Impfstoffproduktion bei Biontech in Marburg Foto: dpa/Boris Roessler

Das Geschäft mit Impfstoffen gegen Corona ist mit neuen Varianten unberechenbarer als je zuvor. Aber das gibt auch Raum für neue Anbieter, kommentiert Andreas Geldner.

Die Corona-Impfstoffe sind weiterhin ein Milliardenspiel. Doch eines, dessen Spielregeln unberechenbar sind und sich ständig ändern. Dazu gehört nicht nur ein Virus, das schneller und vielfältiger mutiert als dies selbst Pessimisten geglaubt hatten. Dazu gehören auch immer noch unklare Prozesse und Spielregeln, wann, wie und für wen denn nun die an diese Evolution angepassten Impfstoffe auf den Markt kommen können.

 

EU und USA bestellen anders

Allein schon der Blick auf die unterschiedlichen Ansätze der EU und der USA zeigt das Dilemma, vor dem selbst die beiden dominierenden Spieler auf dem Markt, Biontech/Pfizer und Moderna, stehen. Während sich die USA dafür entschieden haben, im Herbst auf Impfstoffe zu setzen, die an die allerneuesten, zurzeit zirkulierenden Varianten BA 4 und BA 5 angepasst sind, hat die europäische Zulassungsbehörde den Unternehmen signalisiert, dass man in Europa lieber auf die Impfstoffe setzt, die auf eine bereits kaum noch existierende Variante BA 1 von Anfang des Jahres angepasst sind. Das Argument: Nur hier gibt es bereits Erprobungergebnisse an Menschen, während für die neueren Varianten bisher nur Tierversuche vorliegen.

Der Vorteil der europäischen Strategie wäre, dass diese sozusagen leicht veraltete Version des Impfstoffes schon im Frühherbst vorliegen würde, während man in den USA wohl noch bis in den Spätherbst warten muss. Es ist also möglich, dass die Unternehmen für die EU und die USA jeweils unterschiedliche Impfstoffe liefern werden.

Wer wird sich boostern lassen?

Und ebenfalls unklar ist, wie vielen Menschen diese sogenannte Booster-Impfung empfohlen wird und wer sie dann überhaupt wahrnimmt – wobei hier das Risiko am Ende bei den Bestellern verbleibt. Und während beim jährlichen Update der Grippeimpfstoffe immer schon Anfang des Jahres klar ist, wohin die Reise geht, ist bei Corona noch im Sommer die finale Strategie zumindest in Europa nicht klar.

Biontech/Pfizer und Moderna haben zurzeit in der EU praktisch ein Duopol. Doch Planbarkeit sieht für die Unternehmen anders aus. Zudem holen Entwickler mit Impfstoffen auf, die entweder einen breiteren, variantenresistenten Ansatz verfolgen oder etwa über die Verabreichung über Nasensprays einen länger anhaltenden Infektionsschutz erreichen wollen. Wer also am Ende als Unternehmen profitieren wird, ist noch völlig offen.