Als Erster bekommt der 88-jährige Josef Pötzel seine Impfung. Foto: Caroline Holowiecki

Am Montagmorgen haben auch im Altenheim in Stuttgart-Schönberg die Corona-Impfungen begonnen. Zunächst hat sich aber nur ein kleiner Teil der Bewohner und Mitarbeiter piksen lassen. Warum ist das so?

Stuttgart-Schönberg - Markus Bartls Tag beginnt mit warten. Er sitzt auf heißen Kohlen. Kurz nach Sonnenaufgang bereits steht er im Eingangsbereich des Seniorenheims Schönberg parat. Dieser Montag ist ein besonderer für den Fachbereichsleiter Altenhilfe. In der Pflegeeinrichtung im Birkacher Ortsteil gehen die Corona-Impfungen los. Acht Bewohner und etwa ein Dutzend Mitarbeiter sollen an diesem Morgen die erste von zwei Dosen bekommen.

Mitte Februar beginnt der Umzug der Einrichtung in den Neubau nach Altbach, „es ist wichtig, dass der Schutz dann schon da ist“, sagt Markus Bartl. Unter denen, die gepikst werden sollen, ist der 88-jährige Josef Pötzel. Mit akkurat nach hinten gekämmtem Haar ist der Senior auf Abruf bereit. Aber auch er muss sich gedulden. Mit 20 Minuten Verspätung trifft das mobile Impfteam ein. Das Quartett, darunter ein Notfallsanitäter, eine Ärztin und eine angehende Kinderkrankenschwester, trägt Kisten ins Haus. In einem Raum wird alles rasch hergerichtet. Der Impfstoff wird in größeren Ampullen gebracht und frisch aufgezogen, erklärt die Ärztin Stephanie Funk. Schließlich kommt Josef Pötzels großer Auftritt – doch den kriegt der Senior kaum mit. Den Stich selbst spürt er nicht. „Hat gar nicht wehgetan“, sagt er. Später streckt er den Daumen hoch. Josef Pötzel hat sich immunisieren lassen, um wieder mehr Besuch empfangen zu können.

Langersehnte Spritzen

Der erste Impfling in Stuttgart ist er jedoch nicht. Bereits am Sonntag zuvor ist in Baden-Württemberg begonnen worden, die langersehnten Spritzen zu setzen. Die allererste Dosis in der Landeshauptstadt bekam eine Pflegerin auf der Covid-19-Station des städtischen Klinikums verabreicht.

Am Tag nach den Weihnachtsfeiertagen haben alle Impfzentren in Stuttgart, Ulm, Tübingen, Heidelberg, Freiburg, Karlsruhe, Offenburg, Rot am See und Mannheim ihre Arbeit aufgenommen. Ab Mitte Januar geht es dann auch in den rund 50 weiteren Zentren in den Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg los. Mittelfristig sollen die Impfungen bei den Hausärzten möglich sein.

Termine können ab sofort telefonisch unter der Nummer 116 117 vereinbart werden. Nicht jeder kommt aber gleich schnell dran. Die höchste Priorität haben über 80-Jährige, Pflegeheimbewohner sowie Personal auf Intensivstationen und in Notaufnahmen. Danach kommen etwa Interessenten über 70 dran, wieder später folgen Bürger über 60, medizinisch vorbelastete Menschen sowie bestimmte Berufsgruppen wie Polizisten oder Erzieher.

Gesetzliche Betreuer müssen zustimmen

Markus Bartl kriegt an diesem Montagmorgen ebenfalls seine Impfung. Doch er weiß: Damit ist im Altenheim in Stuttgart-Schönberg die Arbeit längst nicht getan. Mit den acht Bewohnern kann zunächst nur ein kleiner Teil geimpft werden. 53 Menschen leben hier. „Die, die selbst einwilligungsfähig sind und die, die wollten“ kämen heute dran.

In einem zweiten Schritt sollen all jene geimpft werden, deren gesetzliche Betreuer zugestimmt haben. „Wir haben alle Betreuer angeschrieben“, sagt Markus Bartl. Und auch beim Personal ist noch Luft nach oben. 60 Menschen arbeiten im Haus, nur ein Fünftel lässt sich an diesem Morgen spritzen. Manche wollten anderen den Vortritt lassen, viele seien aber auch abwartend, „es gibt welche, die sagen, es ist mir zu unsicher“, erklärt Markus Bartl. Er hofft, dass noch ein Ruck durch die Gesellschaft geht. „Es muss.“

Aktuelle Meldungen, wissenswerte Hintergründe und nützliche Tipps – in unserem Dossier bündeln wir alle Artikel zu Corona.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: