Günstige Wohnungen sind inzwischen fast völlig vom Stuttgarter Immobilienmarkt verschwunden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Während günstige Eigentumswohnungen vor wenigen Jahren noch das Gros aller Verkäufe in Stuttgart ausgemacht haben, sind diese inzwischen fast völlig vom Markt verschwunden.

Stuttgart - Durchschnittsverdiener werden aus der Stadt verdrängt, so das Fazit von Experten zur Lage auf dem Immobilienmarkt. Mehr Verkehr und Schadstoffe sind die Folgen. Hanspeter Gondring, der Leiter des Studiengangs Immobilienwirtschaft der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, sagt: „Wir beobachten einen Verdrängungswettbewerb. Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen werden in Randlagen oder in Nachbargemeinden abgedrängt.“

Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist der dauerhafte Preisanstieg bei Wohnungen. Preise sind 2016 auf neue Rekordwerte gestiegen. Das geht aus den Zahlen der städtischen Gutachter hervor. 5430 Euro hat ein Quadratmeter neuer Wohnfläche im Jahr 2016 in Stuttgart im Schnitt gekostet – 5061 Euro waren es 2015. In der Innenstadt ist der Wert von 5770 Euro auf nunmehr 6422 Euro gestiegen. Besonders deutlich wird die Entwicklung im Vergleich verschiedener Preissegmente. Verkäufe von Bestandswohnungen für 1500 bis 2000 Euro pro Quadratmeter haben 2012 mehr als 35 Prozent aller Verkäufe ausgemacht. 2016 lag deren Anteil hingegen bei rund sechs Prozent. Auf der anderen Seite machen Wohnungen für mehr als 6000 Euro pro Quadratmeter inzwischen mehr als ein Viertel des Umsatzes im Neubau aus. 2012 lag deren Anteil bei zwei Prozent.

Die Stadt verteidigt indes ihre Politik. Durch den Kauf von großen Wohnbauflächen habe Stuttgart diese Flächen der Spekulation entzogen, so Baubürgermeister Peter Pätzold. Oberbürgermeister Fritz Kuhn sagte unserer Zeitung: „Es ist klar: Wir müssen mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen.“ Wohnungsbau in der Fläche will Kuhn weiterhin vermeiden: „Wir wollen nicht auf den Acker. Der Schutz des Grüngürtels um Stuttgart gehört zur Lebensqualität.“

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