Die Preise für Wohneigentum haben in den ersten neun Monaten des Jahres erneut deutlich zugelegt. Foto: dpa

Die Preise steigen zwar langsamer als bisher, Wohneigentum wird in Stuttgart aber nach wie vor teurer. Experten erwarten für 2019 erneut eine spürbare Preissteigerung.

Stuttgart - Was kostet eine Immobilie in Stuttgart wirklich? Die Preise aus Internetportalen und Inseraten spiegeln lediglich den Wunsch der Verkäufer wider. Was ­tatsächlich bezahlt wird, wissen aber nur die Notare. Allein der städtische Gutachterausschuss hat Zugriff auf die Daten. Unsere ­Zeitung präsentiert jedes Quartal die ­Preisentwicklung am Immobilienmarkt auf Basis der Zahlen.

Angesichts dramatisch sinkender Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2018 komme den Zahlen des dritten Quartals besondere Bedeutung zu, sagte Stephan Kippes unserer Zeitung im September dieses Jahres. Kippes ist der Leiter des Marktforschungsinstituts des Immobilienverbands Deutschland (IVD) sowie Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Nürtingen-Geislingen. Inzwischen liegt unserer Zeitung die Übersicht über die Verkaufszahlen für den Zeitraum von Juli bis September vor. Das Ergebnis: Der Einbruch bei den Verkaufszahlen setzt sich ungebremst fort.

Wie drastisch der Rückgang der ­Wohnungskäufe in Stuttgart tatsächlich ausfällt, zeigt ein Blick auf die Zahlen – ­lediglich 63 neue Eigentumswohnungen wurden im dritten Quartal verkauft. Nach 64 Abschlüssen in den ersten drei Monaten des Jahres und 55 Verkäufen von April bis Juni liegt die Zahl aller Käufe von Neubauwohnungen 2018 bislang bei 182 Einheiten. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum wurden 2015 insgesamt 477 Abschlüsse registriert, 2016 waren es in den ersten drei Quartalen 529 Verkäufe und 2017 immerhin noch 346.

Nur 13 Verkäufe im 3. Quartal im Innenstadtbereich

Steffen Bolenz, der stellvertretende Vorsitzende des Gutachterausschusses, erklärt dazu: „Im Fünfjahresschnitt beobachten wir einen Rückgang der Verkaufszahlen im Neubau von 57 Prozent.“ Der Grund für diese Entwicklung ist aus Sicht des Experten klar: „Es gibt keine großen Neubauprojekte.“ Im gesamten Innenstadtbereich wurden im dritten Quartal lediglich 13 Verkäufe registriert, im Bereich Neckar – also von Bad Cannstatt über Hedelfingen, Wangen bis nach Uhlbach – waren es insgesamt nur fünf Abschlüsse. Und auch im Wohnungsbestand sinkt die Zahl der Verkäufe spürbar. 578 Abschlüsse haben die Gutachter im dritten Quartal verzeichnet. Im Fünfjahresvergleich ein Minus von elf Prozent.

Die Preise steigen derweil weiter – wenn auch nicht mehr so schnell wie in den ­vergangenen Jahren. Die Gutachter rechnen für das gesamte Jahr 2018 mit einem Preisplus von acht bis elf Prozent im Neubau und von sechs bis acht Prozent beim Verkauf ­bestehender Wohnungen.

Damit kostet eine durchschnittliche neue Eigentumswohnung in Stuttgart derzeit 6347 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Im dritten Quartal 2015 lag dieser Wert noch bei 5208 Euro pro Quadratmeter. Inklusive der üblichen Kaufnebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Maklerprovision oder Grundbucheintrag ergibt sich bei einer neuen Wohnung mit 100 Quadratmeter Fläche ein Preisanstieg von mehr als 126 000 Euro innerhalb von nur drei Jahren.

Erneut spürbare Preissteigerung erwartet

Im Bestand liegt der Mittelwert aktuell bei 3678 Euro pro Quadratmeter – im dritten Quartal 2015 waren es noch 2762 Euro. Damit haben die Bestandswohnungen im Übrigen sogar den Preis der Neubauwohnungen von vor wenigen Jahren überboten. Im Jahr 2012 kostete eine neue Eigentumswohnung noch 3492 Euro pro Quadratmeter.

Mit Blick auf die Preise gehen die Experten mit Blick auf die kommenden zwölf Monate erneut von spürbaren Steigerungen aus. Was hingegen die Verkaufszahlen angeht, so scheint zumindest ein wenig Linderung in Sicht. Im vierten Quartal 2018 sollen rund 130 Wohnungen im Stuttgarter Norden zum Verkauf kommen. Nach Recherchen unserer Zeitung handelt es sich dabei um die Wohnungen auf dem ehemaligen Opel-Staiger-Areal an der Friedhofstraße.

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