Der Vektorimpfstoff von Astrazeneca enthält statt mRNA abgeschwächte Schimpansen-Erkältungsviren. Foto: imago/Sven Simon

Impfstoffe gegen das Coronavirus sind in diesen Tagen sehr gefragt. Doch was steckt eigentlich in den Fläschchen drin?

Stuttgart - Dass die Produktion von Corona-Impfstoffen länger dauert als von vielen erhofft, hängt teilweise auch mit knappen Rohstoffen zusammen. Anlass genug, einen Blick auf die Zutatenlisten zu werfen.

 

Beim mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer enthält ein Fläschchen 0,45 Milliliter Impfstoffkonzentrat, das vor Gebrauch mit 1,8 Milliliter isotonischer Kochsalzlösung verdünnt wird. Danach können sechs Einzeldosen entnommen werden. Pro Impfung werden 0,3 Milliliter Impfstofflösung benötigt – rund 0,3 Gramm. Der eigentliche Impfstoff – die mRNA-Abschnitte, die den genetischen Bauplan für das Spike-Protein des Coronavirus enthalten – hat dabei nur einen verschwindend geringen Anteil. Gerade mal 0,3 Mikrogramm (Millionstel Gramm) mRNA befinden sich in einer Dosis, wie Siegfried Throm erklärt. Der Pharmazeut ist Geschäftsführer für Forschung beim Verband forschender Arzneimittelhersteller (VfA).

Damit die empfindlichen mRNA-Abschnitte in menschliche Zellen eindringen können und nicht zersetzt werden, bevor sie ihre Wirkung entfalten, werden sie mit einer Hülle aus Lipiden umgeben. Das sind für diesen speziellen Zweck abgewandelte Fettsäuren. Im Biontech/Pfizer-Impfstoff kommen mehrere dieser Verbindungen zum Einsatz. Eine trägt die unaussprechliche chemische Bezeichnung [(4-Hydroxybutyl)azandiyl]bis(hexan-6,1-diyl)bis(2-hexyldecanoat) und ist in Fachkreisen als ALC-0315 bekannt. Hinzu kommen Cholesterin, Salze wie Kaliumchlorid oder Kaliumdihydrogenphosphat, die als Puffer den pH-Wert stabilisieren. Weitere Zutaten sind Zucker (Saccharose) und Wasser.

Keine Engpässe gibt es bei Glasfläschchen

Insbesondere bei den Lipiden sei die Versorgung schwierig, so Throm. „Die wurden von den Zulieferern bis vor einem Jahr nur im kleinen Maßstab produziert.“ Nun müssten die Kapazitäten vervielfacht werden. Dabei seien die Anforderungen an Reinheit und Einheitlichkeit bei pharmazeutischen Rohstoffen besonders hoch. Bei den Ausgangsstoffen für die mRNA-Herstellung mit gentechnisch modifizierten Colibakterien sieht Throm keine Engpässe – ebenso wenig bei den Glasfläschchen für die Impfstoffe.

Der Impfstoff des US-Herstellers Moderna ist ähnlich zusammengesetzt wie das Präparat von Biontech/Pfizer. Neben der mRNA enthält er ebenfalls Lipide, Cholesterin und verschiedene Puffersubstanzen zur pH-Stabilisierung. Hinzu kommen Essigsäure, Zucker und Wasser als wesentliche Bestandteile. Der Impfstoff kommt gebrauchsfertig in Fläschchen mit zehn Einzeldosen.

Lipide stehen bei Astrazeneca nicht auf der Zutatenliste

Der Vektorimpfstoff von Astrazeneca enthält statt mRNA abgeschwächte Schimpansen-Erkältungsviren, denen der Bauplan des Spike-Proteins eingebaut wurde. Gezüchtet werden diese Viren in Zellkulturen mit genetisch veränderten menschlichen Nierenzellen. Diese sind sehr empfindlich und müssen daher über mehrere Zwischenschritte vermehrt werden, was Zeit braucht. Die gefragten Lipide stehen dagegen nicht auf der Zutatenliste. Dort finden sich unter anderem die Aminosäure Histidin, der Emulgator Polysorbat, diverse Salze, Zucker, der Komplexbildner Natriumedetat und Wasser. Auch diese Stoffe werden in besonders hoher Reinheit benötigt.

Wirkverstärker – sogenannte Adjuvantien – seien in den drei bislang zugelassenen Corona-Impfstoffen nicht enthalten, sagt der VfA-Experte Throm. Sie würden allerdings für Totimpfstoffe aus abgetöteten Erregern benötigt, wie sie etwa von chinesischen Herstellern entwickelt wurden.