Der Sommer feiert sein Comeback. Bei strahlendem Sonnenschein treibt es viele in der Landeshauptstadt in die Eisdiele, den Biergarten, auf den Minigolfplatz oder in die Natur.
Stuttgart - Kein Sommer ohne Eis. Das dachte sich auch eine Gruppe von Schulkindern, als sie sich am Donnerstagnachmittag bei heißen Temperaturen im Stuttgarter Eis-Bistro Pinguin mit einer kühlen Erfrischung belohnten. Die Schüler der Körschtalschule sind im Rahmen eines Ferienprogramms erst im Planetarium gewesen, jetzt darf Eis geschleckt werden. Was bei den Jüngsten besonders beliebt ist? „Kinder mögen vor allem Stracciatella. Da spielt es keine Rolle, ob sie es nun richtig aussprechen können oder nicht“, erzählt Esther Weeber, Co-Chefin des Pinguin, schmunzelnd. Auch viele ältere Eishungrige treibt es angesichts der sommerlichen Temperaturen an die Eistheke.
Auch Mops und S 21 sind gefragt
Es sind vor allem Kinder der nahe gelegenen Schulen und Familien, die im Sommer für ein Eis am Eugensplatz vorbeikommen. Im Sommer 2021 waren die Besucherzahlen etwas geringer, Grund war das oftmals kühle, regnerische Wetter. „Wenn es heiß und nicht gerade Ferienzeit ist, haben wir viel Betrieb. Die Eiskugeln in der Waffel gehen genauso gut über die Ladentheke wie auch Eisbecher zum Mitnehmen“, sagt Esther Weeber und fügt an: „Am meisten wird Vanilleeis verkauft, auch weil es in Eiskreationen wie dem Spaghettieis enthalten ist. Es ist tatsächlich unser beliebtester Eisbecher.“ Ansonsten aber seien die Pinguin-Kunden experimentierfreudig. Kreative Neuerungen wie das Mops- (Mandarine, Orange, Passionsfrucht, Sanddorn), S-21- (Sauerkirsche und Träuble) oder Mercedes-Eis (Mandeleis mit Schokostückchen) stießen während des Stuttgarter Sommers ebenfalls auf große Zustimmung.
Auf ein kühles Bier unter alten Bäumen
Raus aus dem heißen Großstadtdschungel, rauf auf den grünen Berg. Das ist die Devise vieler Stuttgarter, die sich den Biergarten auf der Karlshöhe für die sonnigen Mittagsstunden ausgesucht haben. Umgeben von alten, Schatten spendenden Bäumen und geschützt unter Sonnenschirmen lässt sich der Sommer aushalten. „Gegen die Temperaturen hilft immer ein kühles, frisch gezapftes Bier oder eine erfrischende Schorle“, weiß Volker Wunder, Mitbetreiber des Biergartens Tschechen & Söhne.
In den Sommermonaten ist sein Biergarten mit Blick auf die Stadt Zufluchtsort vieler hungriger und durstiger Ausflügler, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Das kann der Wirt für diese Saison bislang nicht behaupten: „Das Besucheraufkommen ist in diesem Sommer eher verhalten.“ Für den eher schleppend laufenden Betrieb macht Wunder die Ferienzeit, den schwachen Sommer und die Pandemie verantwortlich.
„Im August ist weniger los. Hochbetrieb ist bei uns traditionell im Mai und Juni“, sagt Wunder. Nun freuen sich Wunder und Geschäftsführerkollege Philipp Hettler über das Comeback des Sommers – und einen vollen Biergarten. Ab 12 Uhr wird das Angebot auch reichlich genutzt, denn dann lockt der Mittagstisch mit schwäbischen Spezialitäten. Ausflugsgäste von Jung bis Alt haben den Aufstieg auf sich genommen und genießen den Sommer zwischen Bier, Bäumen, Salaten und Saitenwürstle.
Bälle schlagen auf dem Killesberg
„Endlich haben wir mal gutes Wetter. Die Sonne tut richtig gut“, atmet Wolfgang Dürr förmlich auf, als am Mittwochnachmittag bei Bilderbuch-Sommerwetter eine Gruppe nach der anderen seinen traditionsreichen Minigolfplatz auf dem Killesberg betritt. Seit mittlerweile 35 Jahren führt Dürr die Anlage, als kleiner Junge hatte er selbst schon Bälle hier geschlagen. Von Jung bis Alt, vom Pärchen bis zur Familie – Minigolf ist seit Jahrzehnten eine beliebte Sommeraktivität, doch dafür muss es trocken sein. In den Augen des Betreibers zeigte sich der Sommer bis jetzt zu regnerisch: „Das Problem war das wechselhafte Wetter. Ich brauche stabiles Sommerwetter, um die Anlage zu öffnen Das war zuletzt nicht immer der Fall.“
An diesem Mittwoch strahlt die Sonne über dem Killesberg, und die Gäste schlagen munter Bälle. Viele Bahnen sind besetzt. „Heute haben wir so viel Gäste wie an guten Sommertagen üblich“, freut sich Dürr. Auch Familie Eckers ist zum Minigolfen gekommen: „Wir kommen aus Kornwestheim und hatten schon vor Längerem beschlossen, heute Minigolf spielen zu gehen. Der Vorteil gegenüber einem Schwimmbad ist auch, dass man keine Anmeldung braucht.“ Auch wenn nicht jeder aus der Familie das Spiel mit dem kleinen bunten Ball, dem eisernen Schläger und den kleinen Löchern am Ende jeder Bahn meisterlich beherrscht, Spaß bringt es den Eckers dennoch. „Es fühlt sich an, wie vor der Coronapandemie. Hier auf dem Minigolfplatz kommen wir uns vor, als ob wir um Urlaub sind.“
Den Sommer im Grünen genießen
Spazieren gehen, Rad fahren, seinen Hund tollen lassen, die Füße in der Körsch abkühlen oder auf einer schattig gelegenen Bank verweilen – im Naherholungsgebiet Körschtal in Möhringen lässt sich Sommerfeeling in der Natur erleben. Während zwei Damen mit ihrem Hund entlang der Körsch spazieren laufen, tobt sich ein anderer auf der weiten Wiese aus. Sein Frauchen aus dem Heusteigviertel kommt jeden Tag ins Körschtal, vor allem während der Urlaubszeit, wo viele andere verreisen: „Ich bin fast täglich hier. Hier kann mein Hund rennen und ich kann wie im Urlaub zwischen Wald und Wiese und dem ganzen Grün Ruhe und Kraft tanken.“
Wer an diesem heißen Tag nicht den eigenen Hund ausführt, auf den Waldwegen entlang des Flüsschens radelt, joggt oder spazieren geht, lässt immer auch das satte Grün auf sich wirken. Und wer eine Pause braucht, sucht sich ein schattiges Plätzchen auf einer der Bänke am Wegesrand. Andere halten bei den Temperaturen um die 30 Grad auch mal die Füße in die Körsch oder setzen sich mit Kindern oder Freunden auf eine Picknick-Decke in den Schatten. Wer den Sommer in der Großstadt verbringt, der fühlt sich im Möhringer Naturschutzgebiet Körschtal an den Urlaub im Schwarzwald oder in Bayern erinnert.