Wenn Herrchen und Frauchen verreisen, machen Katzen bei ihr Urlaub: Birgit Warrington hat Büroräume in eine Katzenpension voller Spiel- und Rückzugsorte verwandelt.
Spike ist ein grau-weißer, ziemlich kuscheliger Kater. Er macht gerade Urlaub. Beziehungsweise: Sein Frauchen macht Urlaub. Und Spike ist derweil in der Katzenpension von Birgit Warrington in Sachsenheim.
Aber man kann schon sagen, dass das auch für die Katzen so etwas wie Urlaub bedeutet. Das, was Birgit Warrington da geschaffen hat, dürfte für die Miezen so eine Mischung aus Ferienlager und Wellness-Aufenthalt sein. Viel Platz zum Toben mit den Kumpels, Kratzbäume en masse, kuschelige Verstecke als Rückzugsort, gemütliche Kissen zum Chillen, Mehrgänge-Menü zur Auswahl, Vogel-Kino auf dem Balkon… Katzenherz, was willst du mehr?
Kuschel-Kater fordert Streicheleinheiten
Spike sitzt gern im vorderen der verschiedenen Themenzimmer auf den Brettern und Kästchen an der Wand in Halbhöhenlage. Während Mitbewohnerin Mango in der Kratzbaumhöhle pennt, guckt Spike von seinem Plätzchen neugierig auf den Besucher herunter. Nach einer Weile entschließt er sich zum Kuscheln. Leise schnurrend fordert er intensiv Streicheleinheiten ein, lässt sich Köpfchen und Bäuchlein kraulen – bis er irgendwann keine Lust mehr hat in den Nebenraum entschwindet.
Zu tun gibt es genug, und Plätze, an denen man die Pfoten von sich strecken kann, sind zahlreich vorhanden. Genau so wollte Birgit Warrington ihre Katzenpension haben: als einen Ort, an dem sich Katzen wohlfühlen, auch solche, die ein wenig schüchtern oder ängstlich sind. Gewünscht hatte sie sich so etwas schon immer, und als die Büroräume neben ihrer Wohnung frei wurden, griff sie zu. Ihr Mann half ihr, die Zimmer zu gestalten, und schließlich eröffnete sie vor zwei Jahren ihre Katzenpension.
Wie viel Herzblut da drin steckt, kann man sehen. Auf rund 100 Quadratmetern sind verschiedene, naturnah gestaltete Themenzimmer entstanden. Es gibt viel Platz für die Katzen, sich zu bewegen, auch auf Kletterstrecken unter der Decke inklusive Rückzugs- und Aussichtsplätzen. Das große Freigehege auf dem Balkon und die beiden kleineren Freisitze sind gesichert, sodass keine der Miezen das Weite suchen kann.
„Es ist alles ganz schicki“, sagt Birgit Warrington, während sie Fritzi und Amore abwechselnd den Hals krault. Die beiden Katzendamen waren beide schon öfter bei ihr in der Pension zu Gast und sind mittlerweile Freundinnen geworden. Nachdem sie sich eben noch beim gemeinsamen Spiel ausgepowert haben, räkeln sie sich jetzt auf zwei unterschiedlichen Etagen eines Kletterbaumes.
Um einen möglichst entspannten Aufenthalt für die Katzen zu gewährleisten, empfiehlt die Betreiberin der Pension einen Schnupperaufenthalt vor der Hauptreisezeit. Heißt, die Tiere checken für einige Tage bei Birgit Warrington ein, um sich eingewöhnen zu können. „Dann können sie sich orientieren, ihre Lieblingsplätze finden und eine Beziehung zu mir herstellen“, erklärt die 51-Jährige. „Das entspannt die Katzen, wenn sie dann das nächste Mal für eine längere Zeit bei mir sind.“
Im Vorgespräch beziehungsweise spätestens bei der Eingewöhnung kann Birgit Warrington auch sehen, ob eine Katze überhaupt für einen Aufenthalt in der Pension geeignet ist. Denn es gibt auch Tiere, die besser zuhause betreut werden sollten – etwa wenn sie besonders scheu, schon alt oder gar erkrankt sind. Deshalb ist die Sachsenheimerin auch als mobile Tiersitterin unterwegs, allerdings nur in einem gewissen Umkreis.
„Nachts steppt hier der Bär.“
Birgit Warrington, Inhaberin einer Katzenpension
In ihrer Katzenpension hat sie inzwischen schon so manchen Stammgast. Fritzi und Amore zum Beispiel, die beiden Freundinnen auf dem Kletterbaum. Und auch Spike ist schon zum zweiten Mal in Sachsenheim. „Beim ersten Mal war er noch recht schüchtern“, erinnert sich Birgit Warrington. Sie staunt selbst, wie sehr der grau-weiße Kater diesmal aufgetaut ist und kuschelt wie ein Weltmeister.
Ihre eigene Katzenpension zu haben und hier zu arbeiten, ist für die 51-Jährige, die früher in der Pflege arbeitete, ein absoluter Traumjob. Sie kuschelt und spielt leidenschaftlich gern mit ihren Pensionsgästen, umsorgt und unterhält sie. Schon ihre Mutter hatte eine Katzenpension, die Liebe zu den Tieren ist ihr quasi in die Wiege gelegt.
Zum Traumjob gehört aber auch, dass es früh los- und oft bis tief in die Nacht weitergeht – und das an sieben Tagen die Woche. Morgens um 7 Uhr dreht Birgit Warrington ihre erste Runde. Wenn alle Pensionsgäste gefrühstückt haben, geht es für die Gastgeberin ans Putzen. Denn: „Nachts steppt hier der Bär.“ Das kann sie auf den Überwachungskameras sehen.
Animation nach der Mittagsruhe
Nach der Mittagsruhe gibt es gerne mal ein bisschen Animation. Dann wird mit Duftkissen, Bällchen oder der Angel gespielt. Fellpflege mit der Bürste und Kuscheln dürfen auch nicht zu kurz kommen. Manch ein Pensionsgast – Fritzi zum Beispiel – liebt es auch, einfach ein bisschen herumgetragen zu werden.
Zur Betreuung der Gäste gehört für Birgit Warrington auch ein Stück weit die Betreuung der Herrchen und Frauchen, die entweder selbst im Urlaub oder geschäftlich unterwegs sind. Sie schickt ihnen Fotos und Videos ihrer Katzen, damit sie wissen, dass alles in Ordnung ist.
Und so bekommt auch Spikes Frauchen ein Video, wie ihr weiß-graues Katerle sich offenbar bestens eingelebt hat und sich ausgiebig kraulen lässt. Und danach ein Nickerchen hält. Und eine Runde spielt... Wie eine Katze im Urlaub eben.