Sieben Hochschulen bieten im Südwesten einen Studiengang für „Autonomes Fahren“ an. Foto: dpa

Noch klingt es wie Science Fiction - bald schon könnte es Realität sein: Das Autonome Fahren auf Deutschlands Straßen. Ein innovativer Studiengang vermittelt das nötige Know-how dafür.

Esslingen - Ab September 2019 startet ein Studiengang der besonderen Art: Sieben Hochschulen in Baden-Württemberg haben sich zusammengeschlossen, um den berufsbegleitenden Masterstudiengang für „Autonomes Fahren“ anzubieten. Die Vorlesungen finden an der Hochschule Esslingen statt. Mit dabei sind die Hochschulen Heilbronn, Mannheim, Ravensburg-Weingarten, Reutlingen und die Hochschule der Medien in Stuttgart. Ebenfalls beteiligt ist Aalen. „Wir machen die Teilnehmer fit für ein Zukunftsthema“, erklärt Alexandra Jürgens, Geschäftsführerin an der Weiterbildungsakademie der Hochschule Aalen: Hier wird dieser einmalige Studiengang im Südwesten organisiert.

Mit dem autonomen Fahrzeug beschäftigt sich die Automobilindustrie seit einigen Jahren. So startete der Daimler-Konzern 2013 mit dem S 500 Intelligent Drive, das die rund hundert Kilometer lange Strecke zwischen Mannheim und Pforzheim fuhr. Das Auto war ein teilautomatisierter Wagen mit Assistenzsystemen, etwa zum Bremsen, und einem Fahrer, der die Kontrolle übernahm. In Kooperation mit der Zulieferfirma Bosch wurde außerdem ein entsprechendes Taxi entwickelt, das demnächst völlig autonom fährt und den Fahrer zum Passagier macht. Daneben arbeitet Daimler an entsprechenden Lastwagen und Bussen.

Porsche setzt auf anderes Pferd

Andere Wege verfolgt der Sportwagenhersteller Porsche. Es werde nicht auf das Lenkrad verzichtet. Solch ein Auto wolle man selbst fahren, heißt es im Unternehmen. Stattdessen setzt Porsche auf Assistenzsysteme wie Stau- und Parkassistenzen.

Damit das Fahren ohne Fahrer gelingt, müssen diese Busse, Lkws oder Autos mit vielen Verkehrssituationen zurechtkommen, etwa Fußgänger und Ampeln erkennen. Dabei nimmt die Künstliche Intelligenz (KI) eine Schlüsselfunktion ein. Hinter dem Begriff KI verbergen sich Algorithmen, mit denen Software ausgestattet wird, die komplexe Vorgänge erfassen und analysieren kann: beispielsweise ein System, das im richtigen Augenblick bremst. Know-how ist somit gefragt, über das Informatiker, Physiker und Mathematiker verfügen. An sie richtet sich die Weiterbildung ebenso wie an Ingenieure und Absolventen, die Maschinenbau studierten.

Darum geht es um Studium

Im viersemestrigen Studium, das sich ganz dem Autonomen Fahren widmet, geht es außerdem um Sicherheitsaspekte. Unter anderem wird der Frage nachgegangen, wie das Aussteigen ohne Gefahren gelingt. Rechtliche Gesichtspunkte kommen dazu. „Wer haftet, wenn ein Unfall passiert?“, wie Alexandra Jürgens die Situation beschreibt, in der nicht klar ist, ob die Maschine - und damit der Hersteller - oder der Mensch verantwortlich ist.

„Wir haben uns bewusst gegen ein Fernstudium entschieden“, so die Geschäftsführerin. Denn praktische Erfahrungen sollen gemacht werden. Möglich ist das auf einer Teststrecke in Aalen oder auf einem Testfeld in Heilbronn. „Die Teilnehmer können nach draußen gehen und auf der Strecke in einem Testwagen überprüfen, ob das Programmierte funktioniert“, erklärt sie.

Die Weiterbildung kann berufsbegleitend absolviert werden, da als Termine der Freitagnachmittag und der Samstag gewählt wurden. Das Präsenzstudium findet an verschiedenen Orten statt. „Die Module sind auf die beteiligten Hochschulen verteilt“, erklärt Jürgens. Voraussetzungen sind ein abgeschlossenes technisches Hochschulstudium mit einer Abschlussnote von besser als 2,5 und einer einjährigen Berufserfahrung. Der Studiengang kostet 18.000 Euro. Anmeldungen für dieses Jahr sind bis zum 15. Juli möglich. Einige Interessenten gebe es schon, so Geschäftsführerin Jürgens.

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