Immobilienatlas Stuttgart Verkaufszahlen im Sinkflug

Von Sven Hahn 

Der Markt scheint leer gefegt – im ersten Halbjahr gab es kaum Immobilienverkäufe. Foto: dpa
Der Markt scheint leer gefegt – im ersten Halbjahr gab es kaum Immobilienverkäufe. Foto: dpa

In Stuttgart scheint der Markt neuer Wohnungen fast komplett zum Erliegen zu kommen. Im ersten Halbjahr liegen die Verkaufszahlen weit hinter denen der vergangenen Jahrzehnte.

Stuttgart - Was kostet eine Immobilie in Stuttgart wirklich? Die Preise aus Internetportalen und Inseraten spiegeln nur den Wunsch der Verkäufer wider. Was tatsächlich bezahlt wird, wissen nur die Notare. Allein der städtische Gutachterausschuss hat Zugriff auf die Daten. Unsere Zeitung präsentiert jedes Quartal die Preisentwicklung am Immobilienmarkt auf Basis der Zahlen.

So wenige Wohnungsverkäufe haben die städtischen Immobilienexperten noch nie verzeichnet. Nach den lediglich 64 Verkäufen im ersten Quartal dieses Jahres wurden von April bis Juni nochmals weniger Abschlüsse registriert. „Diese Zahlen sind für uns ein absolutes Novum“, berichtet Steffen Bolenz, der stellvertretende Vorsitzende des städtischen Gutachterausschusses. Lediglich 55 Verkäufe neuer Eigentumswohnungen haben die Gutachter im zweiten Quartal registriert. Damit wurden im ersten Halbjahr nur 119 neue Wohnungen in Stuttgart verkauft. Blickt man auf die Zahlen vergangener Jahre zurück, zeigt sich die Dramatik der Entwicklung. Im Jahr 2016 wurden im ersten Halbjahr 366 Einheiten verkauft, 2017 waren es immerhin 225. Das einzige Mal, dass der Wert im ersten Halbjahr unter 200 Abschlüssen lag, war im Jahr 2001 mit 199 Verkäufen. „Es fehlt schlicht das Angebot“, sagt Martin Weller, ebenfalls stellvertretender Vorsitzender der Gutachter.

Die Preise gehen auch aufgrund des geringen Angebots weiter nach oben. Der Durchschnittspreis im Neubau liegt aktuell bei 6485 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: im selben Zeitraum des Jahres 2015 lag dieser Wert noch bei 4969 Euro pro Quadratmeter, 2016 bei 5064 Euro und 2017 bei 5976 Euro pro Quadratmeter.

Auch im Bestand, also beim Wiederverkauf bereits bestehender Wohnungen, zeigt sich ein Rückgang der Verkaufzahlen – lediglich 574 Einheiten wurden in der gesamten Stadt zwischen April und Juni verkauft, was ebenfalls deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre liegt. „1300 Verkäufe im ersten Halbjahr im Bestand waren lange Zeit üblich“, sagt Weller. Nun waren es in den ersten sechs Monaten des Jahres lediglich 1161.

Die Preissteigerungen setzen sich derweil fort – wenn auch mit etwas geringerer Geschwindigkeit als in den Vorjahren. Der Durchschnittspreis im Bestand liegt im zweiten Quartal des Jahres bei 3674 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: 2015 lag dieser Wert zum selben Zeitpunkt bei 2667 Euro, 2016 bei 3085 Euro und im Vorjahr bei 3386 Euro pro Quadratmeter. „Wir sind bei den Preissteigerungen inzwischen wieder im einstelligen Bereich“, berichtet Bolenz. „Zuvor haben wir uns lange im Bereich von 12 bis 15 Prozent Preissteigerung pro Jahr bewegt“, ergänzt Weller. Experten rechnen aufgrund des nun seit rund acht Jahren anhaltenden Preisanstiegs seit geraumer Zeit wieder mit sinkenden Preisen. „Das ist in Stuttgart noch nicht zu erkennen“, so Weller.

Bemerkenswert ist die Preisentwicklung vor allen Dingen in der Stuttgarter Innenstadt – das sind bei den Gutachtern die Bezirke Mitte, West, Süd, Ost, Nord soweit Kaltental und Botnang. Hier liegt der mittlere Preis für eine gebrauchte Eigentumswohnung aktuell bei 4327 Euro pro Quadratmeter. Für eine durchschnittliche Wohnung mit 100 Quadratmetern werden inklusive aller Steuern und Kaufnebenkosten somit derzeit rund 476 000 Euro fällig. Im Jahr 2015 wären für die selbe Wohnung im Schnitt noch rund 328 000 Euro bezahlt worden – eine Preissteigerung innerhalb von drei Jahren um knapp 150 000 Euro.

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