommt aber eher selten vor“, sagt Böhm, der die jüngsten Vorfälle auf keinen Fall verharmlosen will. Man dürfe aber den Fokus auch nicht ausschließlich auf die Bäder legen. „Das wäre viel zu einfach, es handelt sich um ein gesellschaftliches Problem, das es zu lösen gilt.“

Ein Blick in die aktuellen Polizeimeldungen unterstreicht die Aussage des Bädersprechers. Regelmäßig kommt es zu sexuellen Belästigungen. Erst am vergangenen Dienstagabend hat ein Unbekannter beispielsweise im Kurpark drei Frauen sexuell belästigt.

Zeugen der Vorfälle im Mineralbad Leuze und mögliche weitere Geschädigte werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 07 11 / 89 90 - 57 78 an die Kriminalpolizei zu wenden.