Choristen und Solisten haben 2018 in der Werfthalle eine Kinderoper nach Mozarts „Zauberflöte“ aufgeführt. Foto:  

Weil der Göppinger Gemeinderat den Staufer Festspielen eine Zuschusserhöhung von 20 000 auf 75 000 Euro bewilligt hat, regt sich Unmut in der Stadt.

Göppingen - Jeweils rund 10 000 Besucher haben sich vom „Vogelhändler“ in den Bann schlagen lassen und bei den Gassenhauern von „Fledermaus“, „Zigeunerbaron“ oder „Im weißen Rössl“ mitgesummt. Auch dank der Kinderoper „Zauberflöte“ und zahlreicher Konzerte haben sich die Staufer-Festspiele unter dem Intendanten Alexander Warmbrunn zu einer kulturellen Marke entwickelt. Zur Festspielstadt wurde Göppingen aber bereits vor 25 Jahren mit ähnlich guten Besucherzahlen mit Musik auf Schloss Fils­eck. Dass der Zuschuss für die Staufer- Festspiele nun kräftig erhöht wurde, bereitet also Unmut in Göppinger Kulturkreisen.

Der Zuschuss steigt von 20 000 auf 75 000 Euro

In seiner jüngsten Sitzung hatte der Göppinger Gemeinderat einen Zuschuss von 75 000 Euro genehmigt. Diese Summe werden die Staufer-Festspiele, begrenzt auf zwei Jahre, von 2020 an erhalten. Bereits im April hatten mehrere Gemeinderatsfraktionen eine Erhöhung der Förderung von jährlich 15 000 auf 20 000 Euro durchgesetzt. Der erneute Zuschussantrag kam jetzt von der gemeinnützigen Gesellschaft Staufer-Festspiele direkt. Damit solle die strukturelle Unterfinanzierung beendet werden.

Die Staufer-Festspiele verantworten nach eigenen Angaben einen Zweijahresetat von rund 800 000 Euro. Die Förderung durch die Stadt ist Bedingung, um Geld vom Landkreis (Einzelförderung für die „Zauberflöte“ 15 000 Euro) und vom Land (zuletzt 25 000 Euro) zu erhalten. Weil das Geld knapp sei und es in diesem Jahr beispielsweise keine gesicherte Finanzierung und zu wenig Ehrenamtliche für die Weihnachtsoper „Hänsel und Gretel“ gebe, wurde die für Dezember geplante Aufführung abgesagt. „Dieser Zustand erdrückt uns, vor allem wenn man am Saisonende nicht weiß, ob man die letzte Rechnung bezahlen kann“, erklärt Benjamin Beck, der gemeinsam mit den beiden Geschäftsführern Markus Müller und Hans Joachim Schellong die Verwaltung der Festspiele organisiert.

250 Ehrenamtliche leisten rund 30 000 Stunden Arbeit

Im Laufe der Jahre seien das Programm und das Arbeitspensum für die rund 250 Ehrenamtlichen auf 30 000 Stunden angewachsen. Das Zusammenspiel von engagierten Laien und professionellen Kulturschaffenden zeichne die Staufer-Festspiele genauso aus wie die generationenübergreifende, integrierende Arbeit, die beispielsweise mit Praktika und Assistenzen Jugendlichen Einblicke in den Kulturbetrieb böte.

Und neben den Schulen, die zur Mitarbeit eingeladen sind, leisteten die Aktiven über den Festivalbetrieb hinaus pädagogische Arbeit bei Klassenbesuchen. Die Festspielleitung und die Stadtverwaltung sind sich einig, dass mit dem erhöhten Fördersatz die Festspiele erhalten und weiterentwickelt werden sollen. Dazu soll für zwei Jahre eine Teilzeitstelle geschaffen werden.

Der Stadtverband Kultur fordert gleiche Behandlung

Davon träume er für den Stadtverband Kultur, der 37 kulturschaffende Vereine vertritt, schon lange, erklärt Gerald Buß. Der bekannte Musiker und Komponist leitet den Verband, in dem sich auch die Staufer-Festspiele vertreten lassen, und seit 25 Jahren das Sommerfestival Musik auf Schloss Filseck. Vor allem wünsche er sich eine Anlaufstelle für den Verband samt Geschäftsstelle zur Koordinierung der Termine und Absprachen. Er sei überrascht worden vom Vorstoß der Festspielakteure. Er begrüße es, wenn das erfreuliche Zuschussgebaren der Stadt Hinweis sein sollte für eine neue kulturelle Schwerpunktsetzung.

„Ich möchte die Interessen aller adäquat vertreten. Aber es muss auch mit gleichem Maß gemessen werden“, fordert Buß, der auch Kirchenmusikdirektor ist und im Kulturkreis ehrenamtlich die zehn Meisterkonzerte pro Jahr in der Stadthalle verantwortet. Der Kulturkreis werde nun ebenfalls eine erhöhte Bezuschussung beantragen, kündigt er an.

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